Schremser Kandidaten am Wort. Wer die Spitzenkandidaten zur Gemeinderatswahl in Schrems sind, wofür sie stehen – und was ihre Visionen für die Stadtgemeinde sind.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 16. Januar 2020 (04:49)
Karl Harrer ist seit 2015 Bürgermeister, seine SPÖ besetzt 16 von 29 Mandaten, Stadtrat David Süß ist erstmals ÖVP-Spitzenkandidat (derzeit 9 Mandate), Gemeinderat Walter Hoffmann besetzt mit der FPÖ derzeit 2 Mandate, Gemeinderat Ferdinand Kammerer führt die Grünen an (derzeit 1 Mandat) und Noch-SPÖ-Gemeinderätin Viktoria Prinz startet mit der neuen Liste Prinz.
Sinngern, Shutterstock.com; NÖN

Ihre Kurzbilanz: Wie hat sich die Stadtgemeinde Schrems seit der Gemeinderatswahl 2015 entwickelt?

Karl Harrer: Positiv, durch Kleinkinderbetreuung, Glasfaser-Breitband, Hochwasserschutz, Löschfahrzeuge für Feuerwehren, erster Betrieb im Wirtschaftspark, Arbeitsplätze, Baulandflächen, Sanierung Bewegungsraum, Radwege, Stadtamts-Sanierung...

David Süß: Schrems ist eine äußerst lebenswerte Gemeinde, die viel zu bieten hat. Doch wir könnten noch viel besser dastehen. Leider wurden in den letzten Jahren immer wieder große Summen in Projekte gesteckt, die nicht bei der Bevölkerung ankamen.

Walter Hoffmann: Glasfasernetzausbau und Gemeindeamtumbau waren notwendige Investitionen, sonst hat sich seit 2015 meiner Meinung nach nicht viel geändert.

Ferdinand Kammerer: Positiv: Radwege-Ausbau und Klima- & Umweltschutzmanifest – das aber unvereinbar mit gleichzeitiger Befürwortung der Waldviertel-Transit-Autobahn ist. Die Chance, beim Stadtamt-Umbau eine Ladestation zu positionieren, wurde versäumt.

Viktoria Prinz: Leider gab es viele Versäumnisse und Entscheidungen gegen den Willen der Bevölkerung. Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen wurden vernachlässigt. Der politische Stil ist immer diktatorischer geworden. Positiv: Storchennest.

Wo gibt es für die kommenden fünf Jahre den größten Handlungsbedarf? Was sind die ersten Vorhaben, denen sich die Stadtpolitik widmen sollte?

Karl Harrer: Belebung Hauptplatz, Sanierung Schulkomplex, Internatsneubau LBS, Natur- & Klimaschutz, Umsetzung plastikfreie Gemeinde, Errichtung Kinder- und Jugendgemeinderat, Hochwasserschutz- Abschluss, Wohnbau, Sicherheit Bürger in allen Bereichen, Naturpark & Tourismus, digitale Stadtentwicklung, Betriebsansiedlungen, Gesundheits- und Sozialbereiche.

David Süß: Zunächst sollte einmal rasch eine umfassende Sanierung der Straßen und Gehsteige im Gemeindegebiet erfolgen, da haben wir dringenden Handlungsbedarf. Außerdem müssen wir unseren Hauptplatz beleben. Auch für Kinder & Jugendliche der Gemeinde wurde in den letzten Jahren zu wenig getan. Und nicht zuletzt wollen wir alle Vereine stärker unterstützen.

Walter Hoffmann: Den Wirtschaftspark in der Horner Straße durch neue Firmen beleben um Arbeitsplätze zu schaffen und dadurch die Abwanderung zu stoppen. Sofortige Umsetzung der Fußgängerunterführungen bei den Kreuzungen Kottinghörmanns und Niederschrems. Leistbares Wohnen. Einrichtung für unsere Jugend schaffen. Straßensanierungen im Gemeindegebiet.

Ferdinand Kammerer: Ernstgemeinter Klimaschutz ist unvereinbar mit weiterem Autobahn-Bau; sichere Radwege von jeder Ortschaft nach Schrems; Reduzierung des Lkw-Verkehrs (Fahrbahnteiler bei Ortseinfahrten); Angebote für junge Menschen und Kulturinitiativen schaffen (Vereinsförderungen!); Stadtplatzbelebung (Ende des Leerstandes, Tempo 30, Ladestation).

Viktoria Prinz: Es braucht mehr Lebensraum für Kinder und Jugendliche (Sanierung der Volksschule und des Jugendzentrums, besser ausgestattete Spielplätze), eine Belebung des Hauptplatzes, leistbares Wohnen für Jung & Alt, einen Neubau der Feuerwehr-Zentrale, einen neuen Standort für den Bauhof, mehr Budget für Bildung und Kultur, mehr Radwege.

Warum soll man am 26. Jänner Ihrer und nicht einer anderen Partei die Stimme geben?

Karl Harrer: Weil mein Team und ich die letzten fünf Jahre sehr gute Arbeit für Schrems geleistet haben.

David Süß: Weil die ÖVP mit allen Parteien gut kann und so ein Garant für mehr Miteinander wäre.

Walter Hoffmann: …um vier Mandate zu erreichen und durch einen Stadtrat ernsthaft mitreden zu können.

Ferdinand Kammerer: Weil nur wir konkrete Taten gegen Klimakrise fordern/andere Parteien diesbezüglich kontrollieren.

Viktoria Prinz: Weil wir unabhängig sind und Frauen eine realistische Chance auf ein Mandat geben.

Welches Wahlergebnis würden Sie als Erfolg werten?

Karl Harrer: Zumindest ein Halten der Mandate wie im Jahr 2015.

David Süß: Die absolute SP-Mehrheit zu brechen, damit es mehr Mitsprache für alle gibt.

Walter Hoffmann: Die zwei Mandate halten oder vielleicht ein drittes dazubekommen.

Ferdinand Kammerer: 2 Mandate würden uns freuen, unseren Anliegen mehr Gewicht geben.

Viktoria Prinz: Mit einem Mandat im nächsten Gemeinderat vertreten zu sein.

Falls es am 27. Jänner keine Partei mit absoluter Mehrheit mehr geben sollte: Welche Rolle sollte Ihre Fraktion dann spielen? Was wäre Ihre Wunschkoalition?

Karl Harrer: Jetzt hat einmal der Wähler das Wort. Wir wollen auf jeden Fall die bestimmende Kraft bleiben. Eine Zusammenarbeit mit allen Fraktionen werden wir aber nie ausschließen.

David Süß: Zuerst entscheidet die Bevölkerung über die künftige Gemeindevertretung. Wir als Volkspartei haben mit allen Parteien - auch vielen Personen der SPÖ – ein gutes Einvernehmen.

Walter Hoffmann: Um die SPÖ-Alleinherrschaft zu beenden wäre ich für ein buntes Schrems, wie etwa in Gmünd. Wir wären für Gespräche mit den anderen Parteien bereit.

Ferdinand Kammerer: Wir wollen gute Oppositionspolitik machen, parteiübergreifend Bündnisse schließen.  Wunschkoalition setzt Klimaschutz um, stellt Gemeindeanliegen über Fraktionszwang.

Viktoria Prinz: Wir werden mit ALLEN Fraktionen über mögliche Zusammenarbeit sprechen. Wir haben keine Wunschkoalition, aber den Wunsch nach mehr Bürgernähe & Demokratie.