Das Bier als eine neue Erlebniswelt. Völlig neugestaltete Bierausstellung im Schloss Weitra: Ein Mix aus Information und Erlebnis, der auch den Geschmackssinn anregt.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 15. April 2021 (05:41)

Es ist ein imposanter Blickfang, der an der Wand hängt: Eine wunderschöne Landschaft mit sattem Grün aus Bäumen und Feldern und darüber blauer Himmel – sogar aus dem Waldviertel. Dass genau hier die neu gestaltete Bierausstellung im Weitraer Schloss beginnt, verrät der Blickfang noch nicht. Aber: Er macht schon neugierig auf mehr.

Biergeschichte zum Erleben

Der erste Abschnitt widmet sich der Geschichte Weitras und des Bieres – und beider gemeinsam. Eine Schautafel zeigt: Die Biergeschichte startet um 7.000 vor Christus, Weitra hat ab 1321 nach Christus mitgemischt. Also vor 700 Jahren. Passend dazu wartet das nächste Highlight: Die Stadtgemeinde hat die Urkunde zur Verleihung des Braurechts an Weitra detailgetreu und täuschend echt nachdrucken lassen, Vintage-Look und Siegel inklusive.

Für die Gestaltung der Ausstellung zeichnet die Vogel Audiovision GmbH aus Linz verantwortlich. Die Erstbegehung habe schon 2018 stattgefunden, ein Jahr sei nun intensiv am Projekt gearbeitet worden, erzählt Geschäftsführer Michael Filnkößl. Etwa zwölf Mitarbeiter seien von der Analyse über Konzeption und Produktion bis hin zur Montage beschäftigt gewesen, Unterstützung sei auch vom Weitraer Bauhof gekommen. Die Unterschiede zwischen historischem und heutigem Bierbrauen zu zeigen, sei ein Hauptanliegen gewesen, betont er.

„Film ab“ in eigener Geschwindigkeit

Das markante Bild am Eingang noch vor Augen, hört der Besucher leises Plätschern. Es ist ein Nachbau einer alten Wasserleitung. Hier geht es um die Rohstoffe hinter dem Bier: Wasser, Gerste, Hopfen und Hefe haben eigene Ecken. Ein Hopfenvorhang zum Angreifen, eine Schrotmühle zum Tasten und Riechen – das spricht die Sinne an. Auch das Sehen: Displays und Infotafeln wurden bewusst quadratisch gestaltet und sollen an Bierplättchen erinnern.

„Eine Ausstellung ist wie ein Film, durch den man selbst geht und das Tempo bestimmt“, sagt Michael Filnkößl: Es gebe genauso ein Drehbuch und Darsteller. Aufmerksame Besucher erkennen sicher beide. In der Gestaltung wollte das Team den alten Mauern des Schlosskellers Platz geben, hat vieles bewusst von den Wänden weggeholt. „Das Schloss soll wirken. Ich sehe die Ausstellung als Besucherin im Schloss“, sagt er.

Maischen, läutern, würzen 

 Weiter geht es mit der Bierproduktion: Herzstück ist ein großer Bottich, in den der Besucher von oben reinschauen kann. Per Video werden die Vorgänge des Maischens, Läuterns und Würzens erklärt. Und in diesem Raum gehe es auch darum, die Berufe einer Brauerei herzuzeigen, erklärt Filnkößl. Während dazu heute auch IT, Marketing & Co zählen, zeugen Filmaufnahmen vom historischen Bierbrauen: „Wir konnten bestehendes Filmmaterial verwenden, mussten nichts neu drehen. Dadurch ist es nachhaltig und kostengünstig aufbereitet.“

Übrigens: Das Team hat für die neue Bierausstellung insgesamt auf viele Altbestände zurückgegriffen – vor allem aus dem Besitz der Brauereifamilie Pöpperl. Diese alten Gerätschaften habe man zu beleben versucht, Akzente gesetzt und damit Hauptdarsteller herausgearbeitet, erklärt Michael Filnkößl.

Auf zum Stammtisch

Auch im nächsten Raum fallen die Infotafeln in Bierplättchen-Form auf. Dass sie außerdem durchgehend in helles Grün und Blau gefärbt sind, erinnert trotz aller Eindrücke dazwischen immer noch an die Waldviertler Landschaft beim Eingang. Dabei gibt es hier viel zu sehen: Zahlen, Daten, Fakten und Kuriositäten rund ums Bier – zum Beispiel ein Bierwitz und ein Rezept für eine Biersuppe. Dieser Raum steht aber auch im Zeichen des Genusses: Ein Regal klärt über verschiedene Biergläser wie Maßkrug, Willibecher oder Pint auf. Im Hintergrund plätschert jetzt nicht die Wasserleitung, sondern es erklingt das Lied „Weitra wias immer scho woa“ (die NÖN berichtete). Und eines darf beim Biergenuss freilich nicht fehlen: der Stammtisch. Originalgetreue Jause liegt auf dem Tisch, darüber hängt eine Lampe, die extra aus Vorarlberg hergeholt wurde.

Ob der Covid-Pandemie und aktuell geltendem Lockdown kommt nicht nur die Frage auf, wann es wieder ins Gasthaus geht – sondern auch wann die Bierausstellung startet. Angedacht ist der 1. Mai, die Ungewissheit bleibt bei Bürgermeister Patrick Layr und Vizebürgermeisterin und Obfrau des Kulturvereins Schloss Weitra, Petra Zimmermann-Moser, aber. Man freue sich über das neue Highlight im Schloss, sehe es neben der Biermeile als dauerhaftes Highlight. „Alle Beteiligten haben in diesen drei Jahren viel Energie aufgebracht. Dass die Eröffnung in so eine schwierige Zeit fällt, ist schade“, sagt Layr.

Bierige Aussichten

Das Resümee von Michael Filnkößl fällt dennoch positiv aus. Die Gemeinde habe dem Team viel Vertrauen und Freiheit entgegengebracht: „Es war ein sehr angenehmes Arbeiten.“

Der letzte Raum fehlt noch: Grüne oder blaue Farben gibt es dort ausnahmsweise nicht – und auch keine dicken Schlossmauern. Es ist ein kleiner Raum mit Spiegeln an den beiden Seitenwänden und einem Bild von schäumendem Bier an der anderen Wand. „Hier können die Besucher ein Bild mitten im Bier machen“, lacht Filnkößl.

Dass der Geschmackssinn als einziger nicht angesprochen wurde, ist wohl Teil des Drehbuches, das abseits der Ausstellung beim richtigen Biergenuss – unter blauem Himmel versteht sich – weitergehen soll.