Abschied nach 50 Jahren als Wirtin

750.000 Waldviertler Knödel. Wirtinnen-Legende Maria Trinkl vom Schremser Gasthaus „Zum Waldviertler Sepp“ blickt im Interview mit einem Stammgast zurück.

NÖN Redaktion Erstellt am 23. September 2021 | 05:40

Eine der bekanntesten Waldviertler Wirtinnen hat dem Gastgewerbe Lebewohl gesagt. Im NÖN-Interview blickt Maria „Lilly“ Trinkl auf fünf erfüllte und bewegte Jahrzehnte hinter der Schank des Schremser Gasthauses „Zum Waldviertler Sepp“ zurück. Das traditionsreiche Lokal, das heuer vom gerichtlich zertifizierten Sachverständigen und Baumhaus-Lodge-Schöpfer Franz Steiner erworben wurde, wird mit dem angestammten Gastro-Team weitergeführt.

Das Gasthaus weiß die scheidende Gastronomin daher in sicheren Händen, ihre treuen Gäste wird sie aber persönlich vermissen. Für die NÖN sprach Claus Farnberger, Stammgast im Waldviertler Sepp und ehemaliger NÖN-Mitarbeiter in Gmünd, mit Trinkl.

NÖN: Es gibt kaum jemanden im Gmünder Bezirk, der in den letzten Jahrzehnten nicht bei der „Lilly“ eingekehrt ist. Doch kaum einer weiß, wie Du zu Deinem Spitznamen kamst…

Maria Trinkl: Der stammt aus meiner frühesten Kindheit. Meine Schwester konnte meinen Taufnamen Maria nicht aussprechen und nannte mich „Lia“. Daraus wurde „Lilly“. Dieser Name ist mir bis heute geblieben.

Im fünfzigsten Jahr deiner Wirtinnen-Karriere hast Du Dich zum Rückzug entschieden. Wie aber hat alles angefangen?

Trinkl: Ich bin 1970 nach Schrems gekommen, zwei Jahre danach haben mein Mann Werner und ich das Gasthaus übernommen. Wir haben dann zwei Säle dazu gebaut, sodass bei uns auch Hochzeiten und andere größere Feiern stattfinden konnten. Dann kamen nach und nach auch die Vereine ins Haus. Erst die Schremser Stadtkapelle, dann die Stemmer und der Jiu Jitsu-Verein, später auch das Baseball-Team der „Schremser Beers“. Nach dem Tod meines Mannes führte ich das Gasthaus allein.

Was ist das Erfolgsrezept des „Waldviertler Sepps“?

Trinkl: Unsere Gäste haben sich immer aus allen Schichten zusammengesetzt, jeder und jede wurde gleich behandelt. Der große Garten ist natürlich auch ein Anziehungspunkt. Ein weiterer Erfolgsfaktor war sicherlich unsere bodenständige Küche. Viele sind extra wegen unseres Bruckfleisches gekommen. Das hat viele an Omas Zeiten erinnert. Auch die echten Waldviertler Knödel waren immer eine Attraktion, weil sie nach Originalrezept, also je zur Hälfte aus rohen und gekochten Erdäpfeln, gemacht wurden.

In deinen 50 Jahren als Wirtin werden wohl so einige Knödel serviert worden sein…

Trinkl: Ich schätze, dass es durchschnittlich 60 Stück am Tag waren.

Dann kommen wir bei einer ungefähren Hochrechnung auf unglaubliche 750.000 Knödel in fünfzig Jahren!

Trinkl: Naja, das wird schon stimmen…

Die Gäste waren Dir immer das Wichtigste. Es kamen natürlich auch etliche Prominente. Wer ist Dir diesbezüglich besonders in Erinnerung geblieben?

Trinkl: Der berühmte Künstler Friedensreich Hundertwasser hat in den Neunzigerjahren öfter das Schremser Emailierwerk besucht. Bei solchen Gelegenheiten kam er dann jedes Mal zu uns. Er hat immer einen Schweinsbraten bestellt, wobei er zuerst das Fleisch und dann erst die Knödel gegessen hat. Dann hat er sich die Schuhe ausgezogen und auf der Bank ein Schläfchen gemacht.

Wie siehst Du die Zukunft des Gasthauses „Zum Waldviertler Sepp“?

Trinkl: Ich bin sehr froh, dass mein engagiertes und tolles Team weitermacht. Meine Köchinnen Sabine und Doris haben 30 bzw. 16 Jahre lang großartig gearbeitet, mein Geschäftsführer Dominik war die letzten fünf Jahre meine rechte Hand, und auch Tamara im Service ist unverzichtbar. Es ist mir ein großes Anliegen, ihnen allen aus ganzem Herzen zu danken.

Wirst Du Deine Gäste vermissen?

Trinkl: Auf jeden Fall! Es war mir immer eine große Freude und ein großer Antrieb, meine Gäste zufriedenzustellen und sie fröhlich zu stimmen. Auch ihnen gilt mein großer Dank für ihre jahrzehntelange Treue!

Dein persönlicher Blick in die Zukunft?

Trinkl: Das Allerwichtigste ist es, gesund zu bleiben. Ich möchte wieder mehr Sport treiben, und ich möchte auch die Familie – die viele Jahre lang zu kurz gekommen war – stark in den Vordergrund rücken. Auch im Waldviertler Sepp wird man mich hie und da sehen: Wenn Not am Mann ist, werde ich gerne in geringem Ausmaß einspringen.