Ehemaliger Ergee-Chef verstorben: Trauer um Klaus Walther

Mitbegründer von einstigem Textilriesen Ergee im 85. Lebensjahr verstorben.

Erstellt am 25. November 2021 | 05:00
klaus walther
Klaus Walther hatte wesentlich zum Aufschwung der Stadt Schrems beigetragen.
Foto: Sebastian Dangl

Er war kein offizieller Ehrenträger der Granitstadt, und doch trägt die Stadtgemeinde Schrems große Trauer: Mit dem einst langjährigen Ergee-Geschäftsführer Klaus R. Walther verstarb am 21. November ein Mann, dessen Name untrennbar mit den wirtschaftlich besten Jahrzehnten der Stadt verbunden ist.

Aufgewachsen in Sachsen, verschlug es Walther 1960 nach Schrems, wo er gemeinsam mit Gertraud Moeckl in vier Etappen das Ergee-Textilwerk zur Produktion feinster Damenstrümpfe und Kindermode aufbaute. Schon bald stieg Ergee zum größten Arbeitgeber der Region auf, beschäftigte in besten Zeiten bis zu tausend Menschen – zunächst in Schrems, dann auch in Zwettl. Altbürgermeister Reinhard Österreicher spricht von einem „ungeheuren Aufschwung“, den Walther damals ausgelöst hatte: Schrems habe eine historische Zuzugswelle durch Mitarbeiter erlebt, die monatelang die Baustoffe knapp werden habe lassen.

Walther war nicht nur Arbeitgeber, sondern hinsichtlich der sozialen Einstellung seiner Zeit weit voraus. „Als das noch gar nicht wirklich gewürdigt wurde, baute er eine eigene Werksküche mit günstiger Verpflegung auf, gab Beschäftigten Zuschüsse für den Weg zur Arbeit und organisierte Werksbusse, unterstützte Vereine von Stadtkapelle über Feuerwehr und Rotkreuz bis zum Sportverein“, sagt Österreicher: „Ging es bei Bällen um Damenspenden, war eine Aufmerksamkeit von Ergee eine Selbstverständlichkeit. “ Selbst den Aufbau des Parkkindergartens, im Volksmund „Ergee-Kindergarten“, ermöglichte Walther durch massive finanzielle Hilfe.

Als die deutsche Mutterfirma 1994 in Geldnöte geriet, kämpfte er um das Werk, musste aber 1997 den Verkauf an eine staatliche Finanzholding hinnehmen. Die Geschäftsführung legte er in der Folge nach 37 Jahren zurück. Der folgende Niedergang des Textilriesen, der 2008 endgültig besiegelt war, wäre vermeidbar gewesen, Ergee sei in Schrems bis zuletzt gewinnfähig gewesen, hatte Walther mehrfach auch in NÖN-Gesprächen beteuert.

Kritisch war Klaus Walther bis zuletzt, aber stets korrekt und hoch interessiert am Geschehen in seiner Wahlheimat. Am 21. November verstarb er im 85. Lebensjahr, das Begräbnis findet am 2. Dezember in Schrems statt.