Firmen-Übergabe: Junger Generation den Weg gefliest. Kurt Köhler vermacht den Fliesenlegerfachbetrieb in Schrems und „Ofen Hofmann“ in Gmünd seinem Sohn Mario.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 04. September 2020 (04:34)
Generationenwechsel: Kurt Köhler (r.) übergab sein Unternehmen an Sohnemann Mario.
Anna Hohenbichler

Wer über den Zwettler Hauptplatz spaziert oder auf der B41 von Gmünd Richtung Weitra fährt, der begegnet – ganz bewusst oder nur am Rande wahrgenommen – den regional bekanntesten Arbeiten des Schremser Fliesenlegerfachbetriebes von Kurt Köhler: Hundertwasserbrunnen und Verzierung an der Schallschutzmauer.

In den 30 Jahren seit Unternehmensgründung ist viel entstanden. Nun hat er die Geschäfte offiziell an seinen Sohn Mario übergeben: Gemeinsam blicken sie auf Prestige-Projekte zurück, aktuellen Herausforderungen entgegen und auf die Unternehmenszukunft hinaus.

Das Hobby wurde zum Beruf

Als Branchenfremder – Köhler arbeitete 19 Jahre lang beim Autohändler Rzepa-Hartl – gründete er gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Anita Winter, die später seine Gattin wurde, einen Import- und Handelsbetrieb für Fliesen. „Die Firma ist nur aus dem eigenen Hobby entstanden“, sagt er heute. Zeitgleich mit dem beruflichen Baby wurde Sohn Mario geboren – sodass sich Köhler in seiner Väterkarenz um Firma und Kind kümmerte.

1992 wurden erste Mitarbeiter eingestellt und das Angebot um das Verlegen erweitert – anfangs unter offizieller Geschäftsführung eines Kärntner Meisterfliesenlegers. Dass er selbst kein ausgebildeter Fliesenleger war, habe auch Vorteile, die kaufmännische Ausbildung im Autohandel sei ein Plus gewesen. Bei Sohn Mario war es genau umgekehrt: Das Rüstzeug zum Unternehmer hätte ihm ursprünglich die Handelsakademie vermitteln sollen. Im ersten Jahr schmiss er zugunsten einer Lehre zum Fliesenleger hin. „An meinem ersten Arbeitstag habe ich mich nach der Schule im Auto umgezogen“, erzählt er.

„Schaffst du es nicht, fliegst du raus.“

Dieser Wendepunkt war auch für den Betrieb richtungsweisend: Mario Köhlers erste Baustelle war das Schremser Admiral-Lokal, dabei begann eine bis heute andauernde Zusammenarbeit mit Novomatic. Was kein Kinderspiel war: „Damals hieß es: ‚Wenn du es packst, bist du dabei. Schaffst du es nicht, fliegst du raus.‘ Wir haben es geschafft“, sagt Kurt Köhler: „Ein Fehler kostet sehr viel Geld.“

Als die Wirtschaft 2008/2009 in die Krise rutschte, wurden im Schremser Unternehmen Mitarbeiterstand und Aufträge verdoppelt. „Waldviertler Qualität ist in ganz Österreich gefragt“, schmunzelt er. Vor drei Jahren übernahm Köhler den Gmünder Hafnermeisterbetrieb Ofen Hofmann – der nun ebenfalls an Sohn Mario übergeht. Weil Synergieeffekte optimal genutzt werden können, habe sich der Zusammenschluss bewährt.

Fliesenlegen ist nicht nur Männersache

In beiden Unternehmen zusammen gibt es inzwischen 15 Mitarbeiter. Laut den Köhlers könnten es aber mehr sein. Bloß: Lehrlinge und Facharbeiter zu finden, sei sehr schwierig.

Die Branche ist aber nicht den Männern vorbehalten: Lehrling Hannah Maier absolviert in den beiden Betrieben eine Doppellehre – und das nach der Matura an einem Gymnasium. Man suche auch aktuell Personal, die Auftragslage sei gut. Das war heuer nicht immer so: Ab Mitte März wurden Baustellen gestrichen, erst im Mai ging es weiter. Die Zeit dazwischen könne aber unmöglich aufgeholt werden.

„Wir waren heuer zu 95 Prozent ausgebucht“, bedauert der scheidende Chef. Die Wirtschaftskrise 2008/2009? „Das war ein Klacks dagegen.“

Neues Büro, neue Sekretärin, alter Name

Die Zeit des Lockdowns wurde dennoch genutzt: Im Vorfeld der Übernahme richtete Mario Köhler das Büro am Firmensitz in der Horner Straße neu ein – freilich mit besonderem Augenmerk auf den Fliesenboden. Mit Daniela Filler steht ihm eine erfahrene Sekretärin zur Seite. An Angebot und Namen der beiden Unternehmen soll sich vorerst nichts ändern. Pünktlich zur Übergabe hat Mario Köhler den Befähigungsnachweis abgelegt, um sein Gewerbe selbständig auszuüben.

Kreativität, Technik und Improvisation

Obwohl er künftig auch mit Kaufmännischem zu tun haben wird, die Faszination fürs Arbeiten mit Fliesen bleibt: „Man kann mit Fliesen genauso arbeiten wie mit Holz“, sagt Köhler. Es komme auf Kreativität, technisches Know-how und die Fähigkeit zur Improvisation an. Der nächste große Auftrag steht schon an. Mit 64 Paletten Fliesen geht es zu einer rund 1.400 m² Baustelle in Stockerau.

Mehr Zeit für die Tiere

Ganz hinten lassen will Kurt Köhler seinen aus einem Hobby gegründeten Betrieb nicht, er wird geringfügig im Außendienst mitarbeiten. „Du musst zu den Kunden kommen“, spricht der Geschäftsmann aus Erfahrung.

Die freie Zeit in der Pension will er seinen Tieren widmen: Neben einer Katze ist er stolzer Besitzer von vier Pferden und einer wachsenden Alpaka-Herde. Wer weiß, was künftig aus diesem Hobby wachsen wird.