Innovation: „Drive-In“ für Gebäck. Einkauf „im Vorbeifahren“: Backwelt Pilz in Schrems hat Coronakrise genutzt, um Werksverkauf sicherer & effizienter zu machen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 28. Mai 2020 (05:08)

Die 80 Beschäftigten der Backwelt Pilz GmbH produzieren den Großteil ihrer täglich bis zu 500.000 Weckerl und 60.000 Brotlaibe für Handelsbetriebe, Discounter, Gastro-Großhandel oder Tankstellen-Shops. Ein kleines Tor direkt zum Endkunden war aber von Anbeginn an der in vielen Jahren etablierte Werksverkauf in Schrems – dank einer neuen „Drive-In“-Lösung ist er nach einer Coronapause wieder geöffnet.

Lösung auch für die Zeit danach

Hatten Kunden einst direkt hinter der Rampe zwischen Körben mit Säcken tiefgefrorener Teiglinge gustieren und günstig einkaufen können, so wurde diese Möglichkeit schon zu einem frühen Zeitpunkt der Corona-Pandemie gestoppt – und an einer sicheren Alternative auch für die Zeit nach Corona getüftelt. Zugute kam den Beteiligten laut Geschäftsführer Johannes Pilz, dass die Backwelt ihre Parkfläche als Vorleistung auf eine geplante Werks-Erweiterung erst im Vorjahr vergrößert hatte. Die Erweiterung wurde wegen der noch nicht abschätzbaren Folgen der Pandemie vorerst aufgeschoben, die Parkfläche bietet nun aber ausreichend Raum für den „Gebäck-Drive-In“.

Der funktioniert freitags von 13.30 bis 15 Uhr so:

Kunden fahren an der Firma Elk vorbei bis ans Ende der Industriestraße, biegen dann rechts ins Pilz-Werksgelände ein, erhalten hier Kuli und Bestellblatt mit dem aktuellen Sortiment, fahren zur zweiten Station weiter. Dort werden in einem extra angeschafften Container die Bestellung angenommen und die Zahlung (auch bargeldlos) abgewickelt. Danach wird das Fahrzeug an einem der breiten neuen Parkplätze abgestellt und via Einbahnsystem zur Verladerampe gegangen, wo die Teiglinge in Säcken mit bis zu 20 Stück ausgegeben werden. QR-Codes ermöglichen Blicke in die Zutatenlisten übers Handy.

Erweiterung um Online-Option geplant

„Das System muss sich erst einspielen, wird wohl noch laufend adaptiert werden“, sagt Geschäftsführer Johannes Pilz. Er möchte zum Beispiel auch Möglichkeiten zu Online-Bestellung mit Abholung oder auch Online-Kauf prüfen. Geplant ist auch, dass die Lagermitarbeiter Bestellungen nach der Bezahlung direkt am Bildschirm haben, die Übergabe also noch rascher abwickeln können.

„Genuss einer der ureigensten Wünsche“

Wie sehr der Werksverkauf zuletzt gefehlt hatte, das wurde anhand der Rückmeldungen vieler Kunden beim NÖN-Lokalaugenschein am 22. Mai deutlich. Der Genuss sei einfach einer der ureigensten Wünsche der Österreicher nach der Krise, sagt Johannes Pilz: „Man freut sich auf gemeinsames Brunchen, dabei darf eine Auswahl an knusprigem Brot und Gebäck natürlich nicht fehlen.“

Zur Feier des Tages schaute am Freitag auch Vertriebsleiter Maximilian Heindl von der Firma „Backaldrin“, ein Hauptlieferant der Backwelt Pilz, vorbei – und brachte das Maskottchen des „Original Kornspitzes“ mit. Der Kornspitz wurde 1984 von Backaldrin erfunden, heute ist er Teil der Produktion in der Schremser Backwelt Pilz – und kann auch beim Werksverkauf erworben werden.

Seit Corona Trend zum günstigeren Produkt

Auffällig sei aber, so Johannes Pilz, ein bereits spürbar geändertes Konsumverhalten in der Bevölkerung seit der Coronakrise. Die Menge bleibe im Verkauf an die Großabnehmer konstant, bloß: „Ich sehe einen Trend zu günstigeren Produkten. Es ist einfach weniger Geld im Umlauf.“

Zu fürchten ist, dass das symptomatisch für die wirtschaftliche Gesamtentwicklung sein könnte.