KPP-Vision: Weniger Stunden und Tage, mehr Geld und höherer Output

Erstellt am 04. August 2022 | 04:18
Lesezeit: 4 Min
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Armin Kubat will bei KPP mit mehr als 50 Beschäftigten der „Verantwortung als Unternehmer der Gesellschaft gegenüber“ nachkommen.
Foto: privat
Die Vision: Weniger Stunden, weniger Tage, mehr Geld – und höherer Output. Langes Wochenende wird Standard: Freiwillige Vier-Tage-Woche bei KPP
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Während die Debatte um die 4-Tage-Woche bundesweit erst angelaufen ist, ist sie im Ingenieurbüro KPP-Consulting mit Sitz in Schrems und Hauptbetriebsstätten in Krems und Zwettl bereits beendet: Am 4. August stößt die 50-köpfige Belegschaft auf den ersten freien Freitag an, danach endet die Arbeitswoche standardmäßig donnerstags. Und: Die Arbeitszeit wurde gesenkt – bei gleichzeitiger Erhöhung der Bezüge.

Es gehe nicht um mehr Geld für weniger Arbeit, stellt Armin Kubat, geschäftsführender Gesellschafter, klar. Aber: In der Bauwirtschaft sei der Freitag vielfach ohnehin nur ein halber Arbeitstag. Freitags im Zuge einer freiwilligen 4-Tage-Woche von Haus aus blauzumachen ist also dann gleich ein klarer Schnitt: Drei Tage Freizeit lassen aus Kubats Sicht die Familie in den Vordergrund rücken, machen echt Ablenkungen und Ruhephasen etwa in Form von Kurzurlauben „eher sinnvoll“ und tragen somit dazu bei, dass an den anderen Tagen „gerne, viel und hochwertig“ gearbeitet werden könne.

Arbeitsmarkt für Techniker „tot“

Die Produktivität solle gar steigen, obwohl im gleichen Atemzug per Monatsbeginn die Sollarbeitszeit von 40 auf 38 Stunden reduziert wurde – Pilotprojekte hätten gezeigt, dass das klappen kann. Als Draufgabe seien die Gehälter um bis zu 15 Prozent angehoben worden, damit Beschäftigte trotz Inflation den gewohnten Lebensstil beibehalten können: „Wir werden höhere Kosten generieren, und am Ende des Jahres wird weniger übrig bleiben. Aber ich sehe hier auch eine Verantwortung als Unternehmer der Gesellschaft gegenüber.“

Letztlich geht es für KPP natürlich auch darum, sich im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte zu behaupten: Der Arbeitsmarkt für technische und auch schon betriebswirtschaftliche Berufe sei „tot“, sagt Kubat, zugleich steige die Nachfrage nach technischen Leistungen. Es gehe um den Erhalt des Personals und um potenzielle Neue: KPP fehlen demnach zumindest vier Techniker aus dem Bauwesen. Bestehende Büros sollen modernisiert und infrastrukturell aufgewertet werden, auch wird Ausschau nach einem weiteren Bürolokal in den Bezirken Gmünd, Waidhofen und Zwettl gehalten.

Manche könnten Probleme damit haben

Auch Kubat selbst ist gespannt auf die tatsächlichen Auswirkungen der 4-Tage-Woche, in der ein Freitag so wie bisher ein Samstag zu behandeln ist. Das gesamte Umfeld müsse sich eben daran gewöhnen, nicht nur die Familien, sondern auch die Kunden, Lieferanten oder „Netzwerkpartner“. Er ist auch darauf gefasst, dass der Anrufbeantworter am Freitag im Büro bei manchen eher auf Unverständnis stoßen könnte. Und: „Insbesondere für Führungskräfte wird das erst in absehbarer Zeit funktionieren, so realistisch muss man sein.“

Sorgen bereiten ihm die höheren Ausgaben für weniger Arbeitsstunden nicht. Wer in besseren Zeiten ein Polster aufgebaut habe, der könne in Krisenzeiten davon zehren, sagt er. Vor allem erwartet er für seine Branche gar nicht zwingend eine Krise: Eine Energie- und Wasserkrise werde den Innovationsgeist fördern und damit etwas verzögert Investitionen in Infrastruktur von Windkraft über Photovoltaik zu Digitalisierung und Glasfaser bis zu Radnetz-Bauten zur Eindämmung des motorisierten lokalen Verkehrs auslösen – sie sei somit eine große Chance.

Umsatz: 4-Millionen-Euro-Marke soll erreicht werden

Sprach Armin Kubat im Winter von einem Umsatzplus um mehr als ein Viertel auf 3,7 Millionen Euro im Jahr 2021, so erwartet er auch für 2022 einen Anstieg – auf etwa vier Millionen Euro.

In der Heimat werden aktuell unter anderem der Zu- und Umbau des PBZ Weitra, die Neustrukturierung des Schulcampus Groß Siegharts und der Neubau von Gea/Waldviertler am Schremser Hauptplatz mit Produktions- und Reparaturstätte, Wohnungen und Büro begleitet. KPP ist zugleich in den Bau einer schwimmenden PV-Anlage in Grafenwörth involviert, begleitet Windkraft-Projekte für fünf Betreiber und die Erweiterung des Sportzentrums NÖ mit Basket-, Fuß- und Beachvolleyball (Investitionsvolumen bis 2024: 8 Mio. Euro netto). Aktuelle Rahmenvereinbarungen bestehen unter anderem mit der Asfinag Oberösterreich, Stadtwerken Salzburg oder Graz-Köflach-Bahnen.

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