„Kriminalfall Unterwasserreich“: 56.000 Euro veruntreut. Nicht genug damit, dass die Stadtgemeinde Schrems als Eigentümerin alljährlich sechsstellige Euro-Beträge in das Unterwasserreich als Besucherzentrum des Naturpark Hochmoor und Ramsar-Informationszentrum pumpen muss, um dieses am Leben zu erhalten: Aus den Kassen wurden zwischen den Jahren 2013 und 2015 „von Unbekannt“ fast 56.000 Euro für private Zwecke entnommen!

Von Markus Lohninger. Erstellt am 01. September 2017 (11:25)
UnterWasserReich/Sonja Eder
Das UnterWasserReich in Schrems

Der Skandal aus der Sicht der Schremser ÖVP ist dabei nicht die Veruntreuung an sich, sondern die Vorgehensweise der mit absoluter Mehrheit regierenden SPÖ. Diese hatte nämlich bereits im Jahr 2015 ein Strafverfahren dazu eingeleitet, alle anderen Parteien aber selbst im zuständigen Beirat bis kurz vor der Gemeinderats-Sitzung am 30. August nicht über diese Malversationen informiert.

„Welche Dinge gibt es sonst noch, die wir nicht wissen?“

Die ÖVP ritt angesichts dieses Umstandes schwere Attacken gegen den zuständigen SPÖ-Stadtrat Michael Preissl und Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ). Weder zum Zeitpunkt der Anzeige noch bei Einstellung des Verfahrens der Staatsanwaltschaft im Februar 2017 sei der Beirat informiert worden, klagte ÖVP-Stadträtin Martina Diesner-Wais: „Welche Dinge gibt es sonst noch, die wir nicht wissen?“ Und Stadtrats-Kollege David Süß: „Wer hat die politische Verantwortung für diesen Kriminalfall?“

„Man hat sich über Stillschweigen verständigt in der Zuversicht, dass es am Ende des Verfahrens einen Schuldigen oder eine Erklärung dafür gibt“, rechtfertigte sich SPÖ-Stadtrat Preissl. Und Bürgermeister Harrer: Man sei sich politisch keiner Schuld bewusst, habe den Fall sofort nach Meldung durch die damalige Geschäftsführerin Monika Hubik angezeigt und gehofft, dass sich der Fall auflöse und Wiedergutmachung geleistet werde. Das Kontrollsystem werde künftig jedenfalls unter anderem durch Einführung eines „Vier-Augen-Prinzips“ verbessert.

Im Gemeinderat musste das Thema nun deshalb behandelt werden, weil der finanzielle Schaden in den Rechnungsabschluss des Unterwasserreichs für 2016 einfloss. Dieser wiederum benötigte insgesamt 150.000 Euro an Subventionen durch die Stadtgemeinde – die (ausschließlich mit Stimmen der SPÖ) beschlossen wurden.