Materialknappheit: Elk gibt Preisgarantie nicht auf. Fertighausverband setzte Fixpreis-Bindung wegen Kostenexplosion aus. Aber: Marktführer Elk will Verträge einhalten.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 25. Juni 2021 (03:17)
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Wohnraum, Terrasse und Garten verschmelzen im Musterhaus Elk Design 127 dank zur Seite schiebbarer 6-Meter-Glasfront.
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Für einige Unruhe sorgte die vor einigen Tagen verkündete Nachricht über eine vorübergehende Aufhebung der Fixpreis-Bindung für die 17 Mitglieder des österreichischen Fertighaus-Verbandes. Marktführer Elk mit Sitz in Schrems sieht sich angesichts dessen zu einer Klarstellung gedrängt: „Man kann nicht einfach eine bestehende Vereinbarung brechen. Wir stehen weiterhin 18 Monate lang zu unseren Preisen und haben damit die längste Preisgarantie im Markt“, betont Geschäftsführer Thomas Scheriau.

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Geschäftsführer Thomas Scheriau: plus 250 verkaufte Häuser im ersten Halbjahr.
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Fixe Kosten & Lieferzeiten als große Stärke. Den massiven Druck im Einkauf wegen internationaler Materialengpässe auch infolge des Baubooms nach der Corona-Stagnation 2020 spüren die Waldviertler genauso – vor allem durch kräftig steigende Holzpreise. Elk stehe aber auf soliden Beinen, könne gemeinsam mit den jahrzehntelangen Firmenpartnern durch diese Phase navigieren, sagt Scheriau: „Wir suchen die gegenseitige Annäherung, damit die Situation für beide verträglich bleibt.“ Noch gelinge das auch dank eines vorausschauenden Materialeinkaufs in der Zeit vorm Boom.

Bestehende und potenziell zukünftige Kunden würden sich seit der Verkündung der vorläufigen Aussetzung der seit 1979 gültigen Fixpreis-Garantie durch den Verband erkundigen, wie Elk zu den vereinbarten Preisen stehe. Warum Elk daran festhalten will, solange es irgendwie geht? Scheriau: „Transparenz, garantierte Kosten und Lieferzeiten – das sind die ganz großen Stärken der Branche gegenüber dem Nassbau.“ Diese dürften nicht durch eine Panikreaktion aufgegeben werden, man müsse „mit Ruhe und Bedacht durch die Zeit gehen“. In die Verbandsentscheidung sei Elk nicht eingebunden gewesen, „wir hätten nicht zugestimmt, sind auch nicht glücklich damit“.

Heikle Phase: Der Motor brummt wie lange nicht mehr. Die Verwirrung kommt für Elk zur denkbar ungünstigsten Zeit. Der Motor brummt nämlich gerade auf vollen Touren – im ersten Halbjahr wurden laut Scheriau in Österreich und Deutschland gegenüber 2020 etwa 250 Häuser mehr verkauft. Das habe nicht nur mit einem coronabedingten Einbruch im zweiten Quartal 2020 zu tun: Auch gegenüber dem ersten Quartal, als Corona noch kein Thema war, stehe man bei einem Plus von 120 Häusern. „Wir platzen aus allen Nähten. Die Frage ist nicht mehr, ob wir genug verkaufen, sondern der Fokus liegt darauf, die Kapazität in Technik und Werk für die große Auftragsmenge bereit zu stellen“, sagt der Geschäftsführer. An die 1.200 Häuser sind demnach im Auftragsbestand für die nächsten 18 Monate, die müssen freilich auch abgearbeitet werden.

Ziel: „Sorglos“-Schiene vom Grundkauf weg. Die Entwicklung geht ungeachtet der turbulenten Rahmenbedingungen weiter. Das 2020 via NÖN vorgestellte neue Musterhaus „Elk Design 127“ – mit ausladendem Wohnzimmer dank sechs Meter breiter, einfaltbarer Glaswand zur Terrasse hin und wartungsfreier Dach-Untersicht – wurde in der „Blauen Lagune“ eröffnet.

Ziel ist es, im Hausbau noch ganzheitlicher zu werden und alle Schritte von der Finanzierung des Grundstücks bis zum fertigen Haus im Paket anzubieten. In der „Sorglos bauen“-Schiene geht es unter anderem auch ums Umziehen, Parken, Stromtanken oder Beleuchten, erklärt Scheriau: „Wir wollen dem Kunden ein Ticket bieten, durch das er über uns zu Konditionen kommt, die er am Markt nicht finden würde.“ Man arbeite daran, diese Philosophie im kommenden Jahr auch physisch erlebbar zu machen.

Dachgleiche. Im großvolumigen Wohnbau feierte indes die Elk-Bau vor wenigen Tagen einen wichtigen Teilerfolg beim Wohnpark in Ober-Grafendorf bei St. Pölten mit gesamt 168 Einheiten und vier Doppelhäusern. Die Dachgleiche zum ersten Teil des derzeit größten Holzbau-Projektes Österreichs wurde erreicht, 42 Wohnungen sollen noch im Herbst beziehbar sein. In der Zielgeraden ist laut Geschäftsführer auch ein Motelbau in Waidhofen, das Gebäude soll im ersten Quartal 2022 aufgestellt werden.