"Unterwasserreich wurde auf einen Schlag besudelt!". Nach 56.000-Euro-Coup: Mitarbeiter, die auch persönlich angefeindet wurden, kämpfen um Schadensbegrenzung & verschärfte Kontrolle.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 06. September 2017 (05:21)
Markus Lohninger
 Christiane Mader (links) und Barbara Dolak  wurden inmitten eines gröberen Polit-Krachs zu Geschäftsführerinnen. Bürgermeister Karl Harrer glaubt, dass das Unterwasserreich mit
 ihnen nun ruhigeren Zeiten entgegen segelt.

Im ganz großen Stil hat ein unbekannter Mitarbeiter in die Kasse des Unterwasserreichs am Rande des Naturparks Hochmoor gegriffen, und alle müssen dafür büßen: Fassungslosigkeit herrscht in der Belegschaft über heftige Pauschal-Urteile und wüste Beschimpfungen, die aus der Bevölkerung auch persönlich auf Mitarbeiter niedergingen, nachdem am 1. September ein Exklusivbericht auf gmünd.NÖN.at zum Polit-Wirbel um den Schremser Kriminalfall erschienen war.

„Jahrelang ist so viel Energie und Herzblut geflossen und so viel seriöse, hochwertige Arbeit geleistet worden. Und dann ist alles auf einen Schlag derart besudelt worden“, sagt Barbara Dolak, die seit der Vorwoche mit Christiane Mader das Geschäftsführer-Duo bildet. Mader spricht von einer Aufbruchsstimmung, die sich in den vergangenen Wochen im Zuge der Arbeit am Aufbau klarer neuer Strukturen in Zusammenarbeit mit einem externen Betriebsberater breitgemacht habe. „Dann ist diese Keule daher gekommen“, sagt sie: Sie sei persönlich mit „ihr seid ja lauter Gsindel“ angepöbelt worden.

„Wir wollen ein Modell ausarbeiten, in dem das Unterwasserreich aus der Rolle als politischer Spielball kommt. Das Kind muss laufen lernen, handlungsfähig sein.“ Barbara Dolak

Als „Waldviertler“-Chef Heini Staudinger 2012 die Geschäftsführung der GmbH zurückgelegt hatte, war die Kasse laut dem für das Unterwasserreich politisch zuständigen SPÖ-Stadtrat Michael Preissl in Ordnung gewesen. Ende 2015 zeigte die damalige Geschäftsführerin Monika Hubik Malversationen an – in diesen drei Jahren müssen fast 56.000 Euro an Bargeld in private Taschen abgezweigt worden sein, die Staatsanwaltschaft stellte ihr Verfahren allerdings im Februar 2017 ohne Ergebnis ein. Pikantes Detail: Mader und Dolak, die beide zu der Zeit bereits im Betrieb waren, wurden laut eigener Aussage trotz erfolgloser Tätersuche gar nicht zur Causa einvernommen und hatten bis vor kurzem auch keine Kenntnis von der Anzeige. – Nicht uninteressant angesichts des Umstandes, dass das Unterwasserreich bloß elf permanent Beschäftigte hat, von denen einer der Täter gewesen sein könnte.

Personell habe es in der Zeit eine gewisse Fluktuation gegeben, sagen sie. Dennoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Schuldige immer noch im Team ist. Auch Bürgermeister Karl Harrer (SPÖ) beteuert, dass der Großteil der Malversationen vor seinem Amtsantritt geschehen sein dürfte. Mehrere Kontroll-Mechanismen haben versagt, beteuert er: Man könne nun aber nur noch prüfen, ob sich die Stadtgemeinde als Eigentümerin des Unterwasserreichs an irgendjemandem schadlos halten könne – die bisherige Geschäftsführung wurde im Zuge des Rechnungsabschlusses, der am 30. August den Gemeinderat passiert hatte, dezidiert nicht entlastet.

Vor allem wolle man gewährleisten, dass eine Wiederholung nicht mehr möglich ist, sagt Harrer. „Wir haben jetzt zwei Einheimische in der Führung, die dem Unternehmen seit Jahren verbunden und mit Herz dabei sind“, sagt er. Aufgabenteilung und Verantwortlichkeiten seien mit dem Betriebsberater ausgearbeitet worden und sollen demnächst dem Stadtrat präsentiert werden. Teil dessen soll ein verstärktes Kontrollsystem mit einem 4-Augen-Prinzip (Ausgaben ab einer gewissen Größe müssen von beiden Geschäftsführerinnen abgezeichnet werden) und regelmäßigen Reporten an die Gemeinde sein.

Dolak und Mader befürworten mehr Kontrolle, „sie nimmt Verantwortung von unseren Schultern“. Finanziell erfüllen sie die neuen Aufgaben, wie sie beteuern, unter den selben Konditionen wie zuvor – und da sie auch ihre bisherigen Schwerpunkte zwischen Naturvermittlung und Marketing beibehalten, müsse kein zusätzliches Personal aufgenommen werden.

Michael Preissl gab indes die Zuständigkeit für das Unterwasserreich ab, nach eigener Darstellung deshalb, weil er mit der Entscheidung für zwei gleichberechtigte Geschäftsführerinnen nicht glücklich war. „Ich schätze die Damen als tolle Mitarbeiterinnen, glaube aber nicht, dass die Doppelführung für die Weiterentwicklung gut ist“, sagt er zur NÖN: Im Konfliktfall lande der Ball bei der Gemeinde, die dadurch „zu viel hineinregieren“ würde. Dolak und Mader teilen seine Sorge nicht. „Wir sind es gewohnt, miteinander zu arbeiten, es existiert eine sehr gute Verständigung. Außerdem wurden die Ressorts auf jene Bereiche aufgeteilt, wo jede ihre intensivste Erfahrung hat.“

Ziel: Aus der Schusslinie der Politik zu kommen

Primärziel ist es nun, den Betrieb als Ausflugsziel, Bildungseinrichtung und Arbeitgeber rasch wieder zu stabilisieren, die vorhandenen Ressourcen besser auszunutzen und eines Tages aus der Schusslinie der politischen Parteien zu kommen. Wie Letzteres bewerkstelligt werden soll, daran tüfteln sie derzeit.

Grundsätzlich steige die Zustimmung auch der Schremser zum Unterwasserreich, rechnet Christiane Mader anhand ausgewerteter Postleitzahlen vor. Überregional hat es als Betrieb mit dem „Top-Ausflugsziele“-Gütesiegel seinen Platz inzwischen eingenommen: Die Besucherzahl wurde alleine zwischen den Jahren 2014 und 2016 um die Hälfte auf 30.000 Gäste erhöht, das Haus steuert heuer auf eine Wiederholung des Rekordbesuches aus dem Vorjahr hin.