Wirbel um SP-Einladung nach Veranstaltungs-Verbot. Liste Prinz beklagt in Schrems SP-„Nachwahlparty“ trotz Veranstaltungsverbotes.

Von Markus Lohninger. Update am 14. Oktober 2020 (12:05)
Die Hochzeit wird in der Stadthalle nochmals zum Thema.
Petra Suchy

Einen Monat nach der fatalen Hochzeitsfeier in der Schremser Stadthalle, der gut 60 alleine aus der Gästeschar resultierende CoV-Infektionen zugeordnet werden, wird diese am selben Schauplatz wieder Thema: Der Gemeinderat befasst sich am 15. Oktober wie berichtet auf Antrag der ÖVP mit Unterstützung von Liste Prinz und FPÖ in der Stadthalle etwa mit Fragen der politischen Verantwortung in der Causa.

Liste Prinz: Untragbare Symbolik

Bereits vorab schießt sich Listengründerin Viktoria Prinz auf ihre Ex-Genossen ein. Sie erweitert ihre Kritik an SPÖ, Stadtchef und Stadthallen-Geschäftsführer Karl Harrer, der sich bei Genehmigung der Feier nicht an gültige Covid-Gesetze gehalten habe, um ein Ereignis am 11. Oktober: Da habe die SPÖ trotz Absage aller Veranstaltungen im Gemeindegebiet durch Harrer zur „Nachwahlparty“ ins Waldviertler Hoftheater eingeladen.

Unabhängig davon, was da konkret geschehen sei, halten Prinz und Klubkollege Patrick Gutmayer alleine schon die Symbolik für untragbar: Die Einladung unter dem Titel „SPÖ Familientag“ inklusive „Getränk zur Einstimmung“ eine Stunde vor Vorstellungsbeginn sei ausgerechnet am 27. September, fünf Tage nach Bekanntwerden des Clusters und der Aufforderung Harrers auch an alle Gemeinderäte, Veranstaltungen bis auf Weiteres ausnahmslos abzusagen, in Postkästen geflattert.

„Verhöhnung aller, die Veranstaltungen absagen“

Dass auf der Einladung trotz Mahnung des Bezirkshauptmannes zu höchster Vorsicht und Vermeidung von Menschenansammlungen nicht auf Covid-Maßnahmen hingewiesen ist, schlage dem Fass den Boden aus, klagen Prinz und Gutmayer: „Wie verantwortungslos ist die Schremser SPÖ?“ Selbst unter Einhaltung der Vorgaben wäre es eine Verhöhnung aller, die ihre Veranstaltungen absagen, aktuell eine solche Einladung auszusprechen.

„Hoffentlich folgen auf den Hochzeits-Cluster nicht ein roter Cluster und eine rote Ampel“, mahnen die Listen-Gemeinderäte.

SP-Klubchef Preissl: Kritik massiv übertrieben

 Das Stimmungsbild einer Party weist SP-Klubchef Michael Preissl, bei dem die organisatorischen Fäden zusammenliefen, entschieden zurück. Er hält die Kritik der Bürgerliste generell für massiv überzogen: Die Partei habe unter anderem Wahlhelfer als Dankeschön für deren ehrenamtliche Unterstützung bei der Gemeinderatswahl zum Besuch der Aufführung von „Das Ende vom Anfang“ mit ordnungsgemäßem Covid-Konzept ins Hoftheater eingeladen, etwas mehr als 30 Personen hätten das Angebot angenommen.

„Sie sind nach vorheriger Anmeldung eigenständig gekommen, haben selbst ihre Karten abgeholt und die Plätze aufgesucht“, beteuert Preissl. Einen Umtrunk habe es nicht gegeben.

Politisches Nachspiel zur Hochzeitsnacht

Zurück zur öffentlichen Gemeinderats-Sitzung am 15. Oktober, die ab 19 Uhr entsprechend der CoV-Vorgaben in der Stadthalle abgehalten wird und unter anderem auch den Nachtrags-Voranschlag für 2020 sowie die Planungsvergabe zur Schulsanierung beinhaltet.

Einen Schwerpunkt wird dabei die politische Nachbehandlung der Stadthallen-Vermietung für die Hochzeit bilden.

VP: Alle Karten offenlegen

Bürgermeister Harrer kündigte via NÖN an, sich zur Auseinandersetzung im Gemeinderat mit der Hochzeit medial nicht äußern zu wollen. Für Donnerstag fordert aber VP-Fraktionschef Tobias Spazierer wie berichtet, dass rund um die damaligen Vorgänge „alle Karten offengelegt werden“. Man sei damals von Harrer mit „inhaltsleeren Mails abgespeist“ worden.

Auch für die Liste Prinz ist die Causa nicht abgeschlossen: Stadt Schrems und Bezirk Gmünd hätten nicht nur „durch das rücksichtlose Feiern des Brautpaars, sondern auch die Verantwortungslosigkeit Harrers“ enormen Schaden genommen. Viele Betriebe hätten – etwa im Freizeit- und Dienstleistungsbereich – durch Stornos infolge des Umschaltens der Corona-Ampel auf Orange finanzielle Verluste erlitten.