Schulcluster: Bereits 19 Infektionen in Großschönau. Licht und Schatten an der Coronafront im oberen Waldviertel: Während der Gmünder Bezirk in der „7-Tages-Inzidenz“ nach turbulenten Monaten erstmals wieder zweistellig wurde, brach in Großschönau ein Schulcluster aus. Ein Drittel aller aktuell Infizierten des Bezirkes sind darauf zurückzuführen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 30. April 2021 (19:20)
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Die auf 100.000 Einwohner hochgerechnete „7-Tages-Inzidenz“ schnellte in der 1.200-Seelen-Gemeinde Großschönau binnen weniger Tage auf fast 1.500 hoch, und Bürgermeister Martin Bruckner rechnet damit, dass sich das Infektionsgeschehen zumindest innerhalb der bereits betroffenen Familien noch für ein paar Tage „massiv ausweiten wird“. Alleine bis Freitagmittag registrierte die Gesundheitsbehörde hier laut Bezirkshauptmann Stefan Grusch 19 aktuell Infizierte, einige Testergebnisse waren da noch ausständig.

Eltern trauten dem Frieden nicht – und verhinderten Schlimmeres

Der Cluster ging nach Ansicht von Gemeindechef Bruckner von der Volksschule aus, wo noch am vergangenen Freitag alle Kids getestet worden waren. Ein Elternpaar habe sich trotz des negativen Ergebnisses des Kindes nicht in Sicherheit wiegen wollen und vor dem geplanten Verwandtenbesuch auf eigene Faust einen freiwilligen Test eingeschoben – der dann positiv ausfiel. Bruckner: „Sie haben geistesgegenwärtig sofort die anderen Eltern der Schulklasse informiert. Danach schlugen freiwillige Tests bei drei Mitschülern an, die am Vortag ebenfalls alle noch negativ getestet worden waren. Ich gratuliere den Eltern zu diesem Verständnis und Verantwortungsgefühl, sie haben wesentlich Schlimmeres verhindert.“

Eine halbe Schulklasse ist schon positiv

Dennoch hatten bis Freitagmittag 19 Einwohner der Marktgemeinde positive Ergebnisse von PCR-Tests in der Hand, darunter befand sich nach Wissensstand von Bürgermeister Bruckner auch mindestens die Hälfte der 14 Kinder der vierten Volksschul-Klasse, aus der sich das Coronavirus ausgebreitet haben dürfte. Wie es in die Schule gekommen ist, das ist unklar. Die vierte Klasse ist mittlerweile zur Gänze in Quarantäne, die dritte Klasse könnte folgen.

Offizielle Info über Infizierte erhalten die Gemeinden nicht, Bürgermeister Bruckner weiß aber aus freiwilligen Meldungen Betroffener von zumindest einem bereits angesteckten Pensionisten. „Er war bisher extrem vorsichtig, hat immer alle Tests mitgemacht…“

Appell an Bevölkerung: Täglich testen, oder Sozialkontakte meiden

In Großschönau hatte wie in der NÖN berichtet erst Ende März eine Gemeinderats-Sitzung wegen Covid-Infektionen von Mandataren verschoben werden müssen, der aktuelle Cluster zieht schon wieder stärkere Einschränkungen nach sich. „Klar, das Virus ist nicht unser einziges Problem, das Abschneiden von Sozialkontakten ist genauso problematisch“, räumt Bürgermeister Bruckner ein. Aber: „Ich muss jetzt wirklich noch einmal an unsere Bevölkerung appellieren, Sozialkontakte für die nächsten eineinhalb Wochen konsequent zu meiden – oder andernfalls täglich zu testen!“

Täglich getestet werden demnach vorläufig auf jeden Fall die Kids in Kindergarten und Volksschule, sofern sie nicht ohnehin in Quarantäne sind. Vor dem Wochenende bekamen sie auch allesamt „Nasenbohrertests“ und einen Elternbrief über die Aufklärung der aktuellen Situation mit nachhause. „Wir müssen jetzt einfach alle Register ziehen, Verdachtsfälle rasch aus den Gruppen herausholen“, betont Bruckner.

Kleiner Festakt verschoben

Trotz eines, wie der Bürgermeister sagt, „extrem ausgefeilten Sicherheits-Konzeptes“ wurde aufgrund der aktuellen Entwicklungen kurzfristig ein für 3. Mai geplant gewesenes freudiges Ereignis auf einen späteren Zeitpunkt verschoben: Landesrat Martin Eichtinger hätte in Großschönau die Preisverleihung zur „EDM-Gemeinde 2020“ – infolge des Wettbewerbes der innovativsten Gemeinden in der Europaregion Donau-Moldau – vornehmen wollen.

Insgesamt immer noch positiver Trend im Gmünder Bezirk

Insgesamt setzte sich der gute Trend der vergangenen Tage im Gmünder Bezirk zum Ende des scharfen Lockdowns trotz der Häufungen in der Marktgemeinde Großschönau fort, per Freitagmittag galten insgesamt nur noch 63 Einwohner als coronakrank. Erstmals wurde, wie Bezirkshauptmann Grusch erfreut feststellte, die „7-Tages-Inzidenz“ im Bezirk wieder in den zweistelligen Bereich nach unten gedrückt. Das ist unter dem Landes- und Bundestrend. 

Grusch freut sich auf die angekündigten Öffnungsschritte – und hofft, dass das Infektionsgeschehen dennoch überschaubar bleibt: „Meine Bitte an die Bevölkerung ist es, sich trotz der Lockerungen an die Vorgaben zu halten und nicht übermütig zu werden. In Vorarlberg hat sich leider sehr deutlich gezeigt, wie sich die Dinge rasch entwickeln können.“