Der Käfer-Kampf als Ganzjahres-Job. Der 43-jährige Martin Wilhelm transportiert käferbefallene Bäume aus steilen Waldgebieten. Seit 2015 verdoppelte er den Mitarbeiterstand.

Von Karin Pollak. Erstellt am 11. August 2019 (04:54)
Wilhelm Forst
Martin Wilhelm investiert in ein Forstunternehmen mit Firmensitz in Nondorf und Schwarzenau im letzten Jahr viel. Unter anderem wurde ein neuer Harvester angekauft.

In Zeiten des massiven Borkenkäfer-Vorkommens in unseren Wäldern und des Eschensterbens ist die fachmännische Aufarbeitung des Schadholzes ein Muss. Ein Fachmann auf diesem Gebiet ist der 43-jährige Martin Wilhelm, der in dem von seinem Vater Johann 1976 gegründete Forstunternehmen mitarbeitete und 2002 ein eigenes Unternehmen gründete, das er konsequent ausbaut. Der Mitarbeiterstand wurde seit 2015 verdoppelt.

Vor allem in die Maschinen wurde im Vorjahr kräftig investiert. So gehören mittlerweile drei Harvester und drei Forwarder, die zum Holzbringen verwendet werden, zum Unternehmen, ebenso zwei Traktoren, ein Raupenbagger mit Energieholz-Zwicker und zwei Lkw-Sattelzüge.

„Holzarbeit war früher im Winter und im Frühjahr angesagt, mittlerweile ist es ein Ganz-Jahres-Job“Unternehmer Martin Wilhelm

Besonders stolz ist der Unternehmer auf seine Traktionsseilwinde, die eigens angefertigt worden ist: „Diese wird vor allem im steilen Gelände eingesetzt und bringt eine massive Arbeitserleichterung.“

Mit steilem Gelände hat das Forstunternehmen mit Sitz in Nondorf des Öfteren zu tun, reicht das Einsatzgebiet vom Waldviertel bis zum Wiener Wald und Ötscher. „Die Käferproblematik ist massiv. Das ist eine Folge der Trockenheit“, sagt Wilhelm, der vor vier Jahren das Büro und die Werkstatt nach Schwarzenau ausgelagert hat. In diesem vom Raiffeisenlagerhaus angemieteten Gebäude gab es ebenfalls Modernisierungen, für die zehn Mitarbeiter wurden unter anderem Aufenthaltsräume geschaffen.

Wie läuft eigentlich ein Einsatz von der Firma Wilhelm ab? Martin Wilhelm schaut sich zuerst einmal die Schäden im Wald an, klärt mit dem Eigentümer ab, was genau gemacht wird. Danach kommen die Harvester und Forwarder zum Einsatz. „Die Käferbäume werden gefällt und aus dem Wald gebracht“, erklärt Wilhelm, der großen Wert darauf legt, dass der Waldboden Nährstoffe zurückbekommt und den Borkenkäfern so wenig wie nur möglich Lebensraum bleibt.

„Wir bringen die Äste und Wipfel der umgeschnittenen Bäume in die Harvestergasse, das sind die Spuren, die diese Maschine im Wald zieht. Über diese Äste wird mit dem Harvester und Forwarder drübergefahren. Die dadurch zerkleinerten Äste bringen Nährstoffe in den Boden, sind aber keine Käfer-Brutstätte mehr“, erklärt Wilhelm.

Wilhelm Forst
Nachdem Martin Wilhelm auch das Transportgewerbe im Vorjahr angemeldet hat, hat sich der Fuhrpark um einiges ausgeweitet.

„Holzarbeit war früher im Winter und im Frühjahr angesagt, mittlerweile ist es ein Ganz-Jahres-Job“, so Wilhelm, der mit seinen zehn Mitarbeitern voll ausgelastet ist. Mittlerweile sucht er wieder zwei Kräfte, einen Lkw- und einen Harvesterfahrer. „Nachdem ich im Vorjahr auch das Transportgewerbe angemeldet habe, führen wir nicht nur die Schlägerung und die Holzbringung durch, wir können bei Bedarf auch als Frächter agieren“, so Wilhelm, der jetzt in der derzeit extrem angespannten Situation in den Wäldern die im Raum stehenden Schließungen von Heizwerken als riesigen Fehler sieht: „Wenn diese Werke zusperren, stellt sich die Frage, was mit dem Faserholz passieren wird, das aus dem Schadholz produziert wird. Und Schadholz gibt es weit mehr, als allgemein bekannt gegeben wird.“