Seit 70 Jahren verheiratet. "Meine Hochzeit hat mir das Leben gerettet", sagt Adolf Schandl. Er entkam 1944, dem Jahr seiner Hochzeit, der Kriegshölle in Stalingrad und überlebte.

Von Karin Pollak. Erstellt am 26. Juni 2014 (10:01)
NOEN, Privat
Seit 70 Jahren sind Adolf und Frieda Schandl verheiratet. Im Nordwaldheim feierte sie das seltene Ehejubiläum, die Gnadenhochzeit. Dazu gratulierten Sohn Christian Schandl (vorne) sowie Pflegedienstleitung Elfriede Steffel, Bürgermeister Raimund Fuchs, Heimdirektorin Sabine Englmaier und Bezirkshauptmann Johann Böhm. Foto:

GMÜND, WEITRA /  „Die 70 sind geschafft“ – nicht Lebens- sondern Ehejahre haben Elfriede (91) und Adolf Schandl (96) hinter sich. Am 17. Juni konnten die Beiden ihre „Gnadenhochzeit“ feiern.

Die Liebe zwischen Elfriede und Adolf Schandl erwachte Mitten in den Kriegswirren in Gmünd-Neustadt. „Ich habe schon eine sogenannte Rutsche auf sie gehabt, aber es war eine richtige Verdunkelungsbekanntschaft und Liebe auf den ersten Blick. Das werde ich nie vergessen“, blickt Adolf Schandl mehr als 70 Jahre zurück und der nach wie vor verliebte Blick zu seiner Gattin spricht Bände. Damals war die erste Verdunkelung von Hitler angeordnet gewesen. Im Cafe Schneider am Schubertplatz war ein Kränzchen angesagt und im Stockdunkeln hätte er sich hingetastet, um seine Elfriede kennenzulernen. „Ja, wir waren mehr verliebt als beieinander“, führt Elfriede weiter aus. Ihre junge Liebe wurde abrupt durch den Krieg unterbrochen. Adolf musste in den Krieg ziehen. „Wir wollten unbedingt heiraten und so hat Adolf Fronturlaub genommen und ich ebenfalls. Zu diesem Zeitpunkt war ich in Budweis Lufthelferin und musste alle Flieger über Budweis eruieren“, erzählt Elfriede Schandl. Der Hochzeitstag am 17. Juni 1944 bleibt unvergessen. Mit ihren Vätern und der Schwester von Elfriede ging es in die Pfarrkirche Gmünd-Stadt. Für das Essen – es gab einen Hasen – danach sorgte Elfriedes Oma.

Nach einer Woche musste Adolf Schandl wieder zurück in den Krieg. „Da habe ich erfahren, dass während meines Urlaubes meine Kompanie nach Stalingrad verlegt worden ist. Kein einziger Kamerad hat das überlebt. Die Hochzeit hat mir somit das Leben gerettet“, meinte Adolf Schandl.

Sohn Christian machte das Glück perfekt 

Er kehrte auf Irrwegen nach sechs Jahren an der Front in Russland unverletzt zurück: „Ich habe mich nach der Verhaftung durch die amerikanischen Soldaten einfach abgesetzt.“ Verstecke bei Bauern, Kilometer lange Fußmärsche und die ständige Angst vor dem Entdecktwerden waren damals seine Begleiter. „Als ich meine Frau von Weitem beim Wäscheaufhängen hinter dem Gmünder Wasserwerk gesehen habe, ist mir das Herz aufgegangen“, so Schandl.

Das Ehepaar war wieder vereint, gewohnt hat es bei der Großmutter Elfriedes in einem kleinen Kabinett. „Gehabt haben wir nichts“, so Adolf Schandl. „Wir wollten unbedingt ein Kind, doch darauf mussten wir 18 Jahre lang warten“, verrät das Jubelpaar. Mit Sohn Christian, der im März 1962 zur Welt kam, war ihr Glück perfekt.

In der Wohnung in der Conrathstraße lebten Adolf und Elfriede Schandl bis vor rund drei Jahren. Ein Wasserschaden in der darüberliegenden Wohnung vernichtete ihr gesamtes Hab und Gut. Somit mussten sie ins Seniorenwohnhaus in Gmünd übersiedeln. Im November des Vorjahres war die Übersiedelung ins Nordwaldheim Weitra notwendig. „Man wollte mir Blumen für meine Frau zum Hochzeitstag besorgen. Aber meine Frau kann man nicht mit allen Blumen dieser Welt aufwiegen“, erklärte Adolf Schandl.