Gmünder Kaufhaus Ruzicka: „In der Krise flexibel sein“. Einer der ältesten Familienbetriebe des Waldviertels fand in der Achterbahnfahrt durch das Coronajahr zu einem neuen Alltag. Kurzarbeit ist bereits beendet.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 17. Oktober 2020 (04:07)
Peter Ruzicka: hartes Frühjahr, starkerSommer, stabiler Herbst nach Hochzeits- Knick.
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Die drei neuen Mitarbeiter, die eigentlich schon im März eingestellt hätten werden sollen, warten immer noch auf ihren ersten Arbeitstag. Ansonsten ist im Shoppingcenter Ruzicka, Platzhirsch in der Kombination Mode & Bekleidung, Taschen & Koffer sowie Spielwaren im Gmünder Bezirk, nach der coronabedingt erstmaligen Firmenschließung in der mehr als 300-jährigen Geschichte wieder sowas wie Alltag eingekehrt.

Dieser Alltag ist jedoch, wie Geschäftsführer Peter Ruzicka sagt, mit einem Alltag vor dem 16. März 2020 nicht mehr vergleichbar. „Eines haben wir gelernt in der Krise: Du musst flexibel sein, kannst nie sagen, was morgen kommen wird – sondern wirst dich einfach danach richten müssen“, grübelt er.

Die Wochen des Lockdowns, in denen die Arbeit da wie dort niedergelegt werden musste, seien für ihn die anstrengendste Zeit seines Lebens gewesen: „Im Büro musste für alle Beschäftigten die Kurzarbeit abgewickelt werden. Ich musste Kontakt zu gut 150 Lieferanten halten. Aber alles ist sehr positiv gelaufen.“

„An manchen Tagen 70 Euro in der Kassa“

Das Ergebnis der Wiedereröffnung kleiner Filialen Mitte April sei dann niederschmetternd gewesen: „An manchen Tagen waren 70 Euro in der Kassa.“ Die allgemeine Öffnung nach dem 1. Mai habe langsam das Geschäft anlaufen lassen und – Hand in Hand mit dem touristischen Rekordsommer in Gmünd – in einem überragenden Juli und August gegipfelt.

Ruzicka: „Der Sommer lief noch besser als im wirtschaftlich schon sehr guten Jahr 2019. Dann kam im September die Wiedereinführung der Maskenpflicht, und mit dem Schremser Hochzeits-Cluster war der zweite Einbruch endgültig da.“ Inzwischen habe sich das Geschäft auf neuem Niveau stabilisiert.

Die Zuversicht nicht verlieren

Stammkunden hätten dem Kaufhaus heuer auch in der schwersten Stunde die Treue gehalten, etwa verstärkt das Zustellservice genutzt, dankt Peter Ruzicka. Auch aus der etwa 40-köpfigen Belegschaft seien immer positive Impulse gekommen – dafür wurde mit September die Kurzarbeit beendet. Die Entwicklung mag im Coronajahr unberechenbar sein, das Vertrauen in die Zukunft ist aber ungebrochen.