Gmünder Schulen sind zu: Keiner will, alle müssen durch. Sowohl Eltern als auch Lehrer leiden unter der neuerlichen Doppelbelastung, die Kinder unter fehlenden Freunden.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 18. November 2020 (05:12)

Starke Auswirkungen hat der zweite Lockdown nun auch auf die Pflichtschulen und auf Familien mit kleinen Kindern. An den höheren Schulen läuft wie berichtet schon seit Anfang November alles auf Distanz. Die NÖN hörte sich bei den Betroffenen um.

Herausforderung für erste Klassen

„So wie im Frühjahr haben wir auf die Plattform Microsoft Teams umgestellt. Für die Schüler der ersten Klasse ist das aber sicher noch eine Herausforderung“, sagt Hubert Prinz, Direktor der Mittelschule Weitra und der Volksschulen Unserfrau und Moorbad Harbach.

In den Volksschulen sei ein digitaler Fernunterricht kaum möglich: „Hier müssen wir papiergebunden arbeiten. Natürlich braucht es dabei die Hilfe und Unterstützung der Eltern. Einem Erstklassler kann man nicht einfach eine Seitenzahl im Schulbuch nennen. Er kann ja noch nicht lesen.“

Die Betreuung von Schülern, deren Eltern arbeiten müssen, ist in der Schule gewährleistet. „Da sind die Lehrer gefordert. Sie müssen sich um den Distance-Unterricht kümmern und die Schüler vor Ort betreuen. Wie viele Schüler in die Schule kommen werden, wissen wir auch nicht“, sagt Prinz.

Gmünd und Lainsitztal: Schulen vorbereitet

Dass Fernlehre und Betreuung der Schüler vor Ort eine Doppelbelastung für die Lehrer sei, bestätigt auch Christian Skoll. Er leitet die Mittelschule für Musik und Ökologie in Gmünd, die Mittelschule Bad Großpertholz und den Volksschulverband von St. Martin und Bad Großpertholz: „Die Lehrer haben am Wochenende sehr viel gearbeitet.“

Schon seit Juni haben sich Schüler und Lehrer auf erneutes Distance-Learning vorbereitet, erklärt Skoll. Der Ernstfall war dann doch schnell da: „Die Kurzfristigkeit ist sicher eine Herausforderung aber wir müssen damit zurechtkommen“, bleibt er optimistisch. Die Nähe zu den Schülern fehlt momentan: „Wir sind Lehrer geworden, weil wir mit Kindern arbeiten wollen – nicht mit Computern.“

Heidenreichsteiner Direktorin appelliert für gegenseitige Unterstützung

 In Heidenreichstein steht für die Volksschulkinder Lernmaterial abholbereit, die Mittelschüler werden großteils mittels Computer instruiert, können aber bei fehlendem PC ebenfalls mit Papier-Lernmaterial versorgt werden: „Wir bemühen uns, unter Einhaltung aller Vorschriften und Hygienemaßnahmen die Schulen auch inklusive Nachmittagsbetreuung für die Kinder, die davon Gebrauch machen müssen, offen zu halten und mit ihnen zu lernen“, so Direktorin Doris Adensam.

Ihr Appell an Eltern: „Wir wollen mit allen Erziehungsberechtigten kooperieren und uns gegenseitig Unterstützung geben. Bei Problemen oder Fragen sind mein Lehrerteam und ich stets telefonisch erreichbar, um gemeinsame Lösungen im Dienste der Schüler aller Altersstufen zu finden.“

Herausforderung für die Eltern

Für die Eltern bedeuten die Schulschließungen eine große Umstellung. „Das stellt viele Eltern und Familien vor große Herausforderungen. Die Schulschließung ist die einfachste Lösung, nur weit weg von der Lebensrealität“, übt der Elternvertreter der Volksschule Gmünd, Thomas Miksch, scharfe Kritik.

Es hätte nach anderen Lösungen – wie Trennwänden in den Klassen oder alternierender Unterricht vormittags und nachmittags – gesucht werden können: „Für manche ist es sicher kein Problem, eine ruhige Lernumgebung zu haben, aber für viele ist es ein Problem, nicht alle Kinder haben ein eigenes Zimmer.“ Bei der Anmeldung zur Betreuung in der Schule brauche es mehr Flexibilität. Denn: „Die Eltern wissen ja oft gar nicht, wie sie am nächsten Tag arbeiten müssen“, betont er.

Auch in Litschau noch offene Fragen

Einen Tag vor der Schulschließung – also am 16. November – sind die Gefühle mulmig: „Weil wir alle miteinander nicht wissen, wie es weitergeht“, sagt Siegfried Riedl, Elternvereinsobmann der Volks- und Mittelschule Litschau: „Die nächsten paar Tage werden zeigen, was auf uns zukommt.“ Die Herausforderung für Eltern? „Momentan diese Ungewissheit: Sind es nur diese drei Wochen oder dauert es länger?“

Wenn die Eltern wieder die Lehrer sind

Dann komme es manchmal zu Spannungen, erzählt Tobias Spazierer, Elternvereinsobmann der Volksschule Schrems. Gleichzeitig fehlen den Kindern die sozialen Kontakte mit Schulfreunden – mehr noch als die Schule an sich.

„Im Frühjahr haben auch die bemühtesten Eltern gemerkt, dass das kein Honiglecken ist“, sagt er: Herausfordernd sei, den Kindern dennoch einen Tagesrhythmus zu bieten, ihnen zu erklären, dass nun keine Ferien sind – und Prioritäten abzuwägen: „Was ich während des ersten Lockdowns gelernt habe, ist: Nicht alles andere wichtiger zu nehmen als das Lernen der Kinder.“ Neben dem Beruf ist das nicht immer einfach – viele Eltern seien mit der Situation nicht glücklich.