Preisgekrönt durch den Endlos-Lockdown. Zwischen Fragen zum Neustart, ausbleibenden Unterstützungen und Mittagsmenü-Boom: Freude über Holidaycheck-Sonderpreis.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 02. April 2021 (05:29)
Auch im Lockdown gibt es für Geschäftsführer Bernhard Strohmeier und Marketingleiterin Nicole Schweighofer im leeren Sole-Felsen-Hotel manchmal Grund zur Freude–etwa über den „Special Award“ bei Holidaycheck.
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Der Kampf gegen das Coronavirus hat auch die jahrelang von Rekord zu Rekord geeilte Sole-Felsen-Welt in Gmünd kräftig durchgewaschelt. Und doch werden die Jahre 2020 und 2021 mit bisher schon acht Monaten des erzwungenen Stillstandes auch mit einem positiven Novum in der Firmenchronik verankert bleiben: Im wichtigsten deutschsprachigen Urlaubsportal „Holidaycheck“, wo zuvor mit dem Gold-Award bereits der maximal mögliche Status erreicht war, wurde der coronabedingt neu ins Leben gerufene „Special Award“ eingeheimst.

Preise als Aufmunterung in schwerer Zeit. Kaufen können sich Geschäftsführer Bernhard Strohmeier und sein mehr als 180-köpfiges Team, das nach bald zwölf Monaten Kurzarbeit bereits massive finanzielle Einbußen hat, darum aktuell nichts. Aber die Auszeichnung, die es für die Summe der Gäste-Bewertungen und eine stolze Weiterempfehlungs-Rate von hundert Prozent im Jahr 2020 auf Holidaycheck gibt, ist eine Bestätigung. Und sie ist eine Aufmunterung, sich die schönen Seiten eines Jobs dort, wo andere Urlaub machen, gerade in der schweren Zeit wieder in Erinnerung zu rufen – genauso wie die Kür zum bundesweiten „Aufsteiger des Jahres“ beim Thermencheck-Award im Dezember 2020 oder den „Traveller Review Award 2021“ auf der Plattform Booking.com.

Kein Urlaubsfeeling. Seit Anfang November sind die Tore von Therme und Hotel nun schon zu. Der Chef fürchtet, dass die Mannschaft, die mit wenigen Ausnahmen seit Anfang November durchgehend zu Hause ist, noch bis Pfingsten durchhalten muss – erst danach ein Neustart angedacht werden könnte. Natürlich mache sich allmählich Unruhe breit, sagt er: „Ich kann es niemandem verübeln, wenn er sich nach so langer Zeit und bald einem Jahr Kurzarbeit mit allen Konsequenzen irgendwann etwas Anderes sucht…“

Immerhin: 150 Mittagsmenüs für zuhause oder im Büro. Einzig in der Hotelküche herrscht zumindest etwas Leben: Zumindest das Mittagsangebot für die Bevölkerung erfreut sich mittlerweile einer Beliebtheit, die sogar die Zahlen von „vor Corona“ übertrifft. „Getränke und Kaffee fallen weg, dafür haben wir zuletzt bereits 150 Mittagsmenüs täglich für zuhause oder im Büro zubereitet“, sagt Geschäftsführer Strohmeier. Im Raum Gmünd wird kostenlos ausgeliefert, etwa 60 Portionen gehen auf diese Weise raus. Vorige Woche stellte sich Braumeister Karl Trojan mit einer delikaten Spende zu jedem abgeholten Menü – eine Flasche Schremser Osterbräu – ein.

Fragen zur Gastro-Zukunft. Strohmeier denkt bereits darüber nach, den Mittagsservice auch in einer Zeit „nach Corona“ beizubehalten. Für Mitte April hat er schon mal Steckerlfische „to go“ ins Angebot genommen.

Ob er sich indes an einer allfälligen Schanigarten-Öffnung beteiligen würde? „Wenn nur outdoor geöffnet werden darf, dann sind wir wegen der starken Abhängigkeit vom Wetter nicht dabei. Es wäre für den Einkauf extrem schwer planbar. Und wohin soll ein Gast mit seinem Schnitzerl, wenn plötzlich der Regen kommt?“, fragt er. Dürfe auch das Restaurant öffnen, dann sei das Sole-Felsen-Hotel mir seinen weitläufigen Flächen in Wintergarten und Restaurant definitiv startklar.

Bad, Sauna & Hotel „hängen in der Luft.“ Im Restaurant können immerhin Szenarien durchgespielt werden, im eigentlichen Tagesgeschäft für Bad, Sauna & Hotel ist das derzeit fast zwecklos. „Wir hängen hier in der Luft, werden leider im Regen stehen gelassen. Es gibt keine Richtlinien und keinen Zeithorizont für den Weg zu einer Wiedereröffnung“, räumt Bernhard Strohmeier ein: „Der wäre zumindest ein Anhaltspunkt, an dem wir uns orientieren könnten – auch wenn er am Ende vielleicht doch nicht hält.“

Marketingleiterin Nicole Schweighofer nutzt die Zeit, um einen umfangreichen Online-Shop mit einigen neuen Highlights auszutüfteln. „Specials“ für Mutter- und Vatertag werden kreiert, Buchungspakete für den Sommer ausgearbeitet. Viel Energie verpufft freilich durch Verschiebungen angesichts der fehlenden Planbarkeit.

„Therme Plus“, die bundesweite Initiative von Thermenbetreibern, habe gemeinsam mit einem anerkannten Virologen ein Präventionskonzept ausgearbeitet und dem Gesundheits-Ministerium vorgelegt, sagt Strohmeier. Reaktion gebe es dazu bis heute keine. Testungen bis zu Selbsttests vor dem Zutritt hielte er etwa für machbar, einen Saunabetrieb zum Beispiel mit 2-m-Regel aber für unfinanzierbar.

Unterstützungs-Gelder teils seit November offen. Apropos Finanzen: Der größte Teil des Umsatz-Ersatzes alleine für den November ist laut Geschäftsführung fünf Monate später noch immer nicht eingetroffen. Geld, auf das schon dringend gewartet wird. Denn natürlich wurde auch während der Schließung Umsatz erzielt. Der Gutscheinverkauf für das Hotel lief vor Weihnachten zum Beispiel besser als im Jahr davor, er trug damit etwas zum Decken der weiterlaufenden Kosten bei. Aber: „Wir müssen darauf eingestellt sein, dass in den ersten Monaten nach einer Wiedereröffnung zunächst einmal sehr viele angesammelte Gutscheine eingelöst werden, wir also wenig neue Umsätze erzielen. Zugleich sind Ende Juni aber doppelte Löhne fällig“, sagt Bernhard Strohmeier. „Spätestens da sollte die Unterstützung da sein, im anderen Fall würde es eng werden.“

Neue Quellen. Auch eine andere Frage finanzieller Natur betrifft die Solewelt: 2.500 Tagesgäste wie in Spitzenzeiten vor Corona wird es lange nicht mehr geben dürfen, aber wie sollen dann künftig die nicht geringer werdenden Kosten für den Betrieb und den bisher sehr ambitionierten Erneuerungs- und Innovationskurs gedeckt werden?

Es werde attraktive neue Wege brauchen, steht für Strohmeier außer Zweifel. Er grübelt bereits über Strategien und denkbare Zusatzangebote. Gut möglich, dass in einer Zeit nach Corona auch erstmals ein komfortables VIP-Modell die Sole-Felsen-Welt erobert.