Touristen im Bezirk Gmünd auf der Suche nach Ruhe. Über kurzfristige Buchungen, präventive Tests und zwei Monate, die besser gelaufen sind als ursprünglich erwartet.

Von Anna Hohenbichler und Karin Pollak. Erstellt am 16. September 2020 (05:37)
Christian Kölling, Miteigentümer des Romantik-Hotels Stern, lässt sich seit 24. Juli einmal in der Woche auf Covid-19 testen. Bisher verliefen alle Tests in diesem Tourismusunternehmen negativ.
Karin Pollak

Dienstags grüßt im Romantik-Hotel Stern am Gmünder Stadtplatz nicht das Murmeltier, sondern das Covid-19-Testteam: Mitarbeiter und die Eigentümer Christian Kölling und Mark Bauer unterziehen sich wöchentlich einem freiwilligen Covid-Test.

Eine präventive Maßnahme nach turbulenten Tourismus-Wochen: Wie ist die mit Urlaub in Österreich umworbene Sommersaison im Schatten der Pandemie im Bezirk gelaufen?

Buchungsverhalten hat sich geändert

Das Hotel Stern mit 40 Zimmern und 75 Betten ist laut Kölling seit Wochen ausgebucht: „Die Gäste buchen jetzt sehr kurzfristig, oft von einem Tag auf den anderen. Wir müssen leider auch extrem viele, die direkt bei uns nach einem Zimmer fragen, wegschicken. Wir könnten momentan sicherlich ein zweites Hotel füllen.“

Von kurzfristigem Buchungsverhalten berichtet auch Bernhard Strohmeier, Geschäftsführer der Sole-Felsen-Welt: Wo früher zwei Wochen vor Anreise gebucht wurde, erfolge die Reservierung für den Samstag nun am Donnerstag. „Wir hatten sicher einen der besten Sommer“, resümiert er – und spricht von Auslastungen von knapp 80 Prozent im Juli sowie knapp 90 im August. Auch am Campingplatz sei die Nachfrage gestiegen.

Den kommenden Herbst- und Wintermonaten blickt Strohmeier zuversichtlich entgegen: „Wir haben jetzt schon eine sehr gute Auslastung. Ich mache mir keine Sorgen.“ Im Sole-Felsen-Bad gebe es eine Besucherbeschränkung – wenn nötig auch einen Einlass-Stopp: „Wenn es Regentage gibt, ist das Gästeaufkommen schon sehr groß.“

Auf der Website wird über die aktuelle Auslastung informiert.

Sind gerüstet und können sofort reagieren.“

Seit 24. Juli wird im Romantik-Hotel Stern regelmäßig getestet – bisher waren alle Ergebnisse negativ. „Das kann sich natürlich jederzeit ändern. Aber wir sind gerüstet und können dann sofort reagieren“, betont Christian Kölling: „Unsere Gäste reagieren sehr positiv darauf, dass unsere Mitarbeiter regelmäßig getestet werden.“ Jene, die dienstags im Haus sind, werden getestet.

Das Ergebnis kommt am frühen Mittwoch-Nachmittag auf das Handy, wobei die Eigentümer nur die eigenen Ergebnisse erfahren.

„Urlaub am Bauernhof“: Natur erleben

„Wir hätten mehr Ferienwohnungen vermieten können, als wir hatten“, sagt auch Peter Höbarth. Der Bürgermeister von St. Martin ist Obmann des Landesverbands von „Urlaub am Bauernhof und Privatzimmervermietung“ und bietet selbst Ferienwohnungen an. Obwohl NÖ-weit sieben Prozent Verluste verzeichnet worden seien, ist er mit der Saison zufrieden. Bewusstsein und Interesse für die Natur seien – auch durch den Lockdown – gewachsen: „Ich bin überzeugt davon, dass das so weitergeht.“

Weniger Busgruppen, aber mehr Individualgäste

Auch für die Stadtgemeinde Weitra zieht Bürgermeister Patrick Layr ein positives Resümee: „Wir sind guter Dinge, dass die Bilanz vom heurigen Sommer in Ordnung ist.“ Große Events wie der Bierkirtag oder das Festival auf Schloss Weitra mussten zwar ausfallen, dadurch auch Busgruppen. Man habe aber viele Individualgäste wahrgenommen, kulturell seien „innovative Ersatzveranstaltungen“ wie das „Klapp:ing“ organisiert worden, und das Angebot im Freizeitzentrum rund um den Hausschachen-Teich sei gut angekommen. „Wir hatten so viele Familien und Kinder wie schon lange nicht mehr“, sagt Layr.

Gäste schätzen die Ruhe

In Litschau fanden das Schrammelklang-Festival und das Theaterfestival „Hin und Weg“ heuer nur in kleinerem Rahmen statt. Dennoch habe die gesamte Region davon profitiert, erklärt Martina Kainz vom Tourismusbüro: „Über die Sommermonate können wir uns nicht beklagen.“ Auch die Radrouten seien gut angenommen worden, das Radfahren in der Region ist sehr beliebt. Viele Litschau-Touristen kommen aus Wien – aber nicht nur: Auch Gäste aus Kärnten oder Salzburg schätzen die Ruhe: „Und die kommen auch wieder.“

Aktuelle Umfrage

  • Wird im kommenden Jahr wieder "normaler" Urlaub möglich sein?