Die besonderen Hobbys eines Rauchfangkehrers. Stefan Baumgartner aus Oberlainsitz graviert Granitsteine und betreibt im Keller seines Hauses ein Privatmuseum.

Von Karin Pollak. Erstellt am 22. November 2020 (04:34)
Stefan Baumgartner ist künstlerisch vielbegabt. Seine besonders gravierten Steine erfreuen sich großer Beliebtheit.
Karin Pollak

Mit einem Hobby lässt sich die Zeit mit Lockdown und Ausgangsbeschränkung besser verkraften als ohne. Davon ist auch Stefan Baumgartner aus Oberlainsitz überzeugt, der sich seit 20 Jahren mit der besonderen Bearbeitung von Granitfindlingen beschäftigt.

Der 53-Jährige bearbeitet die Granitsteine mit Flex & Co. und graviert in diese Wörter und Zahlen auf Kundenwunsch. „Das Besondere daran ist, dass die Gravuren nicht in den Stein geschliffen werden, sondern sie erheben sich vom Stein“, erklärt der Rauchfangkehrer.

„Ich sammle sehr gerne, das wissen mittlerweile auch Freunde und Bekannte. Bevor die jetzt etwas entsorgen, verständigen sie mich.“ Stefan Baumgartner

Zu diesem Hobby sei er zufällig gekommen, betont Baumgartner. Im Jahr 2000 wurde die Festhalle der Feuerwehr St. Martin errichtet. „Ich bin aktives Feuerwehrmitglied und mich hat gestört, dass diese Halle keine Hausnummer hat und somit für Ortsunkundige schwer zu finden ist. Ich habe daher meinen ersten Stein bearbeitet und das Feuerwehrwappen erhaben in den Stein gemeiselt“, erzählt der Hobby-Steinmetz.

„Es hat mir wirklich getaugt, mittlerweile habe ich mit dieser Art der Gravur über 40 Steine bearbeitet. Der Großteil davon sind Steine, die bei Feuerwehr- oder Vereinshäusern aufgestellt sind. Aber auch für Geburtstagsgeschenke habe ich Steine bearbeitet“, betont der Rauchfangkehrer. So ziert ein gravierter Granit aus dem Hause Baumgartner die Zufahrt zum Haus von Bürgermeister Peter Höbarth.

Der Keller seines Wohnhauses beherbergt ein eindrucksvolles Museum mit einer eigenen „Kaiserecke“.
Karin Pollak

Die weiteste Reise eines in Oberlainsitz bearbeiteten Steines ging in die Gemeinde Wiener Neudorf. „In Mauerbach ist Harald Pollak Feuerwehrkommandant. Er stammt aus Oberlainsitz und er wollte einen derartigen Stein. Diesem Beispiel sind dann noch andere Wehren dort gefolgt.“

Für die Bearbeitung eines Steines gehen bis zu 20 Stunden auf. Mit einem kleinen Winkelschleifer mit Diamantscheibe sowie mit Stemmeisen bearbeitet Baumgartner einmal den Stein grob. Die Steine sucht er im Gemeindewald in Harmanschlag. „Sie müssen eine gerade Seite aufweisen und feinkörnig sein“, betont Baumgartner. Danach wird mit kleinen Stemmeisen die Gravur verfeinert – verschnörkselt oder einfach, mit oder ohne Farbe. „Die Nachfrage ist einmal mehr, einmal weniger. Aber alle freuen sich über diese Unikate.“

Eindrucksvolles Museum im Keller eingerichtet

Stefan Baumgartner ist aber nicht nur Künstler, der Keramiken gießt und Skulpturen aus Alteisen schafft, sondern auch Sammler. Mittlerweile hat er im Keller seines Wohnhauses ein Privatmuseum eingerichtet, das Tausende Exponate umfasst. Hier zeigt er seine Schätze, die er unter anderem als Rauchfangkehrer von alten Dachböden zusammengetragen hat.

Zu allen Exponaten, die er seit 1999 sammelt, kennt er Geschichten, alle sind archiviert und liebevoll in Szene gesetzt. „Da gibt es Heiligenbilder, Emailtafeln, Töpfe und vieles mehr. Verkauft wird nichts, ich kann mich nämlich von keinem Stück trennen“, meint der „Museumsleiter“.

Besonders stolz ist er auf seine „Kaiserecke“ mit zahlreichen Sisi- und Franzl-Bildern sowie eindrucksvolle Erinnerungsstücke an die die Monarchie. Sein „Laden“ erinnert an die Greißlereien mit einem großen Sortiment.

„Ich sammle sehr gerne, das wissen mittlerweile auch Freunde und Bekannte. Bevor die jetzt etwas entsorgen, verständigen sie mich“, erklärt Baumgartner. So kam es auch, dass er den alten Apothekerschrank der Gmünd-Neustädter Apotheke in seinem Museum ausgestellt hat – dieser wäre im Sperrmüll gelandet.

Öffentlich zugänglich ist dieses Museum nicht, aber Interessierten zeigt er gerne seine Schätze (0681/81441134). Ein Tag der offenen Tür ist geplant.