Ladung Dreck zur Eröffnung der Hundeschule.... Ein Kipper Mist, garniert mit Protest-Plakaten, beim Start der Hundeschule Steinbach: ÖVP bekennt sich zur Aktion – und attackiert den Bürgermeister.

Von Christine Deutsch und Markus Lohninger. Erstellt am 06. September 2017 (06:00)
Chistine Deutsch

Ein „Eröffnungs-Geschenk“ der etwas anderen Art hatte die ÖVP-Ortsgruppe Steinbach unter Führung von Gemeinderat Walter Kugler am 2. September zum Start der Hundeschule Steinbach mit: einen Kipper voller Mist am angrenzenden Feld des örtlichen Sportplatzes, der von den Betreibern der Hundeschule um Obfrau Iris Bozek gepachtet wird.

Die Hundefreunde vom ÖRV HSV Steinbach nahmen die stinkende, mit Sprüchen wie „Statt Kinderlachen Hundekot - Danke Herr Bürgermeister“ auf Plakaten bestückte Überraschung relativ gelassen, „wir haben uns die Eröffnung dadurch nicht vermiesen lassen“. Aber, so Bozek gegenüber der NÖN: „Bei uns hat sich keiner wegen der Hundeschule beschwert.“

Christine Deutsch
Ließen sich die Eröffnung durch die Protestaktion nicht vermiesen: Michaela Bodner, Rudolf Glaser und Martina Glaser-Binder, Willi Rameder, Petra Spiesmaier, Rudolf Graner, Edeltraud und Alfred Zwettler, Leonhard Kainz, Peter und Dorothea Immervoll, Obmann Stellvertreter Werner Burtscher, Obfrau Iris Bozek und Kurt Gabler mit ihren Willkommens- Schultüten.

„Diese Protestaktion von Kugler ist mehr als primitiv“, sagt indes der angesprochene SPÖ-Gemeindechef von Brand-Nagelberg, Franz Freisehner. Kugler verweist auf NÖN-Nachfrage auf eine eineinhalbseitige Stellungnahme der VP Brand-Nagelberg. Darin entschuldigt sie sich bei den Betreibern der Hundeschule für die Unannehmlichkeit, diese seien zum Spielball einer politischen Auseinandersetzung geworden.

Die ÖVP-Ortsgruppe greift in ihrer Erklärung weit zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1968 sei die einst eigenständige Gemeinde Steinbach mit Brand-Nagelberg zusammengeschlossen worden, vier Jahre später sei die Volksschule als „einziges kommunales Gemeingut“ geschlossen und 1974 an eine Privatperson verkauft worden.

Erst aus der NÖN von der Eröffnung erfahren

„Als Kompensation wurde der Sportplatz geschaffen, der bis heute der Bevölkerung unter anderem als Ort zur Austragung von Veranstaltungen, zur Ausübung von Freizeitaktivitäten bzw. auch als Übungsareal der Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurde“, schreibt der geschäftsführende Gemeinderat Gernot Lintner.

Nun sei das Areal hundeausbruchssicher gemacht worden, was das Gefühl hinterlassen habe, es werde der Bevölkerung entzogen. Lintner: „Dass da die Wogen hochgehen, war absehbar.“ Verstärkt habe sich die Eskalation schließlich dadurch, dass viele Steinbacher und auch die drei Gemeinderats-Mandatare der ÖVP erst aus der vorigen Gmünder NÖN von der unmittelbar bevorstehenden Eröffnung erfahren hätten.

Im Gemeinderat habe es, so Lintner, Ende Juni eine Info zum Vorhaben gegeben. Allerdings gebe es noch keinen Gemeinderats-Beschluss für den Pachtvertrag, er gelte also rechtlich nicht. Vor allem: Aus einem angekündigten befristeten, monatlich kündbaren Pachtvertrag auf Probe sei ein unbefristeter, fünf Jahre unkündbarer geworden. Im Gemeinderat kann die ÖVP wegen ihrer Mandats-Minderheit (3:16) nichts verhindern, sie fühlt sich regelmäßig vor vollendete Tatsachen gestellt.

Freisehner: Sportplatz bleibt benutzbar!

SP-Bürgermeister Freisehner widerspricht der ÖVP-Darstellung. Inhalte des Vertrages seien nicht Teil der angesprochenen Gemeinderats-Sitzung gewesen, weil Richtung und Zeitpunkt der Umsetzung noch offen gewesen seien, sagt er und verweist auf das Protokoll: „Geplant ist jedenfalls kein unbefristeter Vertrag, die Gemeinde verzichtet bloß zwecks Planbarkeit für die Hundeschule für fünf Jahre lang auf eine Kündigung.“

Der Ortsvorsteher habe die Bevölkerung informieren sollen, beteuert er. Selbst sei er, wie er sagt, bis Samstag nie wegen der Anlage kontaktiert worden. „Der alte Platz musste jedenfalls von der Gemeinde gepflegt werden“, sagt Freisehner: „Durch die Hundeschule wird der Ort belebt, es tut sich was. Und Jugendliche können den Sportplatz bei Bedarf noch immer nutzen!“

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