Thermenchefs klagen: „Wasser steht uns bis zum Hals!“. Die Sole-Felsen-Welt in Gmünd dreht sich seit drei Monaten nicht mehr. Die für Thermen sonst beste Zeit des Jahres müssen fast alle 185 Beschäftigten untätig und mit reduzierten Einkommen zuhause verbringen, die Geschäftsführung beklagt Bürokratie am Weg zu Unterstützung und schlechte Informationspolitik. Sie schloss sich mit 34 weiteren Thermenbetreibern zusammen, um auf die triste Lage während des Lockdowns aufmerksam zu machen.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 29. Januar 2021 (15:27)
Vertreter der NÖ Betriebe in der Initiative „Therme Plus“: Doris Walter (Römertherme Baden), Bernhard Strohmeier (Sole-Felsen-Welt Gmünd), Stefan Nowatschka (Asia Resort Linsberg), Reinhold Hofmann (Therme Laa Hotel & Silent Spa; v.l.).
Badener KurbetriebsgesmbH

„Das Wasser steht uns bis zum Hals!“, heißt es in einem gemeinsamen Statement dieses Zusammenschlusses, der sich als Initiative „Therme Plus“ für die kontrollierte Wiedereröffnung und mehr Transparenz etwa hinsichtlich Planbarkeit einsetzt (untenstehend das komplette Statement!). Staatliche Unterstützung reiche – sofern überhaupt schon gekommen – bei Weitem nicht zum Abdecken der laufenden Kosten, der Einnahmenausfälle und Kosten zur Umsetzung zusätzlicher Hygienekonzepte, die Thermen wie berichtet zu an sich sicheren Orten machten. 

Sole-Felsen-Welt: Im Lockdown monatelang ohne Hilfe

Die Gmünder Sole-Felsen-Welt habe vom Bund, wie Geschäftsführer Bernhard Strohmeier im NÖN-Gespräch beteuert, fast drei Monate lang keinen einzigen Cent bekommen. 

Der Fixkosten-Zuschuss sei nach dreimonatiger Wartezeit erst jetzt eingetroffen. Der Kurzarbeits-Antrag für die komplette Belegschaft sei ab November viermal abgewiesen und erst nach zweieinhalb Monaten bestätigt worden - primär wegen fehlender Unterschriften zweier im Ausland weilender Mitarbeiterinnen, die beide in Karenz sind.  Umsatzersatz sei für die Monate November und Dezember trotz gültiger Bescheide bis heute keiner gekommen. 1,3 Millionen Euro mussten aber laut Strohmeier in einer Phase der minimalen Einnahmen alleine für die Beschäftigten von Bad und Hotel vorgestreckt werden.

Die politische Ankündigung von rascher und unbürokratischer Hilfe sei also mit Vorsicht zu genießen, sagt Sole-Felsen-Welt-Geschäftsführer Strohmeier, der klipp und klar festhält: „Wir zehren zum Glück von einer soliden Basis. Aber was ist, wenn wir die Gehälter irgendwann nicht mehr zahlen können? Es geht um einen Leitbetrieb für die ganze Region, und es geht um 185 Arbeitsplätze.“ Die Belegschaft ist wegen der Covid-Einschränkungen mit einem einzigen Monat Ausnahme seit März 2020 durchgehend in Kurzarbeit - mit dementsprechenden Einkommensausfällen.

Die wie berichtet bereits im Vorjahr angebahnte Vernetzung zwischen den eigentlichen Mitbewerbern sieht Strohmeier als zentrale Voraussetzung dafür, dass die Sorgen der Branche in den Ministerien und in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. „Die Branche hat sich monatelang zurückgehalten", sagt er: „Aber wir müssen allmählich Zeichen setzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass es auch uns gibt - und dass wir seit Monaten völlig in der Luft hängen".

Die große Frage: Wann und unter welchen Bedingungen aufsperren?

Kritisiert wird von der Initiative „Therme Plus“ auch eine in Richtung der Thermen überschaubare Kommunikationspolitik des Bundes. „Wir wissen nicht: Wann und unter welchen Voraussetzungen dürfen wir endlich aufsperren?“, heißt es im gemeinsamen Statement, eine Therme könne nicht einfach wieder von null auf Normalbetrieb hochgefahren werden. 

Kommen etwa weitere Zugangsbeschränkungen für die Thermen oder ein 2-Meter-Abstand auch in der Sauna, dann könne man sich ein Aufsperren zumindest in Gmünd abschminken, sagt Geschäftsführer Strohmeier. Der Betrieb sei dann wirtschaftlich nicht verantwortbar.
Auch deshalb seien zumindest grobe Anhaltspunkte für eine gewisse Planungssicherheit essenziell.

Experte tritt für „sichere Wiedereröffnung" ein

Thermenbesuche mit Saunaanwendungen, Bewegung im Thermalwasser, Entspannung und Erholung hätten, wie Hygiene- und Mikrobiologie-Facharzt Hans-Peter Hutter im Thermen-Statement zitiert wird, auch laut Analyse der Medizin-Uni, eine „immunstimulierende Wirkung auf den Organismus“. Eine kontrollierte Wiedereröffnung sei daher gerade in der aktuell belastenden Situation wichtig. Hutter, Oberarzt am Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien, spricht von abgeschlossenen Planungen für eine sichere Wiedereröffnung: „Mit der Entwicklung der infektiologisch fundierten Schutz- und Hygienemaßnahmen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, wurde ein praxisorientierter Weg gewählt, wie der Betrieb einer Therme nach dem Lockdown – selbst unter den aktuellen Herausforderungen der Covid-19 Pandemie – wiederaufgenommen werden kann.“