Ein historisches Minus im Gmünder Solebad. Corona-Maßnahmen verursachten Besucher-Absturz auf die Hälfte. 35 Thermenchefs schlagen Alarm.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 05. Februar 2021 (05:17)
Leere Parkplätze vor der Sole-Felsen-Welt
NÖN

Seit wenigen Tagen ist es amtlich: Die Maßnahmen der Bundesregierung im Kampf gegen das Coronavirus haben der Sole-Felsen-Welt in Gmünd das historisch schlechteste Jahr eingebracht. Der Thermenbesuch lag mit 218.000 Gästen sogar weit unter dem Ergebnis des ersten vollen Jahres 2007, nachdem 2019 mit 381.000 Gästen bilanziert worden war. Die Zimmerauslastung im Hotel brach von 65 auf 40,5 Prozent ein.

Dauergeschlossen: Nur im Hotel-Resti kehrt mittags etwas Leben ein

Die fünfmonatige Schließung habe sich in den Zahlen niedergeschlagen, obwohl die zweieinhalb Monate vorm ersten Lockdown stark waren und der Waldviertel-Boom im Sommer zu Rekorden im Hotel geführt hatte, blickt Geschäftsführer Bernhard Strohmeier zurück. Die Situation sei für Betrieb und Belegschaft mittlerweile belastend. Hotel & Therme stehen seit drei Monaten komplett, nur in der Restaurantküche kehrt zumindest mittags etwas Leben ein: Um die 80 Mahlzeiten werden im Schnitt pro Tag für Takeaway und Lieferservice zubereitet.

Der überwiegende Großteil der Mannschaft ist aber seit drei Monaten durchgehend zuhause. Das zermürbt, wenn das ganze Land im Lockdown ist. „Die komplette Belegschaft ist seit März 2020 mit einem einzigen Monat Ausnahme durchgehend in Kurzarbeit“, sagt Strohmeier: „Spaß ist das sicher keiner, zumal das mittlerweile stark ins Geld geht. Es trifft besonders Alleinerzieher oder Leute mit Krediten.“ Keiner der 185 Beschäftigten habe aber bis dato von sich aus in eine andere Branche – in der gearbeitet werden darf – gewechselt, freut sich der Chef.

Auch das Haus selbst zehrt schon kräftig an der aufgebauten Substanz. Hilfsgelder erfüllen, so sie kommen, eher die Funktion des Tropfens auf den heißen Stein, raunt Strohmeier. Monatelang hatte er sich bezüglich der Vorgaben im Kampf gegen das Virus in Zurückhaltung geübt, an allen möglichen Schaltern gedreht, um die Hygiene-Vorgaben mehr als zu erfüllen und den Gästen das Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.

Vorige Woche ging aber auch die Sole-Felsen-Welt in die Offensive: Sie schloss sich mit 34 weiteren Thermenbetreibern zusammen, um auf die triste Lage, schlechte Informationspolitik und Bürokratie aufmerksam zu machen. „Das Wasser steht uns bis zum Hals!“, heißt es in einem Statement dieses Zusammenschlusses, der sich als Initiative „Therme Plus“ für die kontrollierte Wiedereröffnung und mehr Transparenz einsetzt. Unterstützung reiche bei Weitem nicht zum Abdecken der Kosten und Einnahmenausfälle.