Niedergeschnitten! Recht nacktes Andenken an Komponist. Gedenkstätte für Gottfried von Einem auf Gemeindegrund in Bad Großpertholz (Bezirk Gmünd) nach Privataktion nun ohne Weide. Bürgermeister: „Klärungsbedarf.“

Von Markus Lohninger. Erstellt am 27. November 2020 (04:38)
Verwaiste Gedenkstelle für den 1996 verstorbenen Komponisten Gottfried von Einem an der B41 in Rindlberg: Die rechts daneben gesetzte Trauerweide wurde mitsamt der Wurzel abgetragen.
M. Lohninger

Das Waldviertel ist seit wenigen Tagen um eine jener Provinz-Possen reicher, für die ebenjene Provinz von außerhalb gerne mitleidig belächelt wird: Eine Trauerweide in Rindlberg als Teil einer Gedenkstätte für den großen internationalen Komponisten Gottfried von Einem, der jahrzehntelang im Süden des Bezirkes Gmünd gelebt hatte, ist auf dubiose Weise verschwunden.

Gedenktafel neben einer Trauerweide

Gottfried von Einem erzielte vor allem für Opernwerke nach Literaturklassikern hohe Anerkennung und wird dafür noch 24 Jahre nach seinem Tod von einer großen Anhängerschar geschätzt.

Gemeinsam mit seiner Gattin Lotte Ingrisch hatte er im Jahr 1966 das Wohnen am Land der Wiener Stadtwohnung vorgezogen und im Dorf Rindlberg (Marktgemeinde Bad Großpertholz) ein Haus erworben. Über viele Jahre hinweg war es ein Lebensmittelpunkt, er verewigte es im 1979 in Münster uraufgeführten „Rindlberger Marsch“.

Nach seinem Ableben wurde von Einem in Wien begraben. In Rindlberg wurde ihm am Ende der lang gezogenen Kurve der Bundesstraße B41 – auf halber Strecke zwischen Gmünd und Freistadt – unterhalb des Dorfes mit einer Gedenktafel neben einer Trauerweide gedacht.

Weide einfach niedergeschnitten: Und nun?

in Privater habe die wuchernde Weide vorige Woche einfach niedergeschnitten, klagt eine Dorfbewohnerin gegenüber der NÖN, diese sei bis auf die Wurzel abgetragen worden. Die Weide stand allerdings auf Gemeindegrund, der Anrainer hätte sich an ihr ohne Einverständnis der Gemeinde gar nicht austoben dürfen.

Bürgermeister Hermann Hahn jun. (Pertholz Aktiv) bestätigt das auf Nachfrage – und muss einräumen, dass das noch nicht alles ist: Der Anrainer habe vorbeikommende Mitarbeiter des örtlichen Bauhofes davon überzeugen können, den verbliebenen Wurzelstock auszugraben. „Das war natürlich ein Blödsinn, der wohl gut gemeint war, aber nicht hätte passieren dürfen“, ist Hahn zerknirscht.

Ersatz erst im kommenden Jahr

Aktuell ändern kann er an der Situation nichts: Eine neue Weide soll gesetzt werden, das macht auf gut 900 Metern Seehöhe aber um diese Jahreszeit keinen Sinn mehr und soll daher erst im Frühjahr 2021 erfolgen.

Die Zeit bis dahin wird sinnvoll genutzt werden können. Hahn: „Es gibt natürlich Klärungsbedarf… auch hinsichtlich der Frage, wer für die Kosten aufkommen soll.“