Krisen-Angebot: Covid-19 im Waldviertel durchtauchen. Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – das Hoteldorf Königsleitn in Litschau (Bezirk Gmünd) schied mit einer solchen Maßnahme die Geister: Bis zum Ende der Covid-19-Maßnahmen wollte es Wohnungen vorübergehend für die „Stadtflucht während der Ausgangsbeschränkungen“ vermieten. Die Aktion wurde nach Protesten mittlerweile gestoppt, dahingehende Unterlagen im Internet wurden gelöscht.

Von Markus Lohninger. Update am 04. April 2020 (15:45)
Hoteldorf Königsleitn
Hoteldorf Königsleitn

Der Schritt erfolge nicht, weil die vorübergehende Vermietung der Wohnungen verboten sei, sondern auf mehrere Bitten aus der Bevölkerung und auch der Behörde hin, betont Betreiber Zeno Stanek. Seiner Auffassung nach stand das Angebot im Einklang mit den geltenden Verordnungen: „Ich habe es aber des Friedens willen zurückgenommen, möchte keinen Streit vom Zaun brechen oder einen Keil in die Gesellschaft treiben.“ Es habe auch viele positive Reaktionen gegeben, zugleich habe er Verständnis für die Angst in Teilen der Bevölkerung.

In dieser für alle schwierigen Situation bitte er aber um einen Zusammenhalt und ein Bekenntnis zu den regionalen Wirtschaftsbetrieben, sagt Zeno Stanek, „es braucht Lösungen auf die Frage, wie vor allem der touristische und der gastronomische Bereich nach der Coronakrise wieder auf die Beine kommen soll“.

NÖN.at hatte berichtet:

Lob, aber auch massive Kritik. Das Angebot startete unter dem Motto „Raus aus der Stadt, Leben am Land“ am 3. April, dem Tag vor Inkrafttreten des bundesweiten Betretungsverbotes für Beherbergungsbetriebe „zum Zweck der Erholung und Freizeitgestaltung“. Online entbrannten rasch hitzige Diskussionen. Der Betreiber erhielt etliche positive Reaktionen, wurde aber unter dem Tenor, man missachte das Betretungsverbot, bringe das Virus nach Litschau und gefährde die örtliche Bevölkerung, insgesamt auch mit scharfer Kritik überschüttet. 

Betreiber Stanek: „Ganz normaler Wohnungsvermieter“. Auch die NÖN wurde mehrfach aufgerufen, in der Sache nachzuhaken. Die fragte bei Betreiber Zeno Stanek nach. - Aus seiner Sicht widerspricht die Aktion weder den gesetzlichen Bestimmungen, noch schade sie irgendjemandem in Litschau: „Das Hoteldorf mit allen Serviceeinrichtungen ist selbstverständlich geschlossen, wir sind kein Hotel. Wir bieten lediglich einzelne Wohnungen zur Vermietung an potenzielle Haupt- oder Nebenwohnsitzer an, die dann auch für eine längere Zeit - nicht nur mal übers Wochenende - hier leben können und wollen. Das tun wir nicht als Beherbergungsbetrieb, sondern als ganz normaler Wohnungsvermieter.“

Kein Massenandrang erwartet. Die Aktion sei ein Angebot an Menschen, die es in beengten Stadtwohnungen nicht mehr aushalten, die sich aber in Litschau genauso wie an jedem anderen Ort an die gesetzlichen Vorgaben zur Verhinderung der Coronavirus-Verbreitung zu halten hätten. Die Massen an neuen Mietern seien zudem nicht zu erwarten, betont Zeno Stanek: „Es geht um insgesamt vielleicht zehn bis zwanzig Menschen in einzelnen, völlig autarken Wohnungen.“ 

Daher kann er auch Vorwürfe der Geschäftemacherei nicht nachvollziehen – er erwartet bei weitem nicht jene Einnahmen, die er zum Decken der Fixkosten bräuchte.