Verdächtiger in Vermisstenfall Anita K. verübte Selbstmord. Überraschende Wende im Fall der vermissten Anita K. aus dem Waldviertel: Jener 54-Jährige, der ein Nahverhältnis zu der verschwundenen 23-Jährigen gehabt haben soll und verdächtigt wurde, mit ihrem Verschwinden in Zusammenhang zu stehen, hat in der Nacht auf Dienstag in der Untersuchungshaft in Krems Selbstmord verübt.

Erstellt am 07. Dezember 2010 (11:15)
NOEN
Seit Ende Oktober wird Anita K. aus dem Waldviertel vermisst. Dass sie noch lebend auftaucht, glaubt bei der Polizei aber niemand mehr: Im Landeskriminalamt geht man davon aus, dass die junge Frau von dem 54-Jährigen, mit dem sie seit ihrer Kindheit in Eggern (Bezirk Gmünd) zusammengelebt hatte, umgebracht und ihre Leiche in der Slowakei verbrannt worden ist. Der Mann, der sich seit über zwei Wochen in Krems in Untersuchungshaft befand, hat sich in der Nacht auf Dienstag in seiner Zelle erhängt. Ein diesbezüglicher Bericht der Tageszeitung "Österreich" wurde bestätigt.

Nach Angaben von Oberst Franz Polzer, Leiter des Landeskriminalamtes, waren die 23-Jährige und ihre Schwester schon als Kinder von dem 54-Jährigen missbraucht worden. Später sei dies dann "zur Gewohnheit geworden" und in eine Art Dreiecksbeziehung übergegangen. Dass die junge Frau sich schließlich neu verliebte und zu ihrem Partner zog, dürfte der 54-Jährige laut Polizei "nicht verwunden" haben. Bei einem letzten Treffen mit ihm sollte noch Finanzielles geklärt werden. Von diesem meldete sich Anita K. aber nicht und kehrte auch nicht zurück, worauf ihr Freund - wie zuvor vereinbart - die Polizei einschaltete.

Vermutet wird, dass der Mann die junge Frau getötet und ihre Leiche noch am 29. Oktober - einen Tag nach ihrem Verschwinden - in der Südslowakei verbrannt hat. Dort habe er sich jedenfalls mehrere Tage aufgehalten und sei "bei einem Brandgeschehen" beobachtet worden. Sogar eine Kontrolle der örtlichen Polizei habe es gegeben, dabei wurden im Auto des 54-Jährigen zwei leere Benzinkanister, Werkzeug sowie ein Teppich entdeckt. An der Brandstelle fanden die Ermittler eine ausgebrannte, mit Löchern präparierte Mülltonne. Eine Reihe von Spuren müsse noch ausgewertet werden, die Leiche der 23-Jährigen habe man bisher nicht entdeckt, berichtete der LKA-Chef. Die Suche soll aber noch fortgesetzt werden.

Verdächtigt wurden von Anfang an der 54-Jährige sowie die Schwester des mutmaßlichen Mordopfers. Das resultierte einerseits aus den Aussagen des Freundes, andererseits aus divergierenden Angaben der beiden. Sie wurden am 19. November wegen des Verdachts des Mordes und der Freiheitsentziehung in Untersuchungshaft genommen.

Zu den Vorwürfen hatte der 54-Jährige bei den Einvernahmen aber stets geschwiegen. Nach der Verlängerung der U-Haft am Montag wurden die beiden Verdächtigen erneut befragt, wobei die Frau ihre ursprünglichen Angaben korrigierte: Demnach habe sie doch nicht gesehen, wie Anita K. das Haus nach dem Treffen wieder verließ. Der Tatverdacht gegen sie wurde fallen, die Frau frei gelassen. Der 54-Jährige verübte daraufhin Selbstmord.