Bezirk Gmünd: Geteilte Meinungen über offene Schulen im Lockdown

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 06:41
Lesezeit: 5 Min
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Das ist anders zum Lockdown im Herbst 2021: Kinder und Jugendliche dürfen zur Schule gehen. Die Eltern entscheiden.
Foto: Halfpoint, Shutterstock.com
Zwischen Fernlehre und Präsenzunterricht: Das sagen Eltern, Schüler und Direktoren.
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Als vor knapp zwei Wochen der Lockdown verkündet wurde, erinnerte das an den Herbst des Vorjahres. Eines ist allerdings anders: Während vor einem Jahr auch die Schulen in Fernlehre geschickt wurden, ist die Vorgabe heuer eigentlich keine wirkliche Vorgabe – Eltern sollen entscheiden, ob Kinder in die Schule kommen, oder nicht. Die NÖN fragte nach den ersten eineinhalb Wochen bei Eltern, Schülern und Schulleitern nach, wie es klappt.

Keine Pflegefreistellung für Kinder in Quarantäne

Der Lockdown habe nichts verändert, die Kinder gehen in den normalen Präsenzunterricht, sagt Siegfried Riedl, Elternvereins-Obmann der Volks- und Mittelschule Litschau. Das sei gut so: „Wenn wieder Fernlehre gekommen wäre, hätten wir unsere Kinder trotzdem in die Schule schicken müssen, weil es von der Arbeit her nicht anders möglich gewesen wäre.“ Eltern mangle es eben oft an Betreuungsmöglichkeiten.

Tobias Spazierer, Elternvereins-Obmann der VS Schrems, spricht ein anderes Thema an: Wenn ein Kind „nur“ in Quarantäne ist, ohne infiziert zu sein, könne das Eltern vor Herausforderungen stellen: „Sie bekommen dann keine Pflegefreistellung, weil das Kind ja nicht krank – und somit auch nicht pflegebedürftig – ist.“ Ein „Durcheinander“ und eine „angespannte Situation“ ortet Thomas Miksch, Obmann des Elternvereins der VS Gmünd: „So extrem wie jetzt war es überhaupt noch nie.“ Es gebe viele Anfragen von Eltern, kritisiert er zudem fehlende Informationsweitergabe innerhalb der Schulhierarchie. „Als Elternteil möchte ich nicht zu viel Druck auf Lehrer machen, denn sie wissen oft auch nicht mehr als wir“, sagt er. Dass die Schulen nicht wieder ganz geschlossen wurden, begrüßt auch Miksch: „Ich denke, dass viele Eltern den Schulbetrieb brauchen.“

Karin Kreindl, Elternvereins-Obfrau der Mittelschule Weitra, berichtet indes von sehr positiven Erfahrungen: Die Schule biete sowohl Präsenz- als auch Online-Unterricht an, beides funktioniere bestens. „Die Kinder versäumen nichts, wenn sie von zuhause aus mitmachen. Deshalb kommt von vielen Eltern die Rückmeldung, dass sie die Kinder selbst entscheiden lassen“, erklärt sie. Schlechtes Gewissen habe sie als Elternteil nicht, wenn ihr Sohn digital am Unterricht teilnimmt. Denn: „Kinder werden zugeschaltet und wissen, dass sie unterrichtet werden. Die Lehrer fragen auch aktiv nach, ob die Kinder wirklich da sind.“

Was sagen die Schülervertreter?

Aus der Bundesschülervertretung wurden Forderungen für eine Umstellung auf Fernlehre laut. Gym-Schulsprecher Julian Pigall versteht das für Regionen mit besonders hohen Infektionszahlen an Schulen. Aber: „Nachdem wir wirklich gute Zahlen haben, brauchen wir keine Bedenken zu haben.“ Gerade für die Abschlussklassen sei es wichtig, dass der Präsenzunterricht aufrecht bleibt.

Es gebe Schüler, die sich zuhause einfach sicherer fühlen, sagt indes Schulzentrum-Sprecherin Leonie-Sophie-Marie Wally: „Trotzdem ist es wichtig, dass diese nicht ausgeschlossen werden, ihre Lernpakete und Aufgaben rechtzeitig bekommen.“ Seitens der Lehrer komme große Unterstützung – auch wenn es darum geht, untereinander in Kontakt zu bleiben. Dass die Situation auch für Lehrer nicht einfach ist, gibt Kiara Jesenberger, zweite SZ-Schulsprecherin, zu bedenken: „Für die Lehrer ist es teilweise unübersichtlich, wer wann zuhause bleibt und wer wann in der Schule ist.“ Ihre Klasse habe sich geschlossen auf eine Lösung einigen können. Nur: „Damit sind wir wahrscheinlich eine Ausnahme, andere Klassen können sich nicht einigen.“

Pädagogen: Bewertung der Regelung nicht einfach

Dass es keine genaue Vorgabe für den Unterricht gibt, sieht Schulzentrum-Direktorin Cordula Krammer als völlig neue Situation: „Wir waren alle etwas verunsichert und sind es nicht gewohnt, dass es so viele Freiheiten gibt.“ Es gebe Klassen, die ganz zuhause bleiben und andere, in denen es aufgeteilt ist. „Aus der Sicht einer Pädagogin bin ich froh, dass die Schulen nicht zugesperrt haben. Epidemiologisch kann ich es nicht beurteilen. Auch wir Lehrer sind hin- und hergerissen, wie die Eltern und Schüler“, sagt sie. Tschechische Schüler können mit der Pendlerregelung regulär am Unterricht teilnehmen und machen laut Krammer auch alle Covid-Tests mit.

Als „zweischneidig“ bezeichnet auch Gym-Direktor Ronald Binder die Lage: „Auf der einen Seite steht, dass Distance Learning aus psychosozialen Gründen schlecht war. Die andere Seite ist aber die, dass die Pandemie-Situation angespannt ist.“ Der Großteil der Schüler sei an der Schule – und er habe den Eindruck, dass sie gerne da sind. „In den Pausen können sie miteinander reden, haben außerdem Struktur in ihrem Alltag“, betont er: „Wir versuchen, einen möglichst normalen Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten und vorbereitete Schularbeiten abzuhalten.“

Schule leistet in dieser Zeit viel – auch Administrationsarbeit rund um die Testungen. Vieles habe man in „normalen“ Zeiten nicht gesehen, meint Binder: „Alleine, dass die Schüler hier sitzen und etwas gemeinsam erarbeiten können, wurde lange unterschätzt.“

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