Quarantäne: Einzige Covid-Impfpraxis im Bezirk Gmünd zu. Gerade zum Start der CoV-Impfungen für Menschen über 80 fiel am Montag die einzige Impfpraxis im Bezirk aus. Infektionszahlen steigen wieder.

Von Markus Lohninger und Karin Pollak. Erstellt am 17. Februar 2021 (05:33)
Just die Ordination des ersten Impfarztes für die Bevölkerung im Bezirk war zum Impfstart zu.
privat

Ein Unglück kommt selten allein, heißt es. So geschah es nach der total verkorksten Online-Anmeldung zu Covid-Impfungen für über 80-Jährige zum Wochenbeginn im Gmünder Bezirk: Der einzige über Notruf NÖ für diese Woche eingesetzte Impfarzt im Bezirk fiel selbst covid-bedingt aus.

60 Registrierte neu zugeteilt

Am 10. Februar, als der missglückte Anmeldetag vor allem auch in den Gemeindeämtern – wo vielfach Anmeldungen für Impfwillige ohne Internet abgewickelt werden – für Wirbel gesorgt hatte, hatte die Ordination von Praktiker Josef Ziegler aus der Marktgemeinde Brand-Nagelberg Ruhetag. Zu seinem Glück: Er war als einziger Impfarzt im Bezirk geführt, obwohl andere genauso mitmachen – sein Team hätte sich am 10. Februar kaum der Masse an Anrufen von Menschen erwehren können, die einen Termin bekommen zu haben glaubten, dann aber leer ausgingen.

Am 15. Februar hätte Ziegler die ersten Nadelstiche im Zuge der Impfaktion setzen sollen, 60 Personen der Altersgruppe Ü80 waren für ihn registriert. Just am Montag wurde die Ordination in Brand aber wegen einer Covid-Quarantäne bis 22. Februar geschlossen. „Wir mussten kurzfristig umdisponieren“, sagt Bezirksärztevertreter Christoph Preißl, der mit raschem Umorganisieren seit Wochen beschäftigt ist. Preißl: „Vier Ärzte springen kurzfristig ein und stehen nun für die ersten Impfungen der Über-80-Jährigen, die einen Termin in dieser Woche bei Doktor Ziegler zum Impfen hätten, zur Verfügung.“ Betroffene werden demnach zeitgerecht über die neue Impfstelle informiert.

Ärger über große Wegstrecken löst sich teils

Dadurch wird zugleich einer der Hauptkritikpunkte am ersten Anmeldetag abgeschwächt: Weite Wegstrecken, zugemutet durch geringe Wahlmöglichkeiten, konnten laut Preißl nun teils reduziert werden. Die Über-80-Jährigen seien mit Berücksichtigung ihres Wohnortes auf die vier Ärzte aufgeteilt worden, sagt er.

Ärztevertreter Christoph Preißl hat einen hektischen Wochenbeginn hinter sich.
Harald Winkler

Die Zuteilung innerhalb der Bezirke schlug nach der ersten Anmelderunde auch Arbeiterkammer-Bezirksstellenleiter Michael Preissl vor, der genauso Beschwerden zum Anmeldesystem bekommen hatte. Betagten Bürgern seien „sinnlos weite, mit dem öffentlichen Verkehr kaum für fixe Termine bewältigbare Anfahrtswege“ aufgebürdet worden, wenn sie überhaupt einen Termin bekommen hatten. Auch Bezirkshauptmann Grusch hatte gegenüber der NÖN angekündigt, sich dafür einsetzen zu wollen, dass Menschen aus der Region auch direkt in der Region geimpft werden können.

Zweiter Anlauf mit mehr als 500 Impfterminen

Bereits am 17. Februar werden wieder Impftermine für diese Altersgruppe von Notruf Niederösterreich zum Buchen freigeschalten. „Diesmal sind es 30.000 Termine, damit dürfte doch der Großteil der impfwilligen Senioren einen Termin erhalten“, meint Ärztesprecher Preißl. Für den Bezirk Gmünd seien an dem Tag mehr als 500 Impftermine zu haben.

Welche Ordinationen im Bezirk ausgewählt wurden, welche Impfstoffe und wie viel davon sie bekommen, das wisse er nicht, hatte Ärztesprecher Preißl – zugleich einer von zwei Epidemieärzten im Bezirk – in der Vorwoche beteuert. Er selbst wurde mit seiner Praxis in Kirchberg erst für den 1. März als Impfstelle ausgewählt, er soll AstraZeneca erhalten. „Mir wäre es natürlich lieber, wenn ich meine eigenen Patienten impfen könnte, die ich kenne. Das würde natürlich jeder Arzt gerne machen“, sagt Christoph Preißl.

Infektionen: Nach erstem „Nullertag“ geht es wieder nach oben

Hinsichtlich Infektionen lief die Vorwoche noch sehr erfreulich – der 9. Februar war der erste Tag seit Monaten ohne Neuinfektion gewesen, die „10-Tage-Inzidenz“ im Lauf der Woche bei 37 aktuell Infizierten auf 106 gesunken. Gmünd war damit hinter Lilienfeld (54) zweitbester Bezirk in Niederösterreich, deutlich vor Waidhofen (167), Zwettl (214) oder Horn (203).

Zum Wochenende hin zog das Infektionsgeschehen wieder an: Alleine am Sonntag wurden acht Neuinfektionen registriert, am Montag neun, und am 16. Februar hatte Bezirkshauptmann Grusch schon am frühen Vormittag vier Fälle am Tisch. Von Partys ist ihm nichts bekannt, „viele Infektionen geschehen immer noch beruflich und werden dann in Familien getragen, wo sie sich ausbreiten“.

Test-Angebot wächst weiter, auch Großpertholz mit dabei

Hoch bleibt der Zulauf zu kostenlosen Tests. Am 9. Februar verzeichnete das Palmenhaus Gmünd den Rekord von fast 900 Getesteten. Am Freitag und Samstag wurden im Bezirk insgesamt über 2.000 Tests vorgenommen, nur einer davon war positiv. Am 15. Februar schlugen zwei von 1.140 Antigen-Tests auf Covid-19 an.

Die Möglichkeiten wachsen sukzessive. Vier Apotheken bieten kostenlose Tests nach telefonischer Voranmeldung, in Litschau wurden die Zeiten an der Teststraße erweitert. In Schrems, wo die Tests aus Platzgründen in die Stadthalle verlegt wurden, wurden die Zeiten hinten gekürzt – und dafür mit dem Mittwochvormittag (9-11 Uhr) eine neue Option geschaffen. Zugleich steigt die Firma Elk ab 1. März mit zwei Terminen die Woche ins offizielle Testprogramm des Landes ein (siehe Seite 20).

Ebenfalls neu dabei ist ab 24. Februar die Marktgemeinde Bad Großpertholz als neunte Kommune: Der Wunsch aus der Bevölkerung sei da, sagt Bürgermeister Hermann Hahn jun. (Pertholz Aktiv). Dazu wird die für das Kurhaus betriebene Teststraße mit Zugang über die Arztpraxis künftig mittwochs zwischen 7 und 9 Uhr auch für die Öffentlichkeit zugänglich.

Gratis-Test beim Arzt?

Nur für Menschen mit Symptomen. Ärztesprecher Preißl ist indes wenig glücklich darüber, dass niedergelassene Ärzte – anders als Apotheken – für ihre Patienten nicht an der Gratistest-Aktion mitmachen dürfen. „Gratistests in den Ordinationen gibt es nur für Patienten mit Symptomen“, sagt er. Aber: „Krise ist Krise, sonst wäre sie ja keine.“