Von Post zu Postpartnern: Wehmut und Neustart. Nachdem am 30. Juni das Postamt in Weitra nach 176 Jahren endgültig geschlossen worden war, wurden am 3. Juli im Beisein von zahlreichen Ehrengästen die beiden neuen Postpartner „Walala“ am Rathausplatz und der Sparmarkt des Raiffeisenlagerhauses Weitra eröffnet.

Von Karin Pollak. Erstellt am 03. Juli 2020 (15:31)

 Nicht nur Freude war dabei angesagt, von VP-Bürgermeister Patrick Layr gab es auch Kritik.
Der Bürgermeister war am letzten Öffnungstag im Weitraer Postamt gewesen und hatte dabei gemeinsam mit einigen Gemeindevertretern, Gewerbetreibenden und langjährigen Kunden dem langjährigen Postamtsleiter Herbert Göll für sein Engagement gedankt.

Alt-Vizebürgermeister Ernest Zederbauer hielt die „Trauerrede“ und zeigte mit einigen Anekdoten die tiefe Verankerung der Post in der Weitraer Bevölkerung. Herbert Göll fiel nach 18-jähriger Leitung des Postamtes der Abschied nicht leicht. Der 59-Jährige sieht nun seiner Pensionierung entgegen: „Die Freude darüber hält sich in Grenzen“, meinte der mit einer gewissen Wehmut.

„Anfangs negative, zuletzt sehr sachliche Diskussion“

Diese Wehmut brachte Bürgermeister Patrick Layr bei der Eröffnung der beiden neuen Postpartner vier Tage nach der Postamtsschließung zum Ausdruck. „Der heutige Tag ist nicht nur erfreulich. Noch im Jänner haben wir mit einer Pedition und einer Unterschriftenaktion gegen die Postamtsschließung gekämpft. Aber gegen einen so großen Konzern kann eine kleine Stadt nichts ausrichten.

Wir haben aber trotzdem eine tolle, lebendige Altstadt, auch wenn aus ehemaligen Geschäften Galerien entstehen“, betonte der Bürgermeister, der die beiden engagierten Weitraer Betriebe lobte, die nun mit der Post zusammenarbeiten werden. „Ich bedanke mich bei Christian Adam und Alois Wühl von der Post für die anfangs negative und zuletzt sehr sachliche Diskussion. Es ist eine gute Lösung entstanden.“

Plus für Bevölkerung: Postpartner täglich geöffnet

Christian Adam, Leitung Postpartner Management, bestätigte die anstrengenden und ehrlichen Gespräche. „Aber jetzt gibt es eine gute Lösung für die Konsumenten. Die Postpartner haben sieben Tage in der Woche offen.“

Für den Raiffeisenlagerhaus-Geschäftsführer Herbert Fürst ist die Postpartnerschaft ein zusätzliches Angebot für die Kunden: „Wir sind ein Komplettanbieter und haben vor fünf Jahren mit fünf Mitarbeitern im Markt begonnen, heute haben wir 32. Wir sehen eine sehr gute Entwicklung und wollen weiter wachsen. Das haben wir auch an anderen Standorten vor.“

Nach dieser Eröffnung des Postpartners mit der Postleitzahl 3970 marschierten die Ehrengäste, darunter Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf, die Abgeordneten Martina Diesner-Wais und Lukas Brandweiner, Post-Vorstandsdirektor Peter Umundum, Bezirkshauptmann Stefan Grusch, Pater Markus und Kasernenkommandant Reinhard Bachner zum „Walala“ am Stadtplatz. Dieser Postpartner hat die Postleitzahl 3974.

Pernkopf: „Da-Lebens-Vorsorge“

Post-Vorstandsdirektor Umundum ließ die Herausforderungen der letzten Monate Revue passieren und freute sich, dass zu den mittlerweile 1.350 Postpartner wieder zwei „neue engagierte“ dazugekommen sind. „Trotz der kritischen Worte des Bürgermeisters blicken wir positiv in die Zukunft“, meinte Umundum.

Landeshauptfrau-Stellvertreter Pernkopf stellte in seiner Rede klar, dass es vor allem um den Zusammenhalt gehe: „Nur wenn eine Region zusammenhält, dann funktioniert es. Das macht Niederösterreich aus.“ Genau das hätte auch die Coronakrise gezeigt. „Das Gesundheitssystem funktioniert, und bei der Sicherheit braucht es die Kasernenstandorte. Denn mir sind Bilder von Soldaten, die Pakete schlichten lieber, als von Soldaten, die wie in Italien Särge raustragen müssen.“

Pernkopf zeigte auch die Wichtigkeit der „Da-Lebens-Vorsorge“ auf: „Die gibt es nur, wenn es eine entsprechende Infrastruktur für jung und alt gibt und dazu gehört auch die Post.“

Die beiden Eröffnungsfeiern waren perfekt organisiert – von der Registrierung der teilnehmenden Gäste bis hin zur musikalischen Umrahmung der Post- und Telekom-Kapelle unter der Leitung von Kapellmeister Christian Schranz, die eigens aus Wien angereist war.