Vor Wahlsonntag: Spannung in den größeren Städten. Am 26. Jänner werden in allen 21 Gemeinden des Bezirkes Gmünd die neuen Gemeinderäte gewählt. Dazu sind 38.250 Personen in 116 Sprengeln wahlberechtigt, nachdem es noch 2015 insgesamt 40.419 waren. Spannend wird es vor allem in den größeren Städten.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 24. Januar 2020 (14:42)
Bürgermeisterkandidaten in den Stadtgemeinden (v.l.): Helga Rosenmayer (Gmünd), Karl Harrer (Schrems), Gerhard Kirchmaier (Heidenreichstein), Rainer Hirschmann (Litschau), Patrick Layr (Weitra)
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In der Bezirkshauptstadt Gmünd scheint aus derzeitiger Sicht alles offen zu sein: Die SPÖ verlor 2015 ein Mandat, damit die absolute Mandatsmehrheit im Gemeinderat und in der Folge auch das Bürgermeisteramt an die damals neu gebildete ÖVP/AfG/FPÖ-Koalition. Holen sich die Sozialdemokraten um Thomas Miksch das Mandat zurück, dann haben sie auch die "Absolute" wieder und holen sich den Platz im Bürgermeistersessel zurück. Andererseits hat die ÖVP schon 2015 ein Mandat zulegen können - kann sie nun mit dem Bürgermeister-Bonus von Helga Rosenmayer gar zwei Mandate zulegen, dann hat sie selber die absolute Mehrheit und könnte sogar ohne Partner regieren. Aktueller Mandatsstand: SPÖ 14, ÖVP 13, FPÖ 1, AfG/Liste Hauer 1.

In der einwohnerstärksten Stadtgemeinde Schrems ist die Ausgangslage auf den ersten Blick eindeutiger: Die "Absolute" der SPÖ um Stadtchef Karl Harrer ist hier durch insgesamt 16 von 29 Mandaten mit zwei Mandaten abgesichert, wenngleich Harrer 2015 drei Mandate einbüßen hatte müssen. Zuletzt war auch seine Gemeinderätin Viktoria Prinz im Streit gegangen, sie tritt nun mit ihrer eigenen "Liste Prinz" an und will die absolute Mehrheit der Sozialdemokraten brechen. Zudem geht für die ÖVP (derzeit neun Mandate) erstmals Stadtrat David Süß als Nummer eins ins Rennen – ebenfalls mit dem Ziel, die „Absolute“ der SPÖ zu brechen. 

Die FPÖ um Bezirksparteichef Walter Hoffmann will ihre derzeit zwei Mandate zumindest verteidigen, die von Ferry Kammerer angeführten Grünen wollen ihr aktuelles Mandat verdoppeln. Nicht mehr mit eigener Liste ist der für wenige Tage noch einzige BZÖ-Gemeinderat Niederösterreichs am Start: Wolfgang Zibusch - einst FPÖ-Bezirksparteiobmann - tritt auf einem hinteren Platz der ÖVP-Kandidatenliste an. 

In der Stadtgemeinde Heidenreichstein starten die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP mit jeweils unveränderter Spitze in die Wahl. Die Sozialdemokraten um Bürgermeister Gerhard Kirchmaier hatten die absolute Mehrheit 2015 trotz Stimmengewinns knapp verpasst und stellen derzeit zwölf der 25 Mandatare. Vizebürgermeisterin Margit Weikartschläger hat vor fünf Jahren fünf Prozentpunkte und ein Mandat verloren (nun neun Mandate), gab aber am "Runden Tisch" der NÖN die Devise aus, erste Bürgermeisterin der Stadt werden zu wollen. Ebenfalls dabei: Die Grüne Liste (2) um Manuela Schuster und die FPÖ (2). Letztere tritt einmal mehr mit komplett veränderter Mannschaft und Mario Groschan als neuem Spitzenkandidaten an - die 2015 gewählten Freiheitlichen hatten die Partei Ende 2017 im Streit verlassen, sind seither nur noch als "wilde Mandatare" im Gemeinderat.

In der Stadtgemeinde Litschau wird der Wahl wie berichtet mit überdurchschnittlicher Spannung entgegengefiebert – die dortige Bürgerliste BBL hat wegen der Entscheidung um das Wahlrecht von insgesamt 75 Zweitwohnsitzern den Verfassungsgerichtshof eingeschaltet, rechnet mit einer Annullierung des Ergebnisses. Der VfGH kann dazu auf NÖN-Nachfrage keine Beurteilung abgeben, Sprecherin Cornelia Mayrbäurl: Aktuell laufe ein Vorverfahren, für das Landesverwaltungsgericht und Gemeindewahlbehörde um Stellungnahmen gebeten wurden. Jedes Mitglied der Gemeindewahlbehörde könne, so ÖVP-Bürgermeister Rainer Hirschmann, bei einer gemeinsamen Sitzung am Freitag dazu Stellung beziehen.
Aktuelle Mandate: ÖVP 14, SPÖ 5, BBL 2.

Zwei Bürgermeister-Wechsel fix

Mit Patrick Layr (Weitra) und Franz Kuben (Haugschlag) treten in zwei Gemeinden mit aktuell haushoher VP-Mehrheit zwei neue Bürgermeister-Kandidaten der ÖVP an. In Reingers und Harbach tritt nur die Volkspartei an, bezirksweit stellt sie mit insgesamt 763 Kandidaten eine klare Mehrheit.

Letztes Wahllokal schließt um 14 Uhr

Für die Stimmabgabe stehen 116 Wahlsprengeln im Bezirk zur Verfügung. Das erste Wahllokal am kommenden Sonntag öffnet um 7 Uhr (Gasthaus Ertl in Großschönau). Die letzten Wahllokale – jene in allen neun Sprengeln der Stadtgemeinde Gmünd sowie die Sprengel Stadtamt und Mittelschule in Litschau – schließen um 14 Uhr.