Eislaufen in Gmünd wird Thema. Schrems hat Kunsteis, Ceské Velenice neuerdings Synthetik-Eis, Gmünd nichts. Stadtchefin will Alternative prüfen.

Von Markus Lohninger, Werner Grubeck und Alexandra Popel. Erstellt am 28. Februar 2018 (05:00)
Werner Grubeck
In České Velenice kann man auf Kunststoff-Eis eislaufen, Jugendlichen taugt das.  

Am Ende eines warmen Winters wurde es noch einmal so richtig kalt, die Beschaffenheit des Eises auf den Teichen verhindert aber auch an den letzten Tagen vor dem Frühling ein Eislaufen in der Bezirkshauptstadt: Trotz häufiger Wünsche aus der Bevölkerung fehlt in Gmünd die Möglichkeit für den Kufenzauber.

Eislaufen auf Kunststoff in České Velenice

Eine im Vorjahr kurzerhand geschaffene Bahn am Aßangteich floppte auch wegen der ruppigen Oberfläche, heuer reichte das Eis ohnehin nicht. Wer eislaufen will, der muss nach Schrems ausweichen – oder neuerdings über die Grenze nach České Velenice.

Dort locken seit wenigen Tagen nicht nur Billigshops, Kosmetiksalons, Spielhöllen & Co ein internationales Publikum an, sondern nahe des Sportplatzes auch ein kostenlos benützbarer Eislaufplatz. Dessen Besonderheit: Die Oberfläche muss nicht energie- und kostenintensiv geeist werden, sondern besteht aus hochwertigem Kunststoff, der Eis imitiert. Die Stadtregierung hat das Teil im Vorfeld der Gemeinderatswahlen für mehr als 70.000 Euro inklusive Aufbau und Banden angeschafft.

In traditionell eher eis- und schneesicheren Regionen wird dem wetterfesten Kunststoff-Eis teils noch mit Skepsis begegnet. Mehrere Angebote wurden in den vergangenen Jahren durch Gemeinden geschaffen und verschwanden mangels Nachfrage wieder, in der Schweizer Großstadt Basel wird nach einem ersten Testjahr mit Kunststoff-Eis direkt am Marktplatz evaluiert.
Plastik-Eis: Trend in USA, gewöhnungsbedürftig…

„Ich glaube, dass sie die Stadt beleben und den Leuten gefallen würde. Echtes Kunsteis wäre aber kosten- und personalintensiv.“Bürgermeisterin Helga Rosenmayer

International ist das ressourcenschonende Plastik-Eis aber am Vormarsch, in der Eishockey- Nation USA kommt es zunehmend für Trainings der NHL-Profis zum Einsatz. Aus dem Hockeybereich kommt auch ein Anbieter in Österreich, der selbstschmierendes und pflegeleichtes Kunststoff-Eis der Schweizer Firma „Glice“ vertreibt. 160 Euro kostet davon der Quadratmeter bei „Hockey4you“, eine 10 x 20 m große Fläche wie in České Velenice beläuft sich damit auf 32.000 Euro, 15 x 25 m kosten maximal 60.000 Euro. Glice verkauft nach eigenen Angaben in mehr als 80 Nationen inklusive Marokko, Chile und Singapur, die Lebenserwartung von Kunsteis könne bis zu 30 Jahre erreichen.

„Die Kosten würden mich nicht schrecken, die Anlage müsste ja nicht groß sein“, sagt Gmünds Bürgermeisterin Helga Rosenmayer: „Ich glaube, dass sie die Stadt beleben und den Leuten gefallen würde. Echtes Kunsteis wäre aber kosten- und personalintensiv.“ In Zwettl kostet der Betrieb, wie es auf NÖN-Nachfrage heißt, im Jahr über 50.000 Euro, die Kühlanlage war gebraucht um einen sechsstelligen Betrag angeschafft worden.

Fußgängerzone als Standort?

Als Örtlichkeit würde sich in Gmünd die Fußgängerzone in der Altstadt anbieten, die vor repräsentativer Kulisse den nötigen Platz hat und im Winter ohnehin ein eher fahles Dasein fristet. Rosenmayer würde aber auch andere Standorte in Alt- und Neustadt inspizieren. Zunächst gelte es aber sowieso, sich grundsätzlich mit dem Thema zu beschäftigen und das synthetische Eis zu testen.
Die NÖN hat das in České Velenice bereits getan. Der Eindruck zumindest bei bitterkalter Witterung: gewöhnungsbedürftig. Für Kinder und Jugendliche scheint der Untergrund zu passen, ältere Eislauf-Semester empfinden das Fahrverhalten beim ersten Test stumpfer als auf Natureis – es fällt schwerer, gleichmäßige Bewegungen zu machen.

Falls sich Gmünd also für nächsten Winter auf künstliches Eis wagen will, dann sollte die konkrete Form der Kunst zuvor noch intensiv geprüft werden.

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  • Eislaufen in Gmünd auf Kunst(stoff)eis?