Hohe Wohnraum-Nachfrage, hoher Leerstand in Gmünd . Polit-Debatte um Wohnungsnot in Zeiten von erzwungenem Leerstand & Überteuerung. Wie leistbares Wohnen in Gmünd ermöglichen?

Von Markus Lohninger. Erstellt am 23. Januar 2020 (04:43)
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Die Bezirkshauptstadt verliert trotz vieler Maßnahmen Einwohner. Zugleich können 80 Ansuchen um Gemeindewohnungen mangels Angebotes nicht erfüllt werden – und werden noch mehr Wohnungen gar nicht vermietet. Kein Wunder, dass die Wohnsituation in Gmünd ein zentrales Thema beim „NÖN-Talk“ zur Gemeinderatswahl war.

„Gmünd braucht keine zusätzlichen Wohnungen. Mindestens 180 Wohnungen stehen leer, wir müssen etwas unternehmen“, eröffnete SP-Spitzenkandidat Thomas Miksch die Debatte. Alleine die Zahl leerer ÖBB-Wohnungen in Axmann-Hof, „Mexikosiedlung“ und „Villenkolonie“, für die einfach Verträge nicht verlängert würden, tendiere in Richtung hundert: „Das ist eine Wahnsinns-Situation.“

Sanierungsbedarf der Wohnungen steige

Man habe „nur Leerstände bei ÖBB und Wohnungen, die sich niemand leisten kann“, pflichtete AfG-Vizebürgermeister Hubert Hauer bei. Bei Genossenschaften fehle teils der Wille, sprach FP-Liegenschafts-Stadtrat Benjamin Zeilinger von „Ressourcen-Verschwendung“, selbst Gespräche über ein Fördermodell der Stadt seien im Sand verlaufen. Wohnungen würden älter, der Sanierungsbedarf steige.

VP-Bürgermeisterin Helga Rosenmayer: Einmalzahlungen an Genossenschaften seien oft unleistbar („nicht jeder hat 6.000, 7.000 Euro, die er einfach hinblättern kann“), bewusst erzeugte Leerstände in ÖBB-Wohnungen ohne Info über Hintergründe seien „ein No-Go für die Stadtentwicklung“. Eine Anfrage an die ÖBB sei, so Rosenmayer, ignoriert worden.

Mit der NÖN haben die Bundesbahnen durch Sprecher Karl Leitner kommuniziert. Er bestreitet eine offizielle Anfrage der Stadt (Rosenmayer widerspricht dem auf nochmalige Nachfrage), der Axmann-Hof sei zudem gar nicht im ÖBB-Eigentum.

Für die anderen Siedlungen nennt Leitner einen Modernisierungs-Plan: Ein großer Teil der Wohnungen solle für Mitarbeiter modernisiert und saniert werden, „Sanierungen werden nur in leeren Wohnungen umgesetzt, Bestandsmieter können in ihren Wohnungen bleiben“. Der Verkauf von Objekten, die wegen ihrer Lage oder ihres Zustandes nicht mehr saniert werden, solle einen Teil der Sanierungskosten mitfinanzieren. Mieter würden über Änderungen zeitgerecht informiert.

Auf 420 Gemeinde-Wohnungen aufzustocken sei jedenfalls richtig gewesen, sagt FP-Zeilinger. SP-Miksch sieht das anders: Neubauten würden den Druck auf Genossenschaften und damit Mieten erhöhen – „ein Kreislauf, in dem jemand verliert.“