Linz-Trasse wird Thema. Autobahn-Diagonale Salzburg-Linz-Gmünd-Warschau als Verknüpfung bestehender Bundesstraßen: Bahn-Initiative greift Vorstoß von VP-Urgestein aus 2016 auf.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 25. Januar 2018 (04:47)
Grafik: NÖN/Pro-FJB
Runde Sache: Die von Hohenbichler adaptierte NÖN-Grafik aus 2016 mit der Autobahn-Querverbindung aus dem Raum Salzburg/München/Linz nach Brünn und Warschau, eingebettet in die diagonalen Trassen der großen Bundesstraßen ins Waldviertel und der Franz-Josefs-Bahn.

An sich ist sein Schwerpunkt als Mitbegründer der Initiative „Pro-FJB“ ja die Schiene, angesichts der zur Wahl wieder entbrannten Debatte zur Waldviertel-Autobahn meldet sich Gerald Hohenbichler aber ausnahmsweise auch zu diesem Thema zu Wort. – Und greift eine Vision auf, mit der VP-Bürgermeister Peter Höbarth aus St. Martin vor etwa zwei Jahren via NÖN aufhorchen ließ: den Fortbau der S10 aus Freistadt durch die Räume Gmünd, Waidhofen und Raabs rauf nach Brünn und Warschau.

Autobahn bzw. Schnellstraße durch das Waldviertel hätten, so Hohenbichler, nur dann einen Mehrwert, wenn sie neues Potenzial öffnen und bestehende Strukturen vernetzen könnten. Die Region Linz-Wels als nach Wien größte Wirtschaftsregion in Österreich könne ab Freistadt vergleichbar einfach ans Waldviertel angeschlossen werden. Das 150 km von Gmünd entfernte Wien werde auf Straße und Schiene bereits laufend besser angeschlossen, auf den 90 km nach Linz bestehe allerdings keine alternative Ausbauvariante. Zugleich führt Hohenbichler vor Augen, dass die bestehenden Straßenäste via Horn und Zwettl ins Waldviertel und nach Tschechien perfekt in diese schnelle Querverbindung eingebunden werden könnten: „Die Planungen können rasch beginnen!“

„Hartes Durchgreifen“ gegen Einzelinteressen

Zugleich warnt der Bahn-Aktivist vor „halbdurchdachtem Stückwerk“ etwa zur geplanten Umfahrungsstraße von Stögersbach oder zur FJB-Stichbahn nach Horn: Es brauche ein großes, übergreifendes Gesamtkonzept, in dem Straße und Bahn parallel zueinander entwickelt werden, und dieses dürfte nicht nur von Wien in Richtung Waldviertel angegangen werden. Bei der Bahn müsse von Gmünd bis Vitis genauso wie von Absdorf bis Ziersdorf angesetzt werden, „sonst droht eine 2-Klassen-Region mit oberem und unterem Waldviertel“.

In Tschechien funktioniere das, erklärt Hohenbichler nach Gesprächen in Prag mit führenden Beamten des Verkehrsministeriums. Die Bahn-Fahrzeit von Prag nach eské Velenice könne in absehbarer Zeit unter zwei Stunden gesenkt werden, 2019 starte fix die Elektrifizierung der Verbindung zwischen Velenice und dem wichtigen Knotenpunkt Veselí nad Lužnicí. „Da geht bei Bahn, Autobahn und Flughafen was weiter.“

Markus Lohninger
Gerald Hohenbichler greift die Idee des St. Martiner Bürgermeisters Peter Höbarth auf.

Auf österreichischer Seite fordert er ein Ende der Rücksichtnahme auf Einzelinteressen entlang der Strecke: „Man muss endlich hart durchgreifen.“ So müsse anstatt der geplanten B2-Umfahrungsstraße für Stögersbach und der wohl folgenden Umfahrung Scheideldorf gleich die gemeinsame Trasse durchdacht und mit dem Bahn-Ausbauprojekt „Allentsteiger Knie“ verknüpft werden, das würde die Kosten wesentlich senken.

Genauso fordert er statt einem „Wurmfortsatz“ von der FJB ab Eggenburg „zum suboptimalen Bahnhof Horn“ eine Direktverbindung Eggenburg-Göpfritz über einen neuen Regionalbahnhof mit Bildungscampus an der südlichen Umfahrungsstraße Horns. Das würde auch gleich Strecke und Fahrzeit verkürzen.

Sein Fazit in Wahlkampfzeiten, in denen man bekanntlich auch mal träumen und fordern darf: „Eine Fahrzeit von Gmünd nach Wien oder St. Pölten im Bereich einer Stunde ist technisch problemlos möglich. Dazu bedarf es aber kommunaler und regionaler Entscheidungsträger mit Weitblick.“