Glasfaserbau In Endphase: Eilig in's schnelle Datennetz. Netz-Infrastruktur in Pilotregionen unmittelbar vor Fertigstellung, Andrang auch an regionale Anbieter steigt.

Von Markus Lohninger, Markus Füxl und Michael Schwab. Erstellt am 15. Juni 2019 (11:52)
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Die Zeit der orangenen Kabelrollen in den Straßenzügen der Pilotregion inklusive Heidenreichstein und Unserfrau/Altweitra geht zu Ende, der Ausbau soll in einen Standardprozess übergehen.

Während in Gmünd die Arbeiten zur 50 Millionen Euro teuren Produktionsstätte für Glasfaser-Rohlinge anlaufen, wird bereits ein Straßenzug um den anderen mit Infrastruktur zur aktiven Nutzung der „Datenautobahn“ ausgestattet. Bis Ende Juni soll der Großteil der Arbeiten in den Pilotregionen Waldviertler StadtLand bzw. Zukunftsraum Thayaland mit zusammen fast 27.000 Haushalten abgeschlossen sein, letzte weiße Flecken sollen – abhängig von anderen großen Baustellen etwa zur Erneuerung von Gasleitungen – im Juli der Vergangenheit angehören.

Wenn das gut hundert Millionen Euro teure Gesamtpaket für die vier NÖ Pilotregionen abgeschlossen ist, wird es dann einfach auslaufen? Wird es einen finalen Akt geben? Das Bauobjekt, das bei ähnlichen Feiern besichtigt werden kann, liegt in dem Fall ja unter der Erde… Natürlich solle dieses „große und für die Regionen wichtige Ereignis“ gefeiert werden, heißt es seitens der NÖ Glasfaser-Infrastruktur-Gesellschaft – Details sollen noch festgelegt werden.

In die Schlussphase geht auch die Frist, in der Spätentschlossene einen Glasfaser-Anschluss bis ins Haus für 600 Euro bekommen – ab Juli müssen bei Interesse Herstellungskosten von 800 Euro an die nöGIG gezahlt werden. Damit nimmt auch der Andrang zu den Dienst-Anbietern – die nöGIG stellt ja nur das Netz zur Verfügung – zu. Auch drei Firmen aus dem Waldviertel mischen im Match um viele tausend Kunden mit – WVNET (Zwettl), die Speednet Betriebs GmbH (Waidhofen) und die Glanzer Online KG (Schrems). Die ersten Zwischenbilanzen fallen hier unterschiedlich aus.

Dienstanbieter vor Ort großteils zufrieden

Aus der Sicht von Günter Glanzer ist der Rücklauf bis dato „eher bescheiden“, er führt das auf den seit 2014 laufenden Prozess zurück: „Damals hieß es, 2017 solle alles fertig sein. Einige von damals wollen inzwischen nicht mehr.“ Glanzer sieht das Angebot dennoch als interessante Ergänzung, für die keine Zusatzkosten entstehen.

„Wir haben heute an einem Tag so viele Anfragen, wie noch vor einigen Jahren innerhalb einer Woche“, sagt indes Josef Mayerhofer für WVNET, der von bisher tausend Glasfaser-Kunden spricht. Die Erfahrungen seien durch die Bank positiv, bei einigen Neukunden gebe es aber Startschwierigkeiten: „Für viele ist Glasfaser eine völlig neuartige Technik. Sie wissen dann nicht, wie es installiert wird und wie ein Providerwechsel zu uns funktioniert.“ Deshalb setze man auf individuelle Betreuung bei Kunden vor Ort.

Verträge nicht vorschnell abschließen

Für Speednet spricht auch Christian Berger von hoher Nachfrage, „vor allem in den Ortschaften wollen die Leute schnell ihren Glasfaseranschluss haben. Sie hatten vorher zwei oder drei Mbit/Sekunde Bandbreite, da sind die ab 50 Mbit/s ein Quantensprung.“ Viele Kunden würden den regionalen Anbieter als Ansprechpartner vor Ort bevorzugen. Auch Berger sieht eine Herausforderung im fehlenden technischen Wissen potenzieller Kunden – verbunden mit zweifelhaften Werbepraktiken mancher Anbieter: „Da wird etwa mit ‚Glasfaser-Power‘ geworben, obwohl sich dahinter keine Glasfaserleitung bis ins Haus verbirgt.“ Sein Rat ist daher, nicht vorschnell Verträge abzuschließen: „Besser ist, man erkundigt sich bei der nöGIG.“

Auf Landesebene wird indes bereits der Weg für den Übergang des Infrastrukturbaus von den Pilotregionen in einen Standard-Ausbaubetrieb vorbereitet. Derzeit läuft laut nöGIG die Investorensuche, bis 2026 sollen weitere 300.000 Haushalte in Niederösterreich ans Netz gehen können.