Sorge um Abbau von Sprechtagen bei Versicherung. PVA fasst Sprechtage viertelsweit mit reduzierter Zeit in Zwettl zusammen. AK fürchtet Dauerlösung.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 16. Juli 2020 (05:22)
Die Gesundheitskasse in Zwettl ist infolge der Corona-Pandemie derzeit Schauplatz der einzigen PVA-Sprechtage des Waldviertels.
Markus Füxl

Wenn im Waldviertel Leistungen gekürzt werden, dann ist der Zusatz „vorläufig“ genauso wenig beruhigend wie nun der Verweis auf Corona: Zu oft wurde aus Provisorien bereits ein Dauerzustand. Daher schrillten bei NÖN-Lesern die Alarmglocken, als die Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mit Anfang Juli ihre bezirksweisen Sprechtage an der Gesundheitskasse nach einer Coronapause „vorläufig“ für das ganze Viertel in Zwettl zusammenzog.

Vorsprache nur noch als Ausnahme

Die Option, etwa für Anträge das für Normalsterbliche mitunter schwer durchschaubare bürokratische Dickicht im Zuge einer persönlichen Vorsprache zu durchdringen, schwinde, klagt ein Anrufer. Das treffe viele: Alleine im Bezirk Waidhofen sei der Sprechtag wegen des weiten Feldes von Witwen-/Waisenpension über Unterstützungs-Fonds, Schwerarbeiterfragen und Versicherung für pflegende Angehörige bis zu Anträgen für Reha-Geld oder die Pension vor Corona „sicher noch von bis zu hundert Anfragenden“ pro Woche frequentiert gewesen. Die einst verpönte Mail-Anfrage werde nun als Königsweg beworben. „Persönliche Vorsprachen sollen nur in Fällen geschehen, in denen keine andere Kontaktmöglichkeit sinnvoll bzw. möglich ist“, schreibt die PVA online.

AK: Zugang zu Info schwerer

Für Gmünd, größter der vom Wegfall der einst zwei Sprechtage pro Woche betroffenen Bezirke, bestätigt Arbeiterkammer-Leiter Michael Preissl bereits verstärktes Aufkommen: Zunehmend würden Versicherte zur AK ausweichen. „Wir müssen etwa beim Ausfüllen von Formularen mit teils schwer verständlichen Fragen unterstützen“, sagt er. Der Zugang zu Information sei nun „um ein Eck schwieriger“.

„Viertelsweit blieb nur ein Achtel der Sprechtagszeiten und das mit Terminvereinbarung, zugleich sind viele Menschen zu wenig mobil für Anreisen nach Zwettl“, wirft Preissl ein: „Komplexe Themen lassen sich zudem schlecht per Mail erfragen, weil es dazu einfach des Gespräches unter anderem mit Rückfrage-Möglichkeit bedarf.“ Der Telefon-Weg sei oft unzureichend, ein Mailkonto für einige Menschen zwar vielleicht irgendwann von Sohn oder Tochter angelegt worden, seither aber nicht aktiv in Verwendung.

Auf ein absehbares Ende der Einschränkungen wagt Michael Preissl nicht zu vertrauen, „wir fürchten, dass sich die wesentliche Einsparung für die PVA auf Dauer einstellen wird“.

PVA: Erweiterung, „sobald es möglich ist“

Genau das sei nicht das Ziel, betont PVA-Pressesprecher Markus Stradner: „Selbstverständlich“ beobachte man die Situation um die Pandemie genau, werde das Angebot unter Beibehaltung neuer Telefon- und Mail-Services „wieder erweitern, sobald es möglich ist“.

Als zentrale Herausforderung nennt er bestmöglichen Schutz der Kunden bei gleichzeitiger Gewährleistung von Beratungen und Auskünften, dazu seien landesweite Hotlines (NÖ: 050303/ 32170) geschaffen worden. Servicelines würden auch genützt, um Termine für eine Vorsprache im Kundencenter bzw. beim Sprechtag zu vereinbaren – „um Wartezeiten vor Ort und größere Ansammlungen in den Wartebereichen zu vermeiden. Unsere Mitarbeiter sind so vorbereitet auf den jeweiligen Fall und können die entsprechende Beratungsdauer abschätzen.“