Theatersommer an der Kippe: Schaden für die Region?. Ein Aus des Theaterfestes würde viele Einbußen bringen.

Von Johannes Bode und Thomas Weikertschläger. Erstellt am 22. April 2020 (04:31)
Leerer Schlosshof in Weitra? Die Zeichen stehen nicht allzu gut.
Kulturverin Schloss Weitra

Kunst und Kultur sind nicht nur sozialer Kitt der Gesellschaft und ein Grundbedürfnis des Menschen, sondern auch ein wirtschaftlicher Faktor: Insgesamt bringen Kunst und Kultur in Niederösterreich eine Wertschöpfung von über einer Milliarde Euro. Sollte das „Theaterfest Niederösterreich“ heuer nicht stattfinden – die Entscheidung fällt am 28. April – wäre das ein herber Verlust für die Wirtschaft und den Tourismus in den Regionen um die Spielorte Weitra, Gars und Rosenburg.

Auf Schloss Weitra ist heuer von 3. Juli bis 2. August die musikalische Komödie „Wiener Blut“ geplant. Sollte das Theaterfest abgesagt werden, wäre das „ein schwerer Schlag für Weitra“, sagt Obmann Reinhart Kartusch vom Verein „Werk-Stadt-Weitra“, der sich der Förderung von Wirtschaft und Tourismus verschrieben hat: „Weitra ist nun einmal eine Tourismusgemeinde. Wenn die rund 8.000 Besucher nicht kommen, trifft das alle Betriebe stark.“

Betroffen wären nicht nur die Gastronomie, sondern auch die Beherbergungsbetriebe sowie die kleinen Shops. Intendant Peter Hofbauer rechnet fast mit einer Absage: „Wir sind gerüstet, aber alle Zeichen deuten darauf hin, dass es nicht stattfindet.“ Das Stück – eine Komödie von Hofbauer nach der gleichnamigen Operette von Johann Strauss – sei natürlich schon fertig, mit den Proben habe man allerdings noch nicht begonnen: „Mit Masken und Abstand zu proben, das kann ich mir auch nicht vorstellen“, so Hofbauer. Das Stück könnte nächstes Jahr zu sehen sein: „Ich kann das nicht entscheiden, aber es spricht einiges dafür.“

„Katastrophe für die ganze Region“

„Katastrophal“ wäre für Thomas Singer, Gemeinderat für die Bereiche Kunst & Kultur, Wirtschaft und Tourismusförderung in Gars, das Aus des Theatersommers. In Gars sollte heuer die Oper „Carmen“ gegeben werden. In Rosenburg steht die Produktion „Ein Käfig voller Narren“, dessen Premiere für den 25. Juni angesetzt war, am Spielplan.

Auch für seine Gemeinde Rosenburg-Mold komme der Wegfall des wichtigen Repräsentations-Events, aber auch für die gesamte Region, einer Katastrophe gleich, meint Bürgermeister Wolfgang Schmöger. Nicht nur die Bedeutung als Werbeträger für die Gemeinde sei enorm, auch die Gastronomie und die gesamte Wirtschaft der Region leide darunter, wenn die Gäste der Sommerkomödie heuer ausblieben. Nicht nur die fehlenden Einnahmen für die Gastronomie und die Wirtschaft seien problematisch, auch die Frage, wie es mit dem Theatersommer weitergehe, sei zu stellen, sind sich Singer und Schmöger einig.

„Wir können dann ja nicht im August oder September starten“, sagte Singer. Er rechnet damit, dass die Auswirkungen des Coronavirus im Kunst & Kultur-Bereich noch lange spürbar sein werden: „Für viele Künstler wird es schwierig. Da geht es um Existenzen“, sagte Singer. Zudem müsse man abwarten, ob die vielen auswärtigen Gäste in der kommenden Saison zu Theaterfestivals ins Waldviertel kommen, fürchtet Schmöger sogar einen langfristigen Schaden für die Region.

Kulturprogramm auf der Sommerbühne?

Auf ein kleines sommerliches Alternativprogramm hofft man in Weitra jedenfalls schon, sollte alles Andere abgesagt werden: „Auf der Sommerbühne am Stadtplatz könnten ab Juli etwa Konzerte stattfinden, dort gibt es jede Menge Platz“, so Reinhart Kartusch. Die „Werk-Stadt-Weitra“ versucht jedenfalls, auf der Website die Bürger als auch potenzielle Besucher über die Angebote zu informieren.