„Tod der Franz-Josefs-Bahn" . Auch neuer Anbieter für Wien-Prag ignoriert FJB, Ausbau- Argument schwindet.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 10. Mai 2017 (04:50)
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Gerald Hohenbichler hatte seine  Hoffnungen an einen neuen privaten Anbieter der Verbindung  Wien-Prag über Gmünd geklammert. Seiner Ansicht nach verwässern die groß angekündigten Ausbaupläne von ÖBB und Land NÖ allmählich.

Als ausdauernder Bahn-Aktivist ist Gerald Hohenbichler – Begründer der „Initiative Pro Franz-Josefs-Bahn“ als größter Plattform für eine Aufwertung der „Lebensader“ des Waldviertels – einiges gewohnt. Eines hat ihn vorige Woche aber doch „an den Rand eines Kreislauf-Kollapses gebracht“:

Die tschechische Privatbahn RegioJet will mit Fahrplanwechsel ab 10. Dezember mit der Graz-Köflacher Bahn (GKB) die Strecke Wien-Prag in ihr Programm aufnehmen und viermal täglich in beide Richtungen befahren.

Warum die Meldung Hohenbichler am Boden zerstört hinterlässt? Wie die bestehende Kombination ÖBB-CD will auch die neue Allianz ihre Verbindung nicht auf der kürzeren FJB-Trasse, sondern via Brünn abwickeln. Die Rückkehr der FJB auf die Bildschirme internationaler Bahnreisender, die auch eine wichtige Fahrgast-Steigerung versprechen und daher eine starke Triebfeder bzw. Rechtfertigung für angekündigte Ausbaustufen sein könnte, rückt damit in weite Ferne.

RegioJet ohne Stopp in Niederösterreich

Dass auch RegioJet das Waldviertel umfährt – und Niederösterreich komplett ohne Stopp passieren will – ist auch deshalb eine herbe Enttäuschung für die FJB-Unterstützer, weil noch im September 2015 der tschechische Verkehrsbetrieb LEO-Express im Gmünder Palmenhaus Interesse am Einstieg in die Verbindung Prag-Wien via Gmünd auf der FJB signalisiert hatte. Kommt die RegioJet/GKB-Version über Brünn aber auf Schiene, dann erachtet Hohenbichler das internationale Potenzial für die Verbindung der Städte Prag und Wien als erschöpft, zusätzliche Angebote als aussichtslos.

Die politischen Dauerspielchen um die FJB ekeln ihn bereits an. „Es wird ausschließlich Parteipolitik betrieben. Alle Fraktionen betreiben Ankündigungs-Politik statt gemeinsamer Sachpolitik – die konkrete Festlegung des angekündigten FJB-Ausbaues lässt auf sich warten“, mischt er sich in den vom SPÖ-Abgeordneten Konrad Antoni vom Zaun gebrochenen neuen Streit ein; Antoni hatte wie berichtet das Land NÖ bzw. dessen Verkehrs-Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) dazu aufgefordert, „von der Ankündigungs- zur Umsetzungs-Politik überzugehen“.

„Minimalvariante“ statt Leuchtturmprojekt?

Schuld an der Misere hat nach Ansicht des Bahn-Aktivisten mit Gmünder Wurzeln nicht nur der Stillstand in politischen Vorwahlzeiten: „Der Grundstein für den Tod der Franz-Josefs-Bahn ist schon in der Zeit ‚roter‘ Finanz- und Verkehrs-Minister gelegt worden. Wir brauchen keinen Showman, der die Pizza ausliefert, sondern Sachpolitik mit Ergebnissen.“

Die Ergebnisse der bisherigen Verhandlungen bewertet Hohenbichler jedenfalls mit einem Schaudern. Anstelle eines „großen, zukunftsträchtigen Leuchtturmprojektes“ zeichne sich nur noch eine „Minimalvariante“ ab, deren Schwerpunkt am FJB-Ausbau zwischen Horn und Absdorf liege – „alle Teile außerhalb des Horner Einzugsgebietes würden im wahrsten Sinn auf der Strecke bleiben“.