"Elvis" trifft Johanna Dohnal. Hoftheater-Intendant Moritz Hierländer über Team, vergangene Saison und neue Produktionen.

Von Johannes Bode. Erstellt am 14. Februar 2020 (06:12)
Das Hoftheater-Team im Theatercafé: Wolfgang Polly, Dominik Herout, Reinhold Hartl-Gobl, Caroline Oismüller, Karl Kammerer, Peter Cerny, Marlies Jelinek, Moritz Hierländer und Sebastian Greiner.
J. Bode

NÖN: Bevor wir zum Hoftheater-Programm für 2020 kommen: Was ist Ihr Fazit der letzten Saison? Was lief gut, was schlecht?

Hierländer: Wir hatten in der letzten Spielsaison ein paar Stücke, die wirklich gut angekommen sind, darunter die Komödie „Die Weinprobe“ oder „Der Talisman“ von Nestoy in einer zeitgenössischen Inszenierung. Das Stück steht wegen des großen Publikumserfolges auch heuer wieder am Spielplan. Ein Erfolg war auch „Killer Joe“, was mich besonders freut, weil es eine ungewöhnliche Offtheater-Inszenierung war, die wir Open Air gespielt haben. Manche Titel oder Themen, bei denen sich das Publikum im Vorhinein wenig vorstellen kann, waren weniger gut besucht – obwohl die, die es gesehen haben, begeistert waren. Das war etwa bei der „Halleluja – Die Bibelshow“ der Fall.

 „Man muss sich auf jeden Fall die Experimentierfreudigkeit erhalten und versuchen, neue Formate auf die Bühne zu bringen.“ Wald4tler Hoftheater- Intendant Moritz Hierländer

 Ziehen Sie daraus Rückschlüsse für die Programmierung? Was soll Theater im Waldviertel können?

Hierländer: Ich denke, man muss sich auf jeden Fall die Experimentierfreudigkeit erhalten und auch versuchen, neue Stücke und neue Formate auf die Bühne zu bringen. Aber auch eine gute Balance zwischen bekannten Stücken und klassischen Komödien bleibt weiterhin wichtig.

Die kommende Saison ist ihre fünfte als Intendant. Wie läuft es bisher?

Hierländer: Ich bin vor allem froh und dankbar, so ein tolles Team hier zu haben. Die Zusammenarbeit läuft immer besser und vertrauter, die Abläufe funktionieren immer reibungsloser, es ist also ein sehr angenehmes Arbeitsklima. Und ich denke, das merken auch unsere Gäste.

Wie groß ist das Team? Welche Jobs schafft das Hoftheater in Pürbach?

Hierländer: Wenn der Betrieb von April bis Dezember voll läuft, dann sind rund zwölf Mitarbeiter hier fix beschäftigt – von der Grafik zur Dramaturgie, vom Bühnenbau bis zur Buchhaltung, von der Technik bis zur Gastronomie. Das ist die Stammcrew, dazu kommen dann noch die Künstler und Künstlerinnen, Schauspieler, Regisseure, Kostümbildner, Lichtdesigner etc. – je nach Produktion.

Am 1. Mai startet das Hoftheater heuer in die Saison, womit geht´s los?

Hierländer: Wir starten mit „Die Niere“, eine Koproduktion mit dem Stadttheater Berndorf. In dem Stück zu sehen sind vier Publikumslieblinge, Kristina Sprenger, Doris Hindinger, Martin Leutgeb und Ali Jagsch, der letztes Jahr auch in der „Weinprobe“ mitgespielt hat. Die Komödie stellt die Frage, wie weit man für die Liebe gehen würde – konkret, ob man für seinen Partner eine Niere spenden würde.

Auf welche Eigenproduktionen darf man gespannt sein?

Hierländer: Im Sommer spielen wir „Graceland – Ein Traum von Elvis“ von Hakon Hirzenberger und Rupert Henning. Das Stück bietet einen Einblick hinter die Show-Fassade des King of Rock´n´Roll. Da dürfen Live-Songs natürlich nicht fehlen, aber es wird spannendes, zeitgenössisches Theater, das auf dem Leben von Elvis basiert und auch die Schattenseiten des Star-Kults zeigt. Ich freue mich auch schon auf „Das Ende vom Anfang“, ein Volksstück und Slapstick-Klassiker aus England. Das Stück spielt vor 110 Jahren, wir verlegen es allerdings nach Pürbach und bringen es im Waldviertler Dialekt. Eine weitere Eigenproduktion ist „Achterbahn“, eine charmante Komödie von Eric Assous, die mit vielen überraschenden Wendungen unterhält.

Wird es weiterhin Eigenproduktionen des „Wald4tler Offtheaters“ geben?

Hierländer: Ja, wir bringen heuer das zeitgenössische Stück „Eine Sommernacht“, geschrieben 2008 von David Greig, auf die Bühne – eine ungewöhnliche romantische Komödie über das Leben am Rande des Nervenzusammenbruchs. Und wir zeigen „Walden“ nocheinmal.

Und es wird wieder zahlreiche Gastspiele geben ...

Hierländer: Sehr viele! „Die Staatskünstler“ kommen wieder und sind schon fast ausverkauft – wer sie sehen will, sollte also schnell Karten reservieren. Im Herbst kommen auch „Maschek“ wieder. Und Manuel Rubey zeigt sein neues Programm. Wir zeigen außerdem „Kein Groschen, Brecht“ mit Tamara Stern, ein Stück, das in Wien bereits sehr erfolgreich war. Die Schauspielerin Maria Hofstätter wird unter dem Titel „Mein Prinzip heißt Einmischung“ Auszüge aus bedeutenden Reden der 2010 verstobenen Politikerin Johanna Dohnal lesen. Es wird aber auch Musik geben, etwa von „Alma“ oder von der Waldviertler Combo „The Folk Club Elephant Memory Band“. Und wir zeigen Stücke von Schnitzler und Mitterer. Es wird also abwechslungsreich.