Staudinger hat die „Besten im Bett“: Plus bei Möbeln. Gegen den Covid-Blues: Waldviertler Werkstätten verloren Umsatz, holten in Möbel-Sparte aber 37 Prozent dazu!

Von Markus Lohninger und Karl Tröstl. Erstellt am 21. Januar 2021 (04:45)

Unruhe tut den Waldviertler Werkstätten mit Sitz in Schrems offenbar gut: Vier Jahre, nachdem im Sog eines medienwirksamen Disputs mit der Finanzmarktaufsicht der bisherige Umsatzrekord erzielt worden war, wurde ausgerechnet im Krisenjahr 2020 die historische Höchstmarke im Möbelsegment aufgestellt.

Der „Schuh-Rebell“ und die „Besten im Bett“

Zwar hatte sich Geschäftsführer Heini Staudinger bis 2016 den Titel des „Schuh-Rebellen“ erarbeitet, ein Fünftel des Gesamtumsatzes erwirtschaftete sein Team aber schon da in der Möbelsparte. Er unterscheidet dabei grob zwischen „Hardware“ und „Software“ – Erstere betrifft Tischlerware von vorwiegend regionalen Handwerkern, zur Software zählt er Matratzen, Auflagen oder Polster. Und die werden zur Gänze von einem 15-köpfigen Team in Schrems hergestellt.

Im Vorjahr wurden am Standort Schrems laut Firmenangaben inklusive Seminarbetrieb, Jurte und Gea-Hotel zur Sonne 16,5 Millionen Euro umgesetzt (2016: 18,9), ein Viertel davon betraf Möbel. „Noch im Advent haben wir die Möbel-Umsatzmarke vom Jahr 2016 geknackt“, strahlt Bereichsleiter Thomas Mitmannsgruber, der von einem Umsatzplus gegenüber 2019 von immerhin 37 Prozent spricht. Stolz zeigen seine Kollegen auf die Tafel, die es in der Werkshalle zusammenfasst: „Die Besten im Bett!“

Die Werkstätten werden „lean“

Die Ursache für das kräftige Plus trotz Lockdowns und Einkommensverlusten in der Bevölkerung sieht Co-Geschäftsführer Paul Tritscher – bei ihm laufen die Fäden der Möbelsparte zusammen – nicht nur im Trend, in Zeiten von Homeoffice & Co die eigenen vier Wände aufzurüsten: Er kommt auf Begriffe wie „lean“ und „Prozessverbesserung“ zu sprechen. Als man 2019 das Gefühl hatte, in der Produktion anzustehen, habe man begonnen, gemeinsam Lösungen für Ziele wie geringeren Aufwand, weniger Fehler, mehr Qualität und höheren Output zu erarbeiten. Gemeinsam sei das Teamgefüge an einigen Positionen geändert worden, das Büro wanderte direkt in die Halle.

Kopf- und Handarbeit wurden zusammengeführt, erzählt Mitmannsgruber: „Wir haben einen neuen Teamgeist und eine gute Form der Teamarbeit gefunden – haben jetzt ein gemeinsames Bild, ein gemeinsames Verständnis und einen gemeinsamen Wissensstand.“ Bereits ab Oktober 2019 habe sich der neue Weg auch in den Möbel-Umsätzen niedergeschlagen.

Die Umstellung habe auch bewirkt, dass man nun bei maßgefertigter Ware verlässlicher und schneller als zuvor ausliefern könne. Tritscher: „Das ist auch für unsere Gea-Filialen wichtig. Dazu kommt, dass wir die Auslieferung und den Aufbau von Möbeln in den Wohnzimmern von Kunden durch eigenes Personal wahrnehmen.“ Der Mitarbeiter stehe zum gelieferten Produkt, identifiziere sich damit.

Online-Boom, aber: Schuhverkauf brach um ein Fünftel ein

Insgesamt war 2020 für die Waldviertler Werkstätten mit etwa 150 Beschäftigten in Schrems und weiteren 150 Mitarbeitern in eigenen Gea-Läden im Schatten der Virus-Gegenmaßnahmen erwartungsgemäß fordernd.

Der erstmals richtig wahrgenommene Webshop konnte wie berichtet einiges abfedern – auch deshalb, weil nicht nur hinsichtlich Qualität auf „Waldviertler“ Verlass ist. Tritscher: „Die Menschen kennen das Produkt und wissen unter anderem, worauf sie sich etwa hinsichtlich der Größen einlassen. Die Rücksendequote liegt daher nur bei zwölf Prozent.“ Zalando nannte etwa eine Retourenquote von 50 Prozent. Dennoch brach der Schuhverkauf in Schrems gegenüber 2019 laut Heini Staudinger um gut 20 Prozent ein, das Anprobieren war immer ein Anreiz zum Besuch von Jurte & Co.

„Branchenkatastrophen“ in Hotel und Akademie

Als „übliche Branchenkatastrophe“ bezeichnet Staudinger die Bilanzen von Gea-Akademie und Gea-Hotel zur Sonne am Hauptplatz. Er spricht für beide Bereiche von einem 40-prozentigen Minus im Vorjahr, „und das trotz eines hervorragenden Sommers“. Der Hotelbetrieb sei schon vor dem zweiten scharfen Lockdown im Herbst wieder eingebrochen.

Am 18. Jänner beteiligte er sich neben etwa 150 weiteren Wirten an der Aktion „5 vor 12“, die auf fehlende Hilfe und die zunehmend schwere Lage hinweist – und Gastro-Öffnungen unter strikten Schutzmaßnahmen fordert. Das „Gea-baba Lokal“ war offen, rein durfte keiner. Stattdessen wurden Grablichter entzunden – auch aus Solidarität mit jenen Wirtshäusern, denen die Lichter allmählich für immer ausgehen.Aktuell sind im Hotel einzelne Betten für Lehrlinge der Berufsschule vermietet, weil dort gerade das Internat neu gebaut wird. Die eine oder andere Montage-Partie nächtigt hier. Das war‘s dann aber. „Zur Akademie kommen schon total viele Anfragen. Die Leute halten es zuhause nicht mehr aus“, sagt Tritscher.