Gmünder Musikmittelschule hat neuen Schulleiter. Josef Gratzl folgt Christian Skoll als Leiter der Musikmittelschule. Im Lainsitztal bleibt Skoll weiterhin Direktor.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 15. April 2021 (05:36)
Christian Skoll verlässt die Musikmittelschule Gmünd nach zehn Jahren. Der Großschönauer Josef Gratzl wurde kurzfristig mit der Schulleitung betraut.
Privat; Archiv

Ganz hat sich Christian Skoll noch nicht umgestellt, wenn er über die Gmünder Musikmittelschule spricht, das „wir“ und „uns“ kommt immer mal wieder dazwischen. Er hat die Leitung dieser Schule aber soeben an Josef Gratzl übergeben. Skoll blickt in der NÖN auf seine zehn Jahre als Schulleiter zurück, Gratzl in die kommende Zeit nach vorne.

Aus einer Schule wurden vier

Christian Skoll wurde 2011 mit der Leitung der damaligen Öko-Fit-Hauptschule betraut, kam nach 26 Jahren an der Hauptschule Weitra auch beruflich in seine Heimatstadt Gmünd. Seither hat sich viel getan: Vor vier Jahren wurde der Direktorenposten an der Bad Großpertholzer Mittelschule ausgeschrieben, Skoll übernahm. „Als ich mich dort beworben hatte, habe ich gesagt: Ich mache Gmünd solange mit, bis dort eine Lösung gefunden wird“, erklärt er.

Denn in Gmünd war er immer nur mit der Schulleitung betraut, der Direktorenposten in all den Jahren nicht ausgeschrieben. Zu den beiden Mittelschulen kam für ihn auch die Leitung der beiden Volksschulen Bad Großpertholz und St. Martin – inzwischen ein gemeinsamer Schulverband. Diese Schulen wird er weiterhin leiten.

Worauf er stolz ist

Das sei allen voran die Umwandlung zur Musikmittelschule, sagt Skoll: „Wir waren die erste Schwerpunktschule im Bezirk.“ Das habe – freilich gemeinsam mit dem gesamten Lehrerteam – viel Arbeit bedeutet. Aber nun biete die Schule viele Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder, resümiert er: „Ich habe mich beworben, weil ich mit dem Lehrerteam gemeinsam etwas umsetzen wollte. Als ich nach Gmünd gekommen bin, haben wir einen dreitätigen Lehrerausflug gemacht. All das, was wir uns damals vorgenommen haben, haben wir auch umgesetzt. Und das war nicht immer einfach.“

Die Öko-Fit-Hauptschule wurde unter Christian Skoll zur Musikmittelschule.
NÖN

Gearbeitet wurde in den zehn Jahren unter Christian Skoll nicht nur an der Ausbildung, sondern auch an der Ausstattung: Informatikräume, Küche, Werkräume und Klassen sind auf den neuesten Stand gebracht worden. „Das Werk ist im Prinzip vollendet“, sagt er. Ganz so leicht ist der Abschied trotzdem nicht gefallen: „Mir ist immer sehr viel an der Musikmittelschule gelegen.“

Warum er aufgehört hat

In den vergangenen Jahren sei immer mehr auf die Leiter zugekommen. „Schulleiter oder Direktoren sollten viel von der Schule und den Klassen mitbekommen“, meint er. Bei vier Schulen eine denkbar schwierige Aufgabe – die zuletzt nicht mehr ganz seiner Auffassung entsprochen und vor allem viel Stress bedeutet habe. Er möchte sich jetzt mehr auf seine eigene Gesundheit konzentrieren.

In der Mittelschule Bad Großpertholz will Skoll wieder mehr unterrichten, besonders Sport. Mit Schule und Sport verbinde ihn nämlich auch sein privates Engagement im Fußball und Skiclub. Den Fokus will er dementsprechend in den kommenden Jahren auf die sportliche Förderung legen. Aber auch – und wie sollte es als ehemaliger Leiter einer Musikmittelschule sein – auf die musikalische.

Kein unbekannter Nachfolger

„Ich bin mir sicher, dass mit Josef Gratzl eine Lösung gefunden wurde, die für die Schule sehr gut ist“, sagt Christian Skoll: „Er ist eine treibende Kraft, auf die man sich immer verlassen konnte.“ Direktor wird allerdings auch Gratzl – zumindest vorerst – nicht, sondern von Bildungsdirektor Johann Heuras mit der Schulleitung betraut.

Er übernimmt eine Schule mit sechs Klassen und knapp 20 Lehrern. Seit 2001 unterrichtet er an der Musikmittelschule Gmünd Deutsch, Musik und Darstellendes Spiel. Er hat sich unter anderem mit Musical- und Theateraufführungen wie „Räuberhauptmann Grasel“ oder „Der Jedermann“ immer wieder eingebracht. „Die Betrauung mit der Schulleitung ist eine neue, interessante Herausforderung“, sagt Gratzl. Als langjähriger Klassenvorstand, ehemaliger Elternvertreter und Gemeinderat, der in Haupt- und Mittelschulausschüssen mitgewirkt hat, kenne er das Thema Schule von allen Seiten sehr gut.

Alte & neue Ziele

„Wir haben mit Musik und Ökologie zwei überaus attraktive Schwerpunkte“, betont Gratzl. Daran will er festhalten, den Ökologie-Schwerpunkt etwa um die Gesundheit ergänzen. Die Themen ließen sich im Schulalltag verknüpfen, etwa beim Projekt „Franziskus – Musiker und Ökologe“, das ab Herbst einen Themenschwerpunkt bilden wird und mit einem Theaterstück seinen Höhepunkt finden soll.

In seinen ersten Tagen als Schulleiter will Gratzl mit seinem Team Impulse zur Sprachförderung setzen – mit einem Konzept zur Stärkung der Sprachkompetenzen: „In Englisch und Deutsch werden ab sofort sechs Unterrichtsstunden ergänzend wöchentlich angeboten. Wir wollen in Zeiten der Pandemie etwaigen Sprachdefiziten effizient entgegenwirken.“

Start in schwieriger Zeit

„Derzeit gibt es keine längerfristige Planbarkeit. Vorgaben der Politik müssen innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Diese Kurzfristigkeit ist eine Herausforderung für Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen“, sagt Gratzl. Sobald es möglich ist, sollen die sozialen Kompetenzen wieder gestärkt werden. Die gesamte Schule wird im Herbst bei „Kennenlerntagen“ singen, tanzen, spielen und die Natur erforschen. „Rockdown statt Lockdown – dieses Motto soll Hoffnung, Kraft und neue Zuversicht geben“, betont er.

Schulleitung nicht als kurzfristige Aufgabe

Unterrichten will Gratzl weiterhin. Auch wenn der Wechsel an der Spitze der Mittelschule während des Schuljahres überraschend kam: Er sieht die Betrauung als Schulleiter als langfristig schöne Aufgabe. Die Schule sei bekannt für ihren Teamgeist, „besonders bei den Lehrern“, sagt Gratzl.

Ob er eines Tages also auch am „wir“ und „uns“ hängen bleiben wird?