"Schöne Bescherung": 6,5 Stunden im Zug. Ältere Menschen, die stundenlang in Kälte ausharrten: Von Wien nach Gmünd mit vier Zügen und einer Busfahrt.

Von Markus Lohninger. Erstellt am 30. Dezember 2014 (08:30)
NOEN, shutterstock.com/Chad Zuber
»Bitte warten« hieß es für mehrere hundert Fahrgäste am 24. Dezember: Ein Baum in der Oberleitung sorgte für stundenlange Verzögerungen - und einen Spießrutenlauf mit viermaligem Umsteigen.

Bahnreisende ins Waldviertel erlebten am 24. Dezember schon bei der Anfahrt mit der Franz-Josefs-Bahn die sprichwörtlich „schöne Bescherung“: Wegen einer defekten Oberleitung zwischen Klosterneuburg-Weidling und Kritzendorf dauerte die Reise für jene, die sich um 12.29 Uhr in Richtung Gmünd aufmachten, bis zu sechseinhalb Stunden.

Durch starken Sturm war ein Baum in die Oberleitung gekracht. Vier Züge mit mehreren hundert Fahrgästen mussten nach ÖBB-Auskunft die Fahrt unterbrechen. Heftige Kritik an deren Krisenmanagement und Informationsfluss kam von Bahnkunden. So soll in Wien nur mit der groben Information über einen Schienen-Ersatzverkehr für Stunden der gesamte Zug- und Schnellbahnverkehr bis zur Haltestelle Kierling geführt und dort gestoppt worden sein. Dort hieß es Zeugenberichten zufolge zunächst zwei Stunden lang warten. Selbst noch bei Ankunft der nächsten Verbindung der FJB (Abfahrt 14.29 Uhr) mussten auch ältere und gebrechliche Bahnreisende teils im Freien bei Kälte ausharren.

„Kein Respekt vor den zahlenden Kunden“

Laut ÖBB wurden erste Ersatzbusse um 13.30 Uhr losgeschickt, der verärgerte Bahnkunde Franz Kundics (Vitis) spricht von über drei Stunden Wartezeit auf den ersten leeren Bus, der erst nach Urgieren des Zugbegleiters nicht nach Wien, sondern Tulln aufbrach. Dort kam er nicht an – ab St. Andrä-Wördern ging es per Zug weiter.

Von welchem Bahnsteig und wohin überhaupt, darüber gab es auch nach Aussagen weiterer Gäste praktisch keine Info: Man habe sich quasi auf eigene Faust durchschlagen müssen. Nach Umstiegen in Tulln und Sigmundsherberg samt jeweiligen Wartezeiten bestiegen Waldviertel-Reisende dann doch die FJB-Verbindung nach Gmünd, wo um 19 Uhr noch Dutzende Gäste ausstiegen. Franz Kundics: Die Strecke sei von einem geübten Radler schneller zu bewältigen. Das Folgechaos des Baumbruchs sei durch Menschen verursacht worden, die „offenbar keinen Respekt vor den zahlenden Kunden haben“.

Seif: Alle verfügbaren Kräfte hinzugezogen

ÖBB-Sprecher Christopher Seif bittet um Verständnis für die Turbulenzen. Man habe alle verfügbaren Kräfte hinzugezogen: „Es ist nicht einfach, am 24. Dezember auf Knopfdruck im richtigen Ausmaß Busse zur Verfügung zu stellen. Wir haben kurzfristig etliche Mitarbeiter aktiviert, um die Einschränkungen und Verzögerungen so gering wie möglich zu halten.“

Für Ausnahmefälle sind „Kundenlenker“ an neuralgischen Punkten vorgesehen, die Kundenströme steuern und Informationen verbreiten. Warum das diesmal nicht klappte? Seif: „Der 24. Dezember ist kein Tag wie jeder andere, Leute sind da nicht so schnell erreichbar.“