Altbürgermeister Himmer wird 80: „Jetzt ganz ohne Verpflichtung“

Erstellt am 24. Januar 2022 | 05:07
Lesezeit: 4 Min
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Legendärer Moment: Werner Himmer (rechts) und der damalige Landeshauptmann Erwin Pröll 1997 bei der Eröffnung des Kindergartens Gansberg.
Foto: privat
Weitras Altbürgermeister Werner Himmer sprach mit Karin Pollak über lange Jahre in öffentlichen Ämtern.
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Altbürgermeister Werner Himmer feiert Anfang Februar seinen 80er. Diesen Jubeltag kann er erstmals seit Jahrzehnten ohne öffentliches Amt begehen – als Bezirksobmann des Seniorenbundes wurde er von Raimund Fuchs abgelöst. Was aus seinen Funktionen bleibt und was er sich für die Zukunft wünscht.

NÖN: Zuerst Gratulation zu Ihrem runden Geburtstag. Wie werden Sie diesen feiern?

Werner Himmer: Ich möchte, wenn es Corona zulässt, mit meinen Freunden und meinen Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkeln feiern. Mehr habe ich nicht vor.

Sie haben das Amt des Seniorenbund-Bezirksobmannes elf Jahre innegehabt. Was bleibt Ihnen in Erinnerung?

Himmer: Es bleiben gute und weniger gute Erinnerungen. In diese Zeit fällt nämlich auch die schwere Erkrankung meiner Gattin Angela, die zwischen 2013 und 2016 gegen den Krebs gekämpft hat und leider diesen Kampf verloren hat. Ich habe aber trotzdem versucht, mein Lebensmotto „den Menschen zu dienen“ umzusetzen. Das habe ich gerne gemacht, vor allem den Menschen zuzuhören war mir wichtig. Leider kann man nicht immer alle Wünsche erfüllen, versuchen kann man das aber schon.

Den Menschen gedient haben Sie auch von 1994 bis 2010 als Bürgermeister von Weitra. Das war sicherlich nicht immer einfach?

Himmer: Als Bürgermeister bist du der oberste Diener einer Gemeinde. Mich hat meine Gattin immer unterstützt und ermuntert, weiter zu machen, wenn es gerade nicht einfach war. Beim Amtsantritt hat vor allem die Landbevölkerung an mir gezweifelt und befürchtet, dass ich als Lehrer aus Weitra ihre Anliegen nicht unterstützen könnte. Das hat sich bald gelegt. Ich stamme ja aus einer Bauernfamilie aus Hirschenwies. Mir war dieses Amt sehr wichtig. Damit ich mehr Zeit dafür investieren konnte, ging ich als Lehrer an der Hauptschule schon mit 56 Jahren in Pension.

In Ihrer Amtszeit als Bürgermeister konnten Sie vieles umsetzen. Worauf sind Sie besonders stolz?

Himmer: Gemeinsam mit meinem Vorgänger Hans Klestorfer habe ich die Landesausstellung in Weitra einfädeln können, die dann 1994 stattgefunden hat. Es wurden viele Projekte umgesetzt. Der Kindergarten am Gansberg samt Durchgang unter der B41 wurde errichtet, und ich saß bei der Eröffnung dieses Kindergartens gemeinsam mit Landeshauptmann Erwin Pröll im Bällebad. Das bleibt ewig in Erinnerung. Besonders freut es mich, dass ich gemeinsam mit vielen Unterstützern die Garnison erhalten konnte. Geschaffen wurden der Kreisverkehr an der B41, vier Feuerwehrhäuser und vieles mehr. Nicht gelungen ist mir der Bau des Schlachthofes und der Molkerei, sie siedelten sich in St. Martin an. Rückblickend war das für Weitra gut, wir hatten dadurch ausreichend Platz für das neue Feuerwehr-Areal. Ich war wirklich gerne Bürgermeister. Besonders gefreut hat mich, dass ich im Vorjahr zum Ehrenbürger Weitras ernannt worden bin. Ich dürfte also nicht ganz so schlecht für Weitra gearbeitet haben.

Sie sind bzw. waren auch in vielen Vereinen aktiv. Welchen Stellenwert haben die Vereine in Ihrem Leben?

Himmer: Vor allem liegt mir der Musikverein besonders am Herzen. Hier bin ich seit 1963 Mitglied, war von 1965 bis 1970 Obmannstellvertreter und leitete diesen Verein dann bis 2007. Seither bin ich Ehrenpräsident und mir tut es echt leid, dass dieser Verein mangels Mitgliedern aufgelöst werden könnte. Die Jungen singen nicht mehr, sie spielen lieber in der Stadtkapelle mit. Durch die Bläserklassen, die in meiner Bürgermeisterzeit eingeführt worden sind, steigt dafür das Interesse. Wir bräuchten aber dringend junge Sänger, die auch als eigener Chor agieren könnten. Ich bleibe natürlich weiterhin Mitglied. Bei Konzerten werde ich aber nicht mehr mitwirken. Ich war auch Gründungsmitglied beim Kulturverein Schloss Weitra. Damals hatte Baumeister Franz Graf die Idee, den Schlosshof mit Schirmen zu überdachen. Das ist noch immer einmalig in Niederösterreich.

Was wünschen Sie sich für Weitra und den Seniorenbund?

Himmer: Als Seniorenbund-Bezirksobmann muss man schauen, dass die Bezirksgruppen funktionieren. In unseren 14 Bezirksgruppen ist das Großteils der Fall. Harbach braucht nach dem plötzlichen Ableben von Obmann Herbert Pöschl einen Nachfolger, in Schrems wird auch ein Obmann gesucht. Darum muss sich jetzt Raimund Fuchs kümmern. Die Senioren sind ja ein wichtiger Teil der Gesellschaft und tragen einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaft bei. Für Weitra wünsche ich mir, dass der Schwung in der Gemeinde mit dem neuen jungen Bürgermeister anhält und der erfolgreiche Weg weitergeführt wird. Ich freue mich, wenn ich weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilhaben kann, jetzt als Privatperson und ganz ohne Verpflichtung.

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