Brauerei wird bald Großbaustelle. Umfangreiche Modernisierung 3,5 Mio. Euro investiert Karl Schwarz in die Brauerei Weitra. In wenigen Tagen fahren die Bagger auf.

Von Karin Pollak. Erstellt am 15. April 2019 (07:37)
Karin Pollak
Das Gebäude im Hintergrund von Karl Schwarz wird in wenigen Tagen am Areal der Brauerei Weitra geschleift. Bis Juni 2020 dauern dann die massiven Umbauarbeiten.

Die NÖN hat es angekündigt, in wenigen Tagen fahren die Bagger auf: Die Brauerei Zwettl startet den bisher größten Umbau der in ihrem Eigentum stehenden Brauerei Weitra, sie investiert etwa 3,5 Millionen Euro in den Standort. „Durch diesen Umbau können wir die Kapazität der Bierproduktion in Weitra verdoppeln und diese auch modernisieren“, verrät Geschäftsführer Karl Schwarz .

Bei Übernahme der Brauerei von der Familie Pöpperl 2003 wurden hier 3.000 Hektoliter Bier pro Jahr gebraut, heute sind es 15.000. „Wir haben die Lagerkapazität in Weitra voll ausgeschöpft, außerdem wollen wir modernisieren. Deshalb ist auch der massive Umbau notwendig“, erklärt Schwarz die Gründe für die Investition.

Vor allem das Weitraer Bier, ein Geheimtipp in vielen Wiener Szenelokalen, wird immer beliebter, genauso aber auch das in Weitra gebraute Hadmar-Bio-Bier und das Tigerbräu. „Ab Juni 2020 können wir die Produktion verdoppeln. Die drei Mitarbeiter bleiben, durch die Automatisierung wird ihre Arbeit massiv erleichtert, auch wenn wir viel mehr Bier brauen“, betont Schwarz.

Die Planungsarbeiten der letzten beiden Jahre waren nicht einfach. Vor allem die engen Platzverhältnisse und der Umbau bei laufendem Betrieb seien Herausforderungen. Die Demontage der Leitungen im Dampfkesselhaus, wo ein Teil des Malzlagers untergebracht ist, ist angelaufen.

„Dieses Haus gegenüber dem Sudhaus wird abgerissen“, sagt Schwarz: „Danach wird das freigewordene Areal fünf Meter tief ausbaggert. Hier entstehen eine neue Abwasseraufbereitungsanlage und ein Kollektorgang.“ Darauf kommen ein neuer Lagerkeller und ein Gärkeller. Auch die Malzannahme wird neu errichtet.

Herausforderung: Bau bei laufendem Betrieb

Besonders freut ihn der Neubau des Kellers mit offenen Gärbottichen, der ein traditionelles und handwerkliches Bierbrauen zulässt. „Das gibt es kaum mehr in den Brauereien, die so produzierten Biere sind sehr mild im Geschmack“, erklärt Schwarz. Errichtet wird zudem ein neuer Trebersilo. Bisher mussten diese Rückstände beim Bierbrauen von Landwirten mit ihren Traktoren zeitgerecht abgeholt werden, künftig gibt es eine Zwischenlagerungsmöglichkeit.

Weiters ist eine neue Würzpfanne im Sudhaus geplant, daran angebunden ist eine Steuerung für einen vollautomatisierten Arbeitsablauf. „Wir verbinden traditionelles Handwerk mit modernster Technik“, meint Schwarz, der die Umbauten bei laufendem Betrieb als „durchdachtes, aber chaotisches Werken“ bezeichnet. „Derzeit wird vorausgearbeitet, da die Braukessel im Mai für zwei Wochen stillstehen müssen. Neue Großkunden aus Wien können wir momentan nicht annehmen.“

1,3 der 3,5 investierten Millionen Euro entfallen auf Firmen aus der Region, der Rest kommt von Spezialfirmen aus Deutschland. Karl Schwarz streicht ein sehr gutes Einvernehmen mit der Stadtgemeinde Weitra hervor: „Aufgrund unserer engen Platzverhältnisse wird uns während des Umbaues der Platz vor der Brauerei zur Verfügung gestellt. Wir können auch den Radabstellplatz für diese Zeit entfernen.“ Man habe sich in mehreren Gesprächen auch auf die ortsbildgerechte Gestaltung der „neuen“ Brauerei geeinigt.

Die Tradition des Bierbrauens geht also in Weitra in ein neues Zeitalter. „Weitra war ja im Mittelalter auch das Zentrum der Bierbrauer, von hier aus wurde bestimmt, wer Braulehrlinge ausbilden darf. Dazu gab es die ‚Zunftlade‘. Vermutlich haben einst auch wir für Zwettl diese Erlaubnis von Weitra bekommen“, blickt Schwarz zurück.

Neues Weitraer Bier vor großem Jubiläumsjahr

Im zweiten Halbjahr 2020 wird es ein neues Bier in und für Weitra geben. Genaueres dazu folgt erst. „Das machen wir schon im Hinblick auf das Weitraer Jubiläumsjahr 2021“, so Schwarz, der unterstreicht, dass in Weitra seit 1321 Bier gebraut wird. Damals wurde den Weitraer Bürgern von Habsburgerkönig „Friedrich der Schöne“ das Privileg, Bier zu brauen und zu verkaufen, gewährt.