Corona-Infektion: Acht Monate Leid und kein Ziel in Sicht

Nach überstandenem Tiefschlaf braucht Christian Müllauer aus Weitra vielleicht neue Lunge.

Erstellt am 25. November 2021 | 07:50

Der 13. März 2021 veränderte das Leben des 47-jährigen Christian Müllauer aus Brühl bei Weitra massiv. Infolge einer Covid-Erkrankung lag er monatelang im Krankenhaus, war im Tiefschlaf und an Beatmungsgeräten angeschlossen. Selbst nach über acht Monaten weiß er nun nicht, ob er jemals wieder gesund werden wird. Eine Lungentransplantation steht nach wie vor im Raum.

„Dass Corona kein Schnupfen ist, das habe ich leider erfahren müssen. Mein Leben wurde von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt, nichts geht mehr“, sagt Christian Müllauer. Zuvor hatte der gelernte Maurer, der bei der Firma Leyrer+Graf als Leitungsbauer arbeitet, keinerlei gesundheitliche Probleme, wie er heute sagt. Doch das änderte sich innerhalb einer Woche. Es kamen Fieber und der Verlust des Geschmackes dazu. Am 22. März musste er ins Landesklinikum Gmünd eingeliefert werden, wurde zwei Tage später in den Tiefschlaf versetzt und 24 Stunden später ins Universitätsklinikum St. Pölten geflogen.

Dort kämpften die Ärzte und das Pflegepersonal monatelang um das Leben des 47-Jährigen. Er wurde durch eine „ECMO“-Maschine, die die Atemfunktion übernimmt, am Leben gehalten. „Wir wussten nicht, ob er das überleben wird“, sagt sein Bruder Peter Müllauer: „Diese psychische Belastung wünsche ich wirklich niemandem. Drei Wochen später kam dann etwas Hoffnung auf. Da wurde Christian kurz aus dem Tiefschlaf geholt. Wir dachten, jetzt geht es bergauf, aber weit gefehlt. Es kam eine Blutvergiftung dazu, außerdem wurden in seiner Lunge Löcher festgestellt.“

„Bin ständig unter ärztlicher Kontrolle“

Für Christian Müllauer folgten wieder rund zwei Monate Tiefschlaf, Drainagen in der Lunge und der Anschluss an die Beatmungsmaschine. „Es war für alle hart“, ist die Familie nach wie vor betroffen – auch darüber, dass Christian noch immer nicht über den Berg ist.

Im AKH Wien, in das er direkt vom Klinikum St. Pölten überstellt worden ist, wurde er erstmals mit einer möglichen Lungentransplantation konfrontiert, die noch immer wie ein Damokles-Schwert über ihm schwebt. Vom AKH ging es jeweils vier Wochen lang ins Landesklinikum Krems, auf die Remob-Station in Gmünd und eine Reha in Weyer im Ennstal. „Das Schlimmste war, dass ich wegen des Luftröhrenschnittes lange nicht reden konnte“, sagt Müllauer, der auch das Schlucken, Essen und Gehen wieder neu lernen musste.

Seit Kurzem ist er wieder daheim. Er braucht Dauersauerstoff, kommt nur mit mehreren Verschnaufpausen ins Obergeschoß des Hauses und braucht viel Unterstützung, die ihm Peter, dessen Gattin Bianca, Mutter Ilse und die anderen Geschwister auch geben. „Ich bin ständig unter ärztlicher Kontrolle, auch im Krankenhaus Krems und AKH Wien, wo nach einem neuerlichen Lungen-CT entschieden wird, ob ich eine neue Lunge brauche“, ist Christian Müllauer am Boden zerstört.

Körperliche Arbeit in Zukunft nicht mehr möglich

Diese massiven gesundheitlichen Probleme bestätigt auch Müllauers Hausärztin Karoline Tauchmann, die von ihm für die NÖN von ihrer ärztlichen Schweigepflicht entbunden wurde. „Wenn mein Patient keine Lunge implantiert bekommt, dann wird er weiterhin sauerstoffpflichtig bleiben. Bekommt er eine neue Lunge, dann gibt es für ihn vielleicht eine bessere Lebensqualität, dafür aber eine Dauermedikation. Arbeiten wird er vermutlich nie mehr können, zumindest nicht schwer körperlich“, ist auch Tauchmann betroffen.

Sie gibt zu bedenken: „Christian Müllauer hatte bei seiner Ansteckung noch keinen Zugang zur Impfung. Eine Ansteckung ist wie russisches Roulette, nur heute kann man sich gegen einen schweren Verlauf mit der Impfung schützen.“

Zu den massiven gesundheitlichen Problemen kommen bei Müllauer jetzt auch große finanzielle Sorgen: „Mein Haus, in dem im Erdgeschoß meine 74-jährige Mutter wohnt, wird mit einer Stückgut-Holzheizung beheizt. Ich habe das dafür benötigte Holz immer selber gemacht, das kann ich nicht mehr. Ich brauche eine Pelletsheizung, vermutlich auch einen Treppenlift und ein Auto.“ Mit dem Krankengeld, das er derzeit bezieht und von dem er auch für seine Tochter Alimente zu zahlen hat, geht sich das alles nicht aus. „Noch dazu hat Christian im Vorjahr einen neuen Heizungsofen gebraucht“, erklärt Bruder Peter.

Das Schicksal lässt viele nicht kalt

Mittlerweile hat Bürgermeister Patrick Layr (ÖVP) zugesagt, seinem Gemeindebürger zu helfen. „Der Fall zeigt, welche tragischen Auswirkungen diese heimtückische Krankheit auf Existenzen haben kann. Er wurde zu einem Zeitpunkt krank, wo es noch keine Chance auf eine Schutzimpfung gegeben hat. Die Stadtgemeinde unterstützt deshalb mit einer Spende bei den Adaptierungen im Haus“, erklärt Layr. Auch Rotary-Club Weitra und Lions Club haben finanzielle Unterstützung zugesagt. Zusätzlich wurde seitens der Stadtgemeinde Weitra ein Spendenkonto für Christian Müllauer (IBAN: AT82 2027 2000 0095 3042) eingerichtet.

Die Familie ist ob der Unterstützung tief beeindruckt und dankbar. „Ich kann nur allen raten, sich impfen zu lassen. Leider war mir das damals noch nicht möglich und ich muss jetzt die Konsequenzen tragen, die ich niemandem wünsche“, appelliert Christian Müllauer.