Hamburg am Wasserweg erreicht

Ehepaar aus Weitra war über Lainsitz, Moldau und Elbe Richtung Nordsee unterwegs. Nächstes Abenteuer ist schon geplant.

Karin Pollak
Karin Pollak Erstellt am 17. September 2021 | 06:09

Helga Langer und ihr Gatte Peter Bochnik haben wieder eine außergewöhnliche Reise abgeschlossen. Nach ihrer Weltumseglung (die NÖN berichtete) haben sie Hamburg am Wasserweg über die Lainsitz, die Moldau und die Elbe erreicht, sie waren mit dem Rad, zu Fuß und ab der Moldau mit ihrem Boot unterwegs und spulten dabei über 1.100 Kilometer herunter.

Pandemie unterbrach ersten Versuch

Die Idee dazu hatte der gebürtige Hamburger Arzt Bochnik, der von seiner neuen Heimatstadt Weitra in seine alte Heimat Hamburg über die Flüsse gelangen wollte. Bereits im Vorjahr startete das abenteuerlustige Paar diese Herausforderung, coronabedingt mussten sie aber nach zwei Wochen aufgeben. Von Weitra bis nach Tabor in Tschechien waren sie mit dem Rad unterwegs, dann ging es zu Fuß weiter bis zur Mündung der Lainsitz in die Moldau bei Týn nad Vltavou. Dort ließen sie ihren Trimaran „Twiga“ zu Wasser und legten 250 Kilometer auf der Moldau und der Elbe per Boot zurück. Die fehlenden 660 Kilometer bis Hamburg nahmen Helga Langer und Peter Bochnik jetzt in Angriff.

„Wir waren oft alleine am Fluss, begleitet haben uns nur Wild-enten und -gänse.“ Helga Langer

Von den Eindrücken ist das Paar nach wie vor tief beeindruckt. „Die Städte am Ufer der Elbe muss man gesehen haben“, betont Bochnik.

Unterkunft zu finden, war herausfordernd

Noch faszinierender waren für die beiden die Naturlandschaften mit Biosphärenreservaten, Galeriewäldern, Deichvorland, Überschwemmungsgebieten. „Wir waren oft ganz alleine am Fluss unterwegs, begleitet haben uns jede Menge an Wildenten und Wildgänsen, die schon etwas über uns Eindringlinge empört waren“, sagt Helga Langer. Die Suche nach einer Unterkunft war zum Teil schwierig. Vor allem in den Städten der ehemaligen DDR seien viele Beherbergungsbetriebe coronabedingt noch geschlossen.

Trotzdem fanden die Weitraer immer wieder nette Hotels, machten in verschiedenen Bootsclubs Station oder schliefen in ihrem mitgeführten Zelt. „Einmal war es schon eng. Unsere Twiga hatte bei der Stadt Meißen einen kleinen Riss, den wir unbedingt reparieren mussten. Sonst hätten wir unsere Tour abbrechen müssen“, sagt Langer. Mit der S-Bahn fuhren sie kurzerhand nach Dresden und beschafften sich die dafür notwendigen Utensilien in einem Baumarkt. Damit wurde die Twiga provisorisch repariert.

2.300 Fotos gesammelt

 Mit dem Wetter hatten die Weitraer Glück. „Am Wasser hatten wir keinen einzigen Regentag, es schien die Sonne und das Elb-Wasser war warm“, sagt Langer. Wind und Sturm waren dennoch fast ständige Begleiter. „Durch den hohen Wellengang waren wir auf unserer Twiga ständig klitschnass“, erzählt der pensionierte Arzt: „Eigentlich hatten wir von der deutschen Grenze bis nach Hamburg immer Gegenwind. Daher mussten wir Aufkreuzen, also im Zick-Zack-Kurs auf der Elbe segeln. Anstatt der eigentlichen 700 Stromkilometern legten wir dadurch 1.000 zurück.“

Gemeinsam mit seiner Helga hat er auf dieser Tour 2.300 Fotos gemacht – mit einem wasserdichten und stoßsicheren Fotoapparat. Der „Zieleinlauf“ in Hamburg erfolgte am 13. August und war mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden. „Hier gab es mehr Wind. Durch die beginnende Flut haben wir es noch gerade geschafft, in Bullenhausen unser Boot aus dem Wasser zu bekommen. Dort wurden wir von unseren Freunden wie Champions mit einer großen Hamburg-Flagge willkommen geheißen.“

Zur Nordsee ging‘s mit dem Auto

Nach den oft sehr anstrengenden 13 Tagen am Wasser hatten Helga Langer und Peter Bochnik ihr Ziel erreicht. „Es war ein tolles Gefühl, aber es hat gereicht“, sind sie sich einig. Die Mündung der Elbe in die Nordsee bei Cuxhaven ließ sich das Ehepaar nicht entgehen, besuchte es während des einwöchigen Aufenthaltes in Hamburg aber doch lieber mit dem Auto.

Mit einer Fülle an tollen Eindrücken, zahlreichen neuen Freunden und viel neuem Wissen über die Geschichte der besuchten Städte kehrten die beiden Reisenden nach Weitra zurück. Diese Eindrücke und ihre vielen Bilder wollen sie gerne bei Vorträgen mit Interessierten teilen: „Wenn uns jemand dazu einlädt, dann machen wir das gerne.“ Das nächste Abenteuer wird schon geplant – diesmal nicht am Wasser, sondern mit Wanderschuhen und Rucksack.

„Peter feiert 2023 seinen 75. Geburtstag. Zu diesem Anlass wollen wir den Kilimandscharo erklimmen. Bis dahin müssen wir aber noch trainieren“, gesteht Helga Langer.