Kapellmeisterin: „Für viele war es sicher exotisch“. Die Weitraerin Martina Bauer leitet ihre Kapelle seit 25 Jahren. Sie ist noch immer die erste und einzige Kapellmeisterin im Bezirk.

Von Anna Hohenbichler. Erstellt am 15. Mai 2021 (05:16)
Martina Bauer ist Kapellmeisterin der Stadtkapelle Weitra.
privat, privat

Es ist ein besonderes Jubiläum, das Martina Bauer heuer begeht. Seit 25 Jahren ist sie Kapellmeisterin der Stadtkapelle Weitra, steht bei Auftritten mit „ihren“ Musikern ganz vorne. Besonders ist das deshalb, weil sie 1996 im Bezirk Gmünd die erste Frau in der musikalischen Leitung einer Blasmusikkapelle war. Und bis heute ist sie die einzige.

In einer coronabedingt ruhigen Zeit für die Musikvereine erzählt Martina Bauer über ihre 25 Jahre als Kapellmeisterin – und welchen Tipp sie für junge Musikerinnen hat.

Die Musiker-Gene

„Ich bin von Kindheit an mit der Musik aufgewachsen“, sagt sie. Als Musiker bei verschiedenen Tanzmusik-Gruppen und Kapellen war der Vater sicher ein Vorbild. In der Volksschule hat Martina Bauer ganz klassisch mit der Blockflöte begonnen, ehe sie im Hauptschul-Alter ihre ersten Töne auf der Trompete spielte. 1980 ist sie schließlich zur Stadtkapelle Weitra gekommen. Besonders das Miteinander und das gemeinsame Musizieren gefallen ihr dort, erzählt sie.

Bald hat sich Martina Bauer auch als Kapellmeister-Stellvertreterin eingebracht. Als die Stadtkapelle 1996 auf Kapellmeister-Suche war, kam die damals 29-Jährige ins Gespräch. „Ich habe dann zugesagt, es war eine relativ spontane Entscheidung. Meine Leidenschaft war es aber damals schon“, blickt Bauer zurück. Kapellmeister-Ausbildung hatte sie da noch keine – und wollte den Kurs so schnell wie möglich nachholen. Gesagt getan: Über zwei Jahre absolvierte sie den Kapellmeister-Kurs des NÖ Blasmusikverbandes, lernte dort das Dirigieren und Musiktheorie. „Ich habe viele Ideen mitgebracht, die ich in der Kapelle umsetzen konnte. Als Kapellmeisterin kann man die Musik mitgestalten“, sagt Martina Bauer.

Frauen, die sich (nicht) trauen?

Ohne diesen Kurs hätte sie sich die Funktion wohl nicht zugetraut, gesteht sie: „Es ist ja doch eine Männerdomäne.“ Obwohl: Besonders in der eigenen Kapelle sei das nie ein Thema gewesen. „Ich hatte nie das Gefühl, dass ich nicht akzeptiert werde – im Gegenteil, ich wurde immer unterstützt.“ Dass es einer gewissen Fachkenntnis bedarf, sei unabhängig vom Geschlecht wichtig. „Und dass jemand vorne steht, der das einfach gerne macht. Das ist bei mir sicher der Fall“, lacht sie.

Während Martina Bauer die einzige Kapellmeisterin in den zwölf NÖBV-Mitgliedskapellen des Bezirkes ist, hat etwa der Bezirk Zwettl bei 26 Musikkapellen im NÖBV bereits neun Kapellmeisterinnen. „Ich vermute, dass sich viele nicht trauen – obwohl sie es eigentlich drauf hätten. Ich glaube, viele würden es sehr gut machen“, sagt sie auf die Frage, warum es nicht mehr Frauen in dieser Funktion gibt. Und ergänzt: „Für einige Frauen ist es immer noch schwer mit der Familie vereinbar. Es steckt schon sehr viel Zeit dahinter.“

Umso wichtiger, dass Kapellen die Leidenschaft für Musik und Gemeinschaft schon in jungen Jahren wecken, Jungmusiker unterstützen und miteinbeziehen. Die Stadtkapelle Weitra versucht das unter anderem durch das Jugendorchester, das seit 2013 von Martina Bauer geleitet wird.

Überraschend exotisch

So unproblematisch Martina Bauers Dasein als Kapellmeisterin in der eigenen Kapelle nach ihren Erzählungen war, für andere war es doch ungewöhnlich: „Bei manchen Begegnungen hatte ich das Gefühl, dass sie überrascht sind. Für viele war es sicher exotisch“, erinnert sie sich. Negative Auswirkungen oder mangelnde Akzeptanz habe es dennoch nicht gegeben. „Beim Kapellmeisterkurs waren damals 60 Männer und drei Frauen – eine davon war ich.“ Heute sei das anders.

Mit den Jahren geändert hat sich auch, dass deutlich mehr junge Frauen zur Militärmusik gehen, von dort Erfahrungen in ihre Kapellen mitbringen oder es als Einstiegschance in eine Musikkarriere nutzen. Seit dem Vorjahr hat die Stadtkapelle Weitra mit Theresa Teubl wie berichtet ein Mitglied aus den eigenen Reihen bei der Militärmusik NÖ. Nicht nur das – sagt Martina Bauer – mache sie besonders stolz: „Auch, dass wir überhaupt sehr viele Mädchen in der Kapelle haben.“ Ob sie auch zur Militärmusik gegangen wäre? „Ich glaube schon.“

Was einen guten Kapellmeister ausmacht

Für Martina Bauer ist das klar: „Er oder sie sollte kameradschaftlich sein und eine gewisse Lockerheit haben.“ Was ihr an der Blasmusik gefalle, sei das Miteinander und das gemeinsame Musizieren. Genau das fehle momentan, wo die Instrumente wegen der Pandemie zumindest fürs gemeinsame Spielen verstummt sind, ganz besonders, sagt Bauer.

Andererseits habe ihr die Krise auch gezeigt, wie viel Spaß sie nach 25 Jahren noch an der Funktion der Kapellmeisterin hat.