Ein Uhren-Atelier mit Schweizer Expertise. Wie sich Michael Albert Meyer als Uhrmacher international einen Namen machte und warum er in seine Heimatstadt Weitra zurückkehrte. Ein Porträt.

Von Karin Pollak. Erstellt am 26. Juli 2019 (06:40)
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Mit edlen Materialien und nach Kundenwunsch baut Michael Albert Meyer seine Uhren der Marke „M. A. Meyer & Söhne“.

Thomas Gottschalk, Iris Berben, Sean Connery oder der ehemalige Ferrari-Chef Jean Todt haben bereits eine von ihm gebaute Uhr. Jetzt stellt Michael Albert Meyer aus Weitra auch edle Uhren „Made in Weitra“ her: Der Lehrer an der Uhrenfachschule in Karlstein leitet seit knapp einem Jahr ein Uhren-Atelier in seiner Heimatstadt. Seine Uhrenmarke „M. A. Meyer & Söhne“ ist mittlerweile international geschützt.

„Eigentlich war es meine Firmungsuhr, die das Interesse bei mir geweckt hat“, erzählt Meyer. Der berufliche Weg war somit vorgegeben und er schaffte den Sprung in das Nobelunternehmen „IWC“ in Schaffhausen. „Seit 1868 ist das eine der führenden Uhrenmanufakturen der Schweiz“, betont Meyer. Er baute viereinhalb Jahre lang komplizierte Uhren mit ewigem Kalendarium.

 Über das Teuerste vom Teuersten

 „Exklusive Uhren und Einzelstücke habe ich auch für viele Promis angefertigt“, so der Uhrenspezialist, der nach seiner Tätigkeit in der Schweiz zum renommierten Juwelier Koppenwallner am Alten Markt in Salzburg gewechselt ist. „Hier wird das Teuerste vom Teuersten verkauft“, blickt Meyer zurück.

Um die teuerste Uhr, die er dort in Händen halten konnte, hätte man viele Häuser bauen können. „Es war auch hier mein tägliches Brot, mit bekannten Persönlichkeiten über Uhren zu reden und diese für sie dann zu kreieren“, gibt sich Meyer bodenständig. „Ich habe immer aufgepasst, damit ich nicht abhebe. Dabei hat mir sicherlich die Verbundenheit zur Heimat und zur Waldviertler Natur geholfen.“

Letztendlich war es auch die Verbundenheit, die ihn und seine Familie vor vier Jahren dazu gebracht hat, nach Weitra zu übersiedeln. „Außerdem wollte ich meine Idee, eigene Uhren zu produzieren, endlich verwirklichen“, schildert der Spezialist. Gleichzeitig konnte er in Karlstein zu unterrichten beginnen. Dafür studierte er auch technisch-gewerbliche Pädagogik in Wien.

 „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, die Uhren sind handgemacht und würden im Geschäft vermutlich das Doppelte kosten.“ Michael Albert Meyer

 Neben diesem „Brotberuf“ widmete er sich intensiv seinem Projekt „Uhren-Atelier“. Dieses Unterfangen war, so Meyer, nicht einfach. „Eine Uhrenproduktion geht nicht ohne großen Maschinenpark. Das war für mich nicht machbar, daher habe ich nach Firmen gesucht, die mir die Teile für meine Uhren produzieren. Und davon gibt es bei einer Uhr viele. Über 100 Teile sind es sicherlich.“

Die Firmen waren gefunden und so startete Meyer im August 2018 mit seinen ersten eigenen Uhren-Prototypen. „Der Erfolg in den ersten Monaten ist absolut toll, den habe ich mir eigentlich nicht erwartet“, zeigt sich der Weitraer zufrieden. Seine edlen Uhren werden nach Kundenwunsch produziert.

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Das Ehepaar Meyer – Michael Albert und Regina – kehrte vor vier Jahren in ihre Heimatstadt Weitra zurück.

Diese zeichnen sich durch hohe Qualität und zeitloses Design aus. Dafür verwendet Meyer modernste Materialien wie Rhodium Platinen, Rubinlager und Saphiergläser. „Jede Uhr ist ein Unikat. Natürlich hat das seinen Preis“, erklärt Meyer. Ab 3.000 Euro gibt es die „M. A. Meyer & Söhne-Zeitgeneration“-Uhr. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist sehr gut, die Uhren sind ja handgemacht und würden im Geschäft vermutlich das Doppelte kosten.“

 Große Produkt-Nachfrage

 Mittlerweile werden die Uhren „Made in Weitra“ bereits von Kunden in Österreich, Deutschland und Italien getragen. Die Nachfrage ist steigend. „Im Restaurant am Hausschachen habe ich eine Vitrine, hier berate ich auch meine Kunden“, erklärt der 39-Jährige, der dank seiner Karriere auf das Vertrauen vieler Kunden bauen kann.

„Das eigene Atelier hätte ich gerne schon viel früher gemacht. Aber ohne einen finanziellen Background, den ich mir über die Jahre aufgebaut habe, war das nicht möglich“, erklärt Meyer, der mit seiner Gattin Regina, einer Juristin aus Weitra, sein Unternehmen führt. „Vermutlich bin ich für meine Schüler in Karlstein ein Vorbild. Aber mir ist es wichtig, den jungen Menschen etwas fürs Berufsleben mitzugeben. Das Wichtigste, was mir die Erfahrung gezeigt hat, ist, dass man in diesem Beruf gut sein muss, aber vorrangig ist die Teamfähigkeit. Gut alleine spielt es in dieser Branche nicht“, weiß der Vollzeitlehrer, der seinen Traum realisieren konnte.

„Die Reise geht nach oben“, freut sich der Uhrmacher, für den die Zeit dazu da ist, sie auszunutzen – sei es mit der Familie, für seine Projekte oder einfach einmal nur für ihn selbst.