Rollstuhl-Fahrzeug für Freund gebaut. Franz Neunteufel schuf ein Fahrzeug für rollstuhlfahrenden Freund, damit er wieder Ausflüge in die Natur unternehmen kann. Stammtischrunde übernimmt Kosten.

Von Karin Pollak. Erstellt am 24. Juni 2020 (05:25)
Markus Schwingenschlögl ist von seinem neuen „Bullex 2020“, den Franz Neunteufel für ihn gebaut hat, total fasziniert und freut sich schon auf die Ausflüge damit in die Natur.
Karin Pollak

Ein Stück Freiheit gibt es für den Weitraer Markus Schwingenschlögl (51), der seit acht Jahren wegen einer Muskelerkrankung auf den Rollstuhl angewiesen ist. Sein langjähriger Freund Franz Neunteufel baute ihm ein besonderes Fahrzeug, an den Kosten dafür beteiligen sich die „Stammtischfreunde“.

Fahrzeuge am Markt unerschwinglich

„Ich bin auch mit dem Rollstuhl gerne aktiv. Aber mittlerweile fehlt mir die Kraft, mich von meinem normalen Rollstuhl in den großen Elektrorollstuhl umzusetzen. Daher kann ich nur mehr beschränkt Ausflüge in die Natur unternehmen“, erzählt Markus Schwingenschlögl. Im Internet hat er nach Alternativen gesucht: „Es gibt zwar Fahrzeuge. Aber diese sind für mich unerschwinglich und verfügen über Sitze. Also müsste ich mich wieder umsetzen“, zeigt der Absolvent der HTL in Karlstein sein Problem auf.

Spontan Hilfe angeboten

Davon erfuhren seine Stammtischfreunde, mit denen er sich öfter beim Mittagessen im Weitraer Pflege- und Betreuungszentrum trifft. Darunter ist auch der pensionierte Polizeibeamte Franz Neunteufel, der als „Tüftler“ und „Fahrzeugbauer“ bekannt ist. „Ich kenne Markus schon lange, sein Vater Anton hat mich als Installateurlehrling bei der Firma Zederbauer ausgebildet. Daher habe ich Markus versprochen, dass ich ihm ein Fahrzeug bauen werde. Wie, das wusste ich noch nicht“, erzählt Franz Neunteufel. Dabei wurde auch vereinbart, dass Werner Himmer, Sieglinde Romeder, Raimund Winter und Peter Weixelbaumer die Materialkosten übernehmen werden. Franz Neunteufels Beitrag sind die Planungs- und Arbeitszeit.

200 Stunden geplant

Bei der Planung wurde Neunteufel von Markus Schwingenschlögl, der vor seiner Erkrankung als Mikromechaniker gearbeitet hat, unterstützt: „Rund 200 Stunden haben wir getüftelt. Geworden ist es ein „Bullex 2020“. „Diesen Namen habe ich von meiner zweijährigen Großnichte übernommen. Bullex war eine Zeit lang ihr Lieblingswort“, so Schwingenschlögl.

Rollstuhlgerecht und sicher

Das Gefährt verfügt über eine Plattform aus Metall, die mit einer Seilwinde senkbar ist. Dadurch ist das Rauf- und Runterfahren mit dem Rollstuhl einfach. Die vier Quad-Räder werden mit alten Rollstuhlmotoren angetrieben. Gelenkt wird mit einem Joystick, ein Retourgang ist eingebaut, natürlich auch elektromagnetische Bremsen. „6 km/h kann ich damit fahren, es ist einfach genial“, freut sich Schwingenschlögl. Die Rampe und den Eisenrahmen produzierte die Firma Brunner, die ebenfalls dieses besondere Projekt unterstützen wird.

Probefahrten waren erfolgreich

Die ersten Probefahrten sind bereits absolviert. Kleinigkeiten, wie die Seitenbügel, die Ablage für die Steuerung oder die Blinker fehlen. In Kürze soll „Bullex 2020“ aber fertig sein – nach rund 100 Stunden Bauzeit.

Serienmäßige Produktion?

„Vielleicht wird diese Idee von einer Firma übernommen und serienmäßig produziert. Für Rollstuhlfahrer wäre das sicherlich eine tolle Sache“, überlegt Neunteufel, der durch sein Engagement Markus Schwingenschlögl eine Riesenfreude gemacht hat. Dieser ist allen Beteiligten dankbar.