Verwalter im Ruhestand: Ablöse im Schloss. Guts- und Schlossverwalter Johannes Hartig trat nach 37 Arbeitsjahren für die Familie Fürstenberg in den Ruhestand. Für die NÖN blickte er zurück.

Von Karin Pollak. Erstellt am 26. Januar 2018 (04:47)
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Johannes Hartig (Mitte) ist seit der Vorwoche Pensionist. Seine Agenden als Forst- und Gutsverwalter im Hause Fürstenberg übernehmen Forstmeister Mario Klopf (rechts) und Günter Strondl (links).
Karin Pollak

37 Jahre war er eng mit der Fürstenberg‘schen Forst- und Güterdirektion verbunden – in der Vorwoche trat Gutsverwalter Johannes Hartig im Alter von 67 Jahren seinen Ruhestand an.

Hartig verbrachte seine ersten zehn Lebensjahre in Litschau, wo sein Vater die Seilern-Aspang’sche Teichwirtschaft betreute. „Das habe ich also anscheinend im Blut“, so der Neo-Pensionist, der die 36 Hektar Teichfläche der Familie Fürstenberg ebenso verwaltete wie die über 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche.

In seinen mehr als dreieinhalb Jahrzehnten in der Fürstenberg‘schen Gutsverwaltung hat er einen regen Wandel miterlebt. „Zu Beginn meiner Tätigkeit in Weitra gab es in meinem Arbeitsbereich über 20 Mitarbeiter. Die Arbeitssituation hat sich in all den Jahren enorm gewandelt. Das war eine sehr interessante Herausforderung“, so Hartig, der zuletzt von drei Mitarbeitern unterstützt wurde: „Anfangs waren wir ohne Handy und ohne Computer, wir haben trotzdem gut gearbeitet.“

"Die finanzielle Belastung war enorm“

Ebenso herausfordernd für ihn war die Generalsanierung des Schlosses, die 1990 begonnen hatte und bis zur Landesausstellung 1994 dauerte. „Das war eine sehr intensive und fordernde Aufgabe. Das Schloss wurde vom Keller bis zum Dach saniert, zeitweise waren 60 bis 70 Arbeiter auf einmal auf der Baustelle. Auch die finanzielle Belastung war enorm“, so Hartig, der damals auch „Schlossverwalter“ wurde: „Das Ergebnis ist erfreulich. Seit der sehr erfolgreichen Landesaustellung gab es eine bunte Vielfalt an kulturellen, gesellschaftlichen und sonstigen Veranstaltungen.“ Viele Persönlichkeiten durfte Hartig in diesem „Nebenjob“ kennenlernen – Politiker, Künstler und Wirtschaftstreibende, wie die Bundespräsidenten Kirchschläger und Klestil.

Ein wichtiges Standbein der Fürstenberg‘schen Güterverwaltung ist die Teichwirtschaft. Auch sie war einem starken Wandel unterzogen. „Bis zum EU-Beitritt wurde die Fischernte über den Großhandel vermarktet. Seither hat sich die Situation dramatisch geändert. Wir sind fast zu 100 Prozent Direktvermarkter – und da ist die Nähe zum Kunden einfach wichtig“, so der scheidende Verwalter.

Klopf und Strondl bilden das Nachfolger-Duo

Sein „Lebenswerk“ übergibt Johannes Hartig an Mario Klopf und Günter Strondl. Forstmeister Klopf, der seit vier Jahren für den Gesamtbetrieb verantwortliche zeichnet, übernimmt die Verwaltungsarbeiten. Hartig: „Er hat sich bestens eingearbeitet. Ich bin sicher, dass er meinen Fußabdruck locker ausfüllen wird.“ Für die praktischen Agenden in der Land- und Teichwirtschaft, in den Werkstätten, im Bauhof samt Fuhrpark und Gebäuden ist nun Günter Strondl aus Ulrichs zuständig. Er arbeitet seit 13 Jahren im Hause Fürstenberg.

Das Abschiednehmen fällt Johannes Hartig nicht so schwer. Einerseits wird er in näherer Zukunft den Kollegen nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite stehen, andererseits kann er sich seiner Familie, seinem Haus und Garten sowie der Jagd, dem Reisen und Skifahren mehr widmen. „Was mir sicher nicht fehlt, ist der sinnlose Bürokratismus und der Regulierungswahn unserer Behörden. Das ist mehr Hindernis als Nutzen, kostet nur Zeit und Geld“, so Hartig, der sich auch als Jung-Pensionist kein Blatt vor den Mund nimmt.

Seinen Kollegen dankte Johannes Hartig, der weiterhin in Reinprechts wohnen wird, für das homogene und kollegiale Klima: „Wir haben auf Augenhöhe gearbeitet, konnten offen und ehrlich miteinander reden. Ich habe jeden Tag gerne gearbeitet“, so Hartig abschließend.