In sieben Jahren um die Welt…. Pensionisten-Ehepaar Langer/Bochnik verließ seinen bisherigen Lebensweg und landete nach Weltreise in Weitra.

Von Karin Pollak. Erstellt am 21. November 2018 (06:00)
In Papeete auf Tahiti feierte Helga Langer ihren 63. Geburtstag. An ihrer Seite: Gatte Peter Bochnik.
privat

„Wir sind keine Abenteurer oder Helden, wir sind einfach bequeme Rentner.“ Das behauptet Helga Langer (66) von sich und ihrem Gatten Peter Bochnik (70). Gemeinsam sind sie in den vergangenen sieben Jahren mit ihrem elf Meter langen Katamaran „Twiga“ um die Welt gesegelt, ehe sie Weitra als neue Heimat auserkoren haben.

„Wir haben während der Reise neun E-Books geschrieben und über 22.000 Fotos gemacht. Daraus ist nun auch ein Buch entstanden.“ Für „Rund um die Welt“ gründete das Ehepaar den „Twiganauten-Verlag“, gedruckt wurde es in der Druckerei Janetschek in Heidenreichstein. Eindrucksvolle Erlebnisse, Herausforderungen und manch kritische Situation haben Langer und Bochnik in den sieben Jahren erfahren. „Negatives Denken kommt aber nur, wenn man nicht gefordert ist. Wir haben das Leben in der Natur genossen, sind sehr achtungsvoll miteinander umgegangen“, betont die ehemalige PR-Beraterin aus Lilienfeld.

„Negatives Denken kommt nur, wenn man nicht gefordert ist.“ Helga Langer

Vielleicht noch spannender ist, wie es überhaupt zum Segeltörn gekommen war: Helga Langer, die während der Studienzeit ihrer Töchter die WU-Wien besuchte, suchte über das Internet einen Partner. „Ich wollte einen Mann, der mich bei meinen Rucksackreisen begleitet. Das tat mein erster Mann nicht. Dabei habe ich das Segeln als Hobby angekreuzt. Aber mehr als ein paar Runden am Attersee konnte ich nicht vorweisen“, erzählt die Jung-Weitraerin. Über diese Partnervermittlung lernte sie den pensionierten Gynäkologen Peter Bochnik aus Hamburg kennen. Es passte von Anfang an. „Meine Diplomarbeit habe ich nicht mehr geschrieben. Wir haben uns stattdessen ein kleines Segelboot angeschafft, mit dem wir in drei Jahren immer sechs Monate in Griechenland herumgesegelt sind. Das war für mich Neuland, während Peter schon viele Jahre Segelerfahrung hatte.“

Danach fand das Paar in Südafrika ein günstiges Segelboot, lösten ihre Haushalte auf und übersiedelten 2010 auf ihre „Twiga“ (Suaheli: Giraffe). Dieser Katamaran wurde ein Jahr lang auf Vordermann gebracht, Anfang 2011 starteten die Pensionisten von Kapstadt in Richtung Brasilien. „Natürlich war es eine logistische Herausforderung. Wir durften ja nur 30 Kilo Gepäck mit nach Südafrika mitnehmen. Aber man lernt, mit wenig auszukommen. Das behalten wir sicherlich bei“, erzählt Langer.

Gesegelt wurde, wenn es das Wetter erlaubte. „Wir haben uns zuerst an den Großwetterdienst gehalten und die guten Wetterfenster genützt. Direkt beim Segeln reagierten wir auf heranziehende Gewitter oder Stürme“, so Langer, die mit ihrem Gatten abwechselnd die Twiga gesteuert hat: „Es war wie in einem Wetterhäuschen. Einer kam, der andere ging schlafen. Man bekommt eine ganz andere Lebenseinstellung, die hält jung.“

Bei Landgängen lernte das Duo fremde Kulturen kennen, durfte bei Ureinwohnern wie den Kuna-Indianern auf den „Blasinseln“ in Panama leben oder segelte an spukenden Vulkanen vorbei. „Auf Fidschi darf nur der Indianer-Häuptling die Erlaubnis zum Ankern geben, in Amerika darf man keine Lebensmittel aus dem Ausland an Bord haben, auf den Galapagos-Inseln hatten wir bei der Zollkontrolle zehn Beamte an Bord“, schmunzelt Langer. Sie hat gemeinsam mit den Ureinwohnern ihre Wäsche im Fluss gewaschen oder in der Südsee Grammelschmalz und Sulz von einem nur mit Kokosnüssen gefütterten Schwein gekocht.

Für die Technik war ihr Gatte zuständig. „Ich bin ein begeisterter Dilettant. Man muss einfach flexibel sein und mit dem, was man hat, die Probleme lösen“, weiß er. Vom gebrochenen Steuerruder mitten im Pazifik oder stromlosen Solarpaneelen wegen falsch eingeschätzter Sonneneinstrahlung bei der Atlantiküberquerung weiß er ein Lied zu singen. Kritischer war für seine Gattin seine Gallenkolik. Woran sich die beiden nie gewöhnen konnten, das war die Seekrankheit nach etwas längeren Landgängen.

„Mit bis zu 1.500 Euro kamen wir gut durch“

Dass man als Weltumsegler reich sein muss, widerlegen sie. Ihr Boot kostete 50.000 Euro, die gleiche Summe wurde für das technische Equipment aufgewendet. Gelebt wurde von den Pensionen, davon wurden monatlich 1.000 Euro für Bootskosten und Gebühren verwendet. „Mit 1.000 bis 1.500 Euro kamen wir sehr gut durch, das hätten wir auch hier gebraucht“, rechnet Helga Langer vor, die sich auch einmal im Jahr einen Trip zu den Töchtern in Weitra und zu ihrer 91-jährigen Mutter in Lilienfeld gegönnt hat.

Jetzt hat das Paar genug vom Segeln, die „Twiga“ wird verkauft. Aber es gibt neue Pläne für die Jungunternehmer mit eigenem Verlag und Atelier: Peter Bochnik will Krimis schreiben, Schauplätze kennt er jetzt genügend. Helga Langer setzt auf Kinderbücher: „Mit den Bildergeschichten habe ich beim Segeln begonnen, um mit meinen Enkelkindern verbunden zu sein.“ Drei davon mit ihren eigenen Illustrationen und Geschichten gibt es schon.

Helga Langer mit ihren neu erschienenen Büchern.
Karin Pollak

Helga Langer hat Weitra erst durch ihre Töchter, die zufällig beide hier mit ihren Familien leben, kennen und auch lieben gelernt. „Deshalb haben wir heuer in Weitra unser neues Zuhause geschaffen, nachdem wir vor unserer Weltumsegelung auch hier geheiratet hatten. Wir fühlen uns einfach wohl, lernten viele gute Freunde kennen und haben hier ganz viele Möglichkeiten, die wir gerne nützen“, so die Weltumsegler.

Die „Twiga“ war sieben Jahre lang das Zuhause der Pensionisten.
NOEN

Über die Weltreise berichten sie nun in Vorträgen. Start war am 20. November in Weitra.