Wieder Konflikt um Wohnanlage. ANRAINER-WIDERSTAND / Drei Einsprüche gegen das überarbeitete Wohnprojekt in der Bergzeile. Bürgermeister und Siedlungsgenossenschaft zeigen sich überrascht.

Erstellt am 10. August 2011 (07:05)
VON DANIEL LOHNINGER

WEITRA / Lange Zeit war es ruhig um das geplante Wohnprojekt der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel in der Bergzeile, das nach einem NÖN-Bericht vor mittlerweile eineinhalb Jahren gestoppt wurde. Jetzt droht den Projektbetreibern neuer Ärger: Drei Einsprüche machen eine Bauverhandlung notwendig – die Stadtgemeinde Weitra hatte zuvor versucht, das Projekt mittels Bauanzeige durchzubringen.

Anrainer sprechen von einem „Wohnbau-Monster“

Die Anrainer vermuten hinter dieser Strategie, dass die Stadtführung damit ohne großes Aufsehen eine Baubewilligung erwirken wollte. „Dieses Wohnbau-Monster passt nicht in die Bergzeile. Offensichtlich wird hier bewusst die NÖ Bauordnung ignoriert“, so ein Anrainer in einem Schreiben an die NÖN Gmünd. Er stützt sich bei seiner Argumentation – der auch sein Einspruch folgt – auf den Paragrafen 56 der NÖ Bauordnung (siehe Infobox), der als Voraussetzung für eine Baubewilligung unter anderem vorsieht, dass sich das Gebäude sowohl hinsichtlich der Dimension als auch der Form und Charakteristik harmonisch in die Umgebung einfügt. Laut Ansicht der Anrainer tut das der geplante sechsgeschoßige Bau der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel inmitten der kleinen, ehemaligen Arbeiterhäuser der Bergzeile nicht.

Bürgermeister Raimund Fuchs (ÖVP) und Manfred Damberger von der Siedlungsgenossenschaft Waldviertel zeigen sich vom neuerlichen Widerstand überrascht. „Wir haben diesen neuen Entwurf gemeinsam mit den baurechtlich relevanten Anrainern abgestimmt, haben sogar Grund an zwei unmittelbare Anrainer abgetreten und jetzt plötzlich soll das alles nicht mehr gelten?“, wundert sich Damberger. Abgesehen davon seien aus dem ursprünglich geplanten Projekt auch der viel kritisierte Liftturm sowie die Holzbrücke gestrichen worden. „Der Blick auf die Stadtmauer wird dadurch auch in Zukunft uneingeschränkt möglich sein“, so Damberger. Generell gehe die Siedlungsgenossenschaft davon aus, dass eine Baugenehmigung erfolgen werde. Und weiter: „Das Projekt entspricht allen Bauordnungsvorschriften. Wir erwarten deshalb wie jeder Bauwerber, dass wir einen rechtskräftigen Baubescheid bekommen und mit den Bauarbeiten beginnen können.“

Fuchs: „Mein Eindruck war, dass es einen Konsens gibt“

Auch Fuchs betont, dass die Einsprüche nicht zu erwarten gewesen seien – nur deshalb habe er das verkürzte Verfahren mit Kundmachung der Bauanzeige gewählt. „Das Projekt war im Jänner 2010 einreichfähig und wurde nicht zuletzt aufgrund meiner Interventionen gestoppt. In das nun vorliegende Projekt wurden viele Forderungen eingearbeitet – mein Eindruck war, dass es einen Konsens gibt“, so Fuchs. Da es diesen nicht gibt, wird im September die nächste Runde steigen – die Bauverhandlung unter Einbeziehung aller unmittelbaren Anrainer. Bis dahin könnten dem Bürgermeister noch ein paar heiße Wochen bevorstehen.